EnWi-Newsletter September 2010

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Editorial: Making up Rassismus! – und ein Plädoyer für den „unwissenden Lehrmeister“

Zur Debatte um den derzeitigen Vorzeigerassisten Thilo Sarrazin ist schon viel gesagt und geschrieben worden. Zwei Punkte, die in der Debatte nicht so zentral diskutiert werden, möchte ich hingegen hier kurz in den Mittelpunkt stellen.

Zunächst ist es spannend mitzuerleben wie rassistische Argumentationsmuster sich bilden und entwickeln. Hierzu kann man auf die Ideen von Ian Hacking zurückgreifen, der in seinem Essay „Making up People“ auf sehr interessante Weise zeigt, wie Personengruppen gemacht, also definiert, klassifiziert, quantifiziert, normiert etc. werden. Genau das hat auch Sarrazin auf nahezu perfekte Weise hinbekommen. [Fortsetzung nach dem Inhaltsverzeichnis]

EnWi e.V.
Editorial: Making up Rassismus! – und ein Plädoyer für den „unwissenden Lehrmeister“
07.09.2010: Runder Tisch zivilgesellschaftlicher Akteure zu einem Handlungskonzept für Vielfalt und Demokratie in Leipzig
Sommerloch? Nicht bei uns!
Leipzig
Wikipedia:Ein kritischer Standpunkt
Lectures zur Kritischen Weißseinsforschung, Weißes Haus, 3.-19.9.
Fachtagung: Migrantenorganisationen – Potenziale nutzen, Kompetenzen stärken, 15.9., Leipzig
Zoo der Privilegierten und Markierten - Leipzig, Weißes Haus, 3.-19.9.
Ausstellung und Veranstaltungsreihe "Sinti und Roma - Eine Geschichte von Ausgrenzung, Deportation und Vernichtung"
18.9., 19:30, Conne Island: "Voller Entsetzen aber nicht verzweifelt"
Rassismus? Kein Problem für Dich? Tagesseminar, 30.09.10
Diskussionsveranstaltung: Das Geschlecht des Situationismus. 9.9., 19 Uhr
"der schutzraum": Film-Klang-Licht-Collage am Richard-Wagner Platz, 2.-4.9.
Nobody´s Business? Filme und Gespräche über Migration und Arbeit ::: naTo, 16.09.10 - 28.09.10
ver.di-Veranstaltung zum wissenschaftlichen Nachwuchs, 25. September, 11-14 Uhr
Rest der Welt
Call for Paper: Subversive Aktion als emanzipatorische Praxis?, Deadline: 1.11.10
Symposium: Capturing the Political. How to analyze power beyond state politics. Berlin, 21.-23.10.10
No Border Camp Brüssel, 23. September - 5. Oktober
Manometer! Antifaschistisches Familientreffen in Kassel, 1.-3. Oktober ::: ANMELDESCHLUSS 6.9. :::
Kein Peters, kein Lüderitz, kein Kolonialismus? Ein kritischer Rundgang durch die Dauerausstellung des Deutschen Historischen Museums
Wochenendseminar "Kritische Theorie" in Berlin 20.-21.11. (Anmeldeschluss 1.10.)
Konferenz "Antisexistische Praxen IV", 10.-12.9., Berlin
Tagesseminar "Blickpunkt Rassismus - rassistischem Verhalten handelnd begegnen" 29.9., Dresden
Den "nationalen Antikriegstag" in Dortmund verhindern! 4. September 2010
Großes Septembertreffen des INSEL (Institut für Selbstbestimmte Bildung) in Könnern, 18.-19.9.
Neuerscheinungen
Heike Radvan: Pädagogisches Handeln und Antisemitismus

Editorial: Making up Rassismus! – und ein Plädoyer für den „unwissenden Lehrmeister“

Zur Debatte um den derzeitigen Vorzeigerassisten Thilo Sarrazin ist schon viel gesagt und geschrieben worden. Zwei Punkte, die in der Debatte nicht so zentral diskutiert werden, möchte ich hingegen hier kurz in den Mittelpunkt stellen.

Zunächst ist es spannend mitzuerleben wie rassistische Argumentationsmuster sich bilden und entwickeln. Hierzu kann man auf die Ideen von Ian Hacking zurückgreifen, der in seinem Essay „Making up People“ auf sehr interessante Weise zeigt, wie Personengruppen gemacht, also definiert, klassifiziert, quantifiziert, normiert etc. werden. Genau das hat auch Sarrazin auf nahezu perfekte Weise hinbekommen. Er hat das vollzogen, was Hacking beschreibt: „More generally, we try to biologise, to recognise a biological foundation for the problems that beset a class of people“. Sarrazins Argumentation wirkt wie ein Begehren nach einer biologisch und genetisch einwandfrei verstehbaren Welt, auf deren Grundlage und durch das Wissen ihrer Funktionsweisen man ganz einfach steuern und Probleme lösen kann. Nur wird diese Welt eben nicht durch diesen biologistischen und genetisierten Blick einer adäquaten Analyse vollzogen, sondern sie wird – inklusive der Menschen und ihrer Probleme – erst durch diesen Blick erschaffen. Und so erschafft sich auch der Rassismus von Sarrazin selbst. In dem er die vermeintlichen Probleme erzeugt, definiert, ordnet und schließlich lösen will.

Dass diese Welt nicht so funktioniert, kann jede Person jeden Tag erleben, wenn sie sich den Realitäten stellt und mit dem Blick für Ambivalenzen, Uneindeutigkeiten und Kontingenzen eine andere Welt erschafft.

Daran schließt sich noch ein weiterer Punkt an, der in der Debatte um die Thesen von Sarrazin nicht so im Fokus steht. Gemeint ist die Frage der Entwicklung von Bildung und Wissen in unser heutigen Welt. Bei Sarrazin muss man das Gefühl haben, dass der Zugang zu Bildung und das Verstehen von Welt sich biologisch und sogar genetisch vermittelt. Das heißt, dass das Ideal der Gleichheit der Menschen und der Gleicheit der Chancen hier in tausend Stücke zerfällt.

Dieser Sichtweise, dass sich “Intelligenz” und Bildung genetisch entwickeln und determinieren, kann man eine ganz andere Position entgegenstellen. Sie stammt vom französischen Philosophen Jacques Rancière, der sie in seinem Buch “Der unwissende Lehrmeister” ausgebreitet hat. Ausgehend von seiner engagierten Darstellung der historischen Figur Joseph Jacotot, eines universitäten Lehrbeauftragten in den Niedelanden des 19. Jahrhunderts, macht Rancière daraus ein Plädoyer für ein Lernen und Lehren ohne elitären Habitus. Dazu gehört ebenso das Wissen um die Gleichheit aller Menschen. Ohne biologistische Zwangsbrille und genetisch-deterministisches Weltbild auskommend, zeigt diese Sicht auf die Menschen, dass die Möglichkeiten für Lernen und die Emanzipation durch Bildung erst einmal alle gleich in allen Menschen vorzufinden sind. Wichtig ist nur, diese Möglichkeiten zu fördern – was weder die aktuelle Bildungslandschaft noch die Debatten über Migration und “Unterschicht” tun.

Dazu Rancière: “Man hat keine besonderen pädagogischen Leistungen von einem emanzipierten Gärtner zu erwarten oder überhaupt von einem unwissenden Lehrmeister. Was ein Empanzipierter wesentlich kann, ist, Emanzipierender zu sein: nicht den Schlüssel zum Wissen geben, sondern das Bewusstsein davon, was eine Intelligenz sein kann, wenn sie sich allen anderen gleich und jeden anderen als ihr gleich betrachtet.”

Eine solche Position suchen wir bei Sarrazin und Co. vergeblich. Sie glauben zu wissen, aber letztendlich stehen sie einer intellektuellen und gesellschaftlichen Emanzipation fundamental entgegen.

Stefan Kausch

07.09.2010: Runder Tisch zivilgesellschaftlicher Akteure zu einem Handlungskonzept für Vielfalt und Demokratie in Leipzig

Liebe Initiativen, Vereine und Akteure für ein demokratisches Leipzig,

Die Stadt Leipzig möchte im Laufe dieses Jahres ein offizielles Handlungskonzept für Vielfalt und Demokratie, gegen Neonazismus und Ideologien der Ungleichwertigkeit verabschieden. Die Konzeption bildet einen wichtigen Baustein in den Bemühungen um die Fortsetzung des Lokalen Aktionsplans Leipzig (LAP), bei der u.a. inhaltliche Schwerpunkte, sowie Grundsätze für die Vergabe von Fördermitteln in diesem Bereich festgeschrieben werden sollen. Vorarbei-ten hierzu haben die RAA Leipzig e.V. und der Verein Engagierte Wissenschaft im Rahmen des Projekts „Vielfalt im Blick“ geleistet. Mit Mitteln des LAP wurde 2009 ein umfangreiches Handlungskonzept, bestehend aus einer Analyse der Leipziger Situation bezüglich Neonazis-mus und Ideologien der Ungleichwertigkeit und daraus abgeleiteten Handlungsempfehlungen für zivilgesellschaftliche Akteure, staatliche und kommunale Ämter und Stadtpolitik erstellt. Derzeit erarbeitet die Stadtverwaltung eine Vorlage für die Ratsversammlung, in der eine langfristige Strategie be-schlossen werden soll.

Leider sind an diesem Prozess nur die Mitglieder des LAP-Begleitausschusses und städtische Ämter beteiligt. Die Stadträte werden erst ca. 3 Wochen vor dem Beschluss einbezogen. Dies ist zwar ein übliches Verfahren. Jedoch gibt es Anlass zur Sorge, dass in dem städtischen Entwurf zentrale Forderungen der breiten Akteurslandschaft in Leipzig in diesem Feld unge-hört bleiben und den existierenden Bemühungen gegen Neonazismus, Rassismus und Diskri-minierung lediglich eine weitere Imagekampagne beiseite gestellt wird. Um aber eine Strategie für Vielfalt und Demokratie wirklich erfolgversprechend umzusetzen, ist unserer Auffassung nach die Mitwirkung der vielen engagierten Vereine, Initiativen, Sozio- und Ju-gendkulturträger für ein solches Handlungskonzept unverzichtbar.

Um diese Positionen stark zu machen, laden wir Euch/Sie herzlich ein zu einem

  • „Runden Tisch Handlungskonzept“
  • am Dienstag, den 07.09.2010 von 17.00 – 19.30 Uhr
  • in die RAA Leipzig in der Sternwartenstr. 4, Vorderhaus, 2. OG.

Im Rahmen des Treffens wollen wir ausloten, welche Zielstellungen, Umsetzungsschritte und Kooperationen wir für vordringlich halten und welche Ressourcen wir dafür als notwendig erachten. Das Handlungskonzept von RAA e.V. und EnWi e.V. kann hierfür eine Grundlage sein. Verständigen wollen wir uns vor allem über folgende Fragen:

  • Welche Punkte sollte eine städtische Ratsvorlage unbedingt enthalten?
  • Bei welchen Maßnahmen sollte eine städtische Ratsvorlage keinesfalls stehen blei-ben?

Vielleicht entsteht ja aus unserer Runde ein Positionspapier, das wir den demokratischen Stadtratsfraktionen übergeben und das sie in die Beratung der Vorlage einbeziehen können.
Dies sollte auf einer möglichst breiten Basis geschehen, um auch gehört zu werden!

Wir bitten Euch/Sie also um Eure/Ihre Teilnahme und freuen uns mal wieder auf ein Stück direkte Demokratie. Bei Interesse an einer Teilnahme schreibt uns bitte eine kurze Email an vib@engagiertewissenschaft.de Weiterhin würden wir uns über erste Gedanken, Fragen etc. eurerseits zu inhaltlichen Positionen freuen, die zur Vorbereitung des Treffens nützlich sein können.

Das Projektteam „Vielfalt im Blick“ / EnWi e.V. und RAA Leipzig e.V.

Sommerloch? Nicht bei uns!

Während manche EnWi-Aktivitäten (wie die Diskurswerkstatt) in der vorlesungsfreien Zeit traditionell ruhen, wird hinter den Kulissen stetig gearbeitet, gelesen, diskutiert, geforscht, geschrieben, redigiert und geplant. Zu den aktuellen Projekten gehören unter anderem: die Vorbereitung einer Vortragsreihe für den Herbst durch das FKR; die Erarbeitung eines Handlungskonzepts für Vielfalt in Halle/S. zusammen mit Partnern aus Sachsen-Anhalt; die Mitarbeit an einem Handlungskonzept für mehr Demokratie in Sachsen im Rahmen des Netzwerks Tolerantes Sachsen; die Vorbereitung eines Sammelbandes zur letztjährigen Tagung des FKR "Ordnung.Macht.Extremismus"; die Vorbereitung einer neuen Ausgabe der Broschüre Leipziger Zustände; u.v.m.... Die neu konstituierte AG postkolonial erfreut sich großen Zulaufs, liest, diskutiert und plant große Dinge. chronik.LE dokumentiert unermüdlich faschistische, rassistische und diskriminierende Aktivitäten in und um Leipzig. Das Forum für kritische Rechtsextremismusforschung erhält zahlreiche Anfragen für Vorträge und Workshops – wir reisen durch die Lande und führen interessante Diskussionen. Und der Vorstand sorgt dafür, dass der Laden am Laufen bleibt. Das geschieht alles, weil wir es wichtig finden und es Spaß macht. Auch im Sommer. Ihr dürft, Sie dürfen gespannt sein auf das, was im Herbst und Winter von uns zu hören sein wird.

Wikipedia:Ein kritischer Standpunkt

Wikipedia:Ein kritischer Standpunkt
25. und 26. September 2010
Universitätsbibliothek Leipzig

Am 25. und 26. September 2010 findet die Konferenz Wikipedia:Ein kritischer Standpunkt in der Universitätsbibliothek Leipzig statt. Die Konferenz will Wikipedia-ForscherInnen, KritikerInnen und Community-Mitglieder aus dem deutschsprachigen Raum für eine interdisziplinäre Auseinandersetzung mit der Wikipedia zusammenzubringen. Insbesondere die Bedeutung der Wikipedia für Bildung, Politik, Kultur und Gesellschaft soll hinterfragt und diskutiert werden.

Anmeldung und Kontakt:
cultiv - Gesellschaft für internationale Kulturprojekte e.V.
Bernhard-Göring-Str. 65
D-04107 Leipzig
Tel. +49-341-2228893
Email: info@cpov.de
www.cpov.de

Lectures zur Kritischen Weißseinsforschung, Weißes Haus, 3.-19.9.

Vortragsreihe im Rahmen des Projekts "Invisible Empire" am Centraltheater Leipzig
http://www.centraltheater-leipzig.de/centraltheater/programm/weisses_haus/

Eintritt jeweils 3 Euro

Fr, 3.9., 18.08 Uhr, Referentin: Anette Dietrich
CRITICAL WHITENESS STUDIES – Perspektiven der kritischen Rassismusforschung

Seit ein paar Jahren werden Critical Whiteness Studies auch im deutschen Kontext angewandt und diskutiert, um historische wie aktuelle Rassismen in der Mehrheitsgesellschaft aufzuarbeiten. Der einführende Vortrag beleuchtet zum einen, welche Impulse Critical Whiteness Studies für die kritische Rassismusforschung gegeben haben, zum anderen, inwieweit sich dieser Ansatz auf den deutschen Kontext übertragen lässt. Im Vortrag werden sowohl historische Beispiele zur Konstruktion des Weiß-Seins anhand u.a. der bürgerlichen Frauenbewegung im deutschen Kolonialismus als auch aktuelle Debatten ausgeführt, um den Perspektivwechsel der Critical Whiteness Studies zu verdeutlichen und diskutieren.

Sa, 4.9., 18.08 Uhr, Referentin: Dunja Brill
WIE KLINGT 'WEIßE' MÄNNLICHKEIT?

Inszenierungen von Maskulinität und Whiteness in Musiksubkulturen
Die populärmusikalische Landschaft heutiger westlicher Gesellschaften weist neben kommerziellem Pop eine Vielzahl subkultureller Nischen auf, in denen sich alternative Musikkulturen mit eigenen Genre-Normen und Stil-Codes entwickelt haben. Im Zuge der postmodernen Fragmentarisierung von Kultur und Wissen gewinnen die verschiedenen subkulturellen Szenen und deren mediale Ausdrucksformen zunehmend an Bedeutung für die Verhandlung gesellschaftlicher Konstrukte wie Race und Gender.

Ausgehend von einer Reflexion ‘weißer’ Selbstinszenierung in der Gothic-Subkultur beleuchtet der Vortrag speziell das Zusammenspiel von Whiteness und Männlichkeit in den kulturellen Ausdrucksformen der Industrial- und der Extreme-Metal-Szene. Industrial (eine Art Maschinenmusik mit harschen, verzerrten Sounds) und Extreme Metal (eine extreme Spielart des Heavy Metal) sowie die sie umgebenden Szenen sind stark maskulin und ‘weiß’ geprägt. Beiden Genres ist ein regelmäßiger Bezug auf heroisch überhöhte historische Motive und Mythen gemein, die sich zumeist um Kampf, Krieg, Militarismus oder gar Totalitarismus drehen. Solche Motive enthalten häufig den Topos des hypermaskulinen, nordischen Kriegers – ein Ideal, das im Vortrag zum einen kritisch dekonstruiert und zum anderen in Bezug zu allgemeinen gesellschaftlichen Entwicklungen gesetzt werden soll.

So, 5.9., 18.08 Uhr, Referentin: Steffi Hobuß
'WEIßE' BILDER IN DER WERBUNG Stabilisierung, Destabilisierung und Sichtbarmachung einer unsichtbaren Norm

Über Whiteness aus kritischer Perspektive zu sprechen bedeutet, sich an der Dekonstruktion von Kategorien zur Ordnung der Welt zu beteiligen und sich in zwei Zwangslagen zu begeben: Erstens, mit (rassialisierten) Begriffen gegen diese Begriffe zu arbeiten, und zweitens, im Versuch, „gerecht/er“ zu sprechen, d.h., rassistische Sprechweisen zu vermeiden, gerade gefährdet zu sein, Weiße Rassismen zu reproduzieren. Diese Dilemmata bleiben letzlich ohne Ausweg, doch bieten die Critical Whiteness Studies immerhin die Chance, grundlegende Mechanismen Weißer Dominanzstrukturen aufzuzeigen: Whiteness rückt in den Blick kritischer Analysen und wird als Konstruktion sichtbar, die wirkmächtig ist, indem sie sich (oft implizit) aus der von ihr rassialisierten Alltagswelt ausnimmt. Erst ihre Rassialisierung schwächt ihre Machtposition.
Vor diesem Hintergrund zeigt und untersucht der Vortrag einige Beispielbilder aus der Werbung. Es wird gefragt, ob und wie Whiteness durch Bilder der Werbung hergestellt, aufrechterhalten und legitimiert wird, und ob sich auch potentiell destabilisierende Lesarten von Werbebildern entwickeln lassen oder sogar durch ihr Deutungspotential nahe gelegt werden.

Fr, 10.9, 18.08 Uhr, Referentin: Anna Greve
WEIßSEIN UND KUNSTGESCHICHTE Normalität oder Rassismus?

Der Vortrag führt in die noch junge Theorie der Kritischen
Weißseinsforschung ein und demonstriert an ausgewählten Beispielen aus
Mittelalter und Renaissance die Mechanismen /weißer/ Wissensproduktion
über Schwarze als ikonografisches Motiv. Weißsein wird dabei als
unsichtbare Strukturkategorie der europäischen Kunstgeschichte offen gelegt.

So, 12.9., 18.08 Uhr, Referent: Tim Stüttgen
ICH WEISS WEISS

Über Körper und Wissensbestände einer un/sichtbaren Macht-Kategorie. Vortrag mit Filmbeispielen zu weissen Körpern, beim Sex, beim alltäglichen
Agieren und bei der Aneignung von Blackness.

Fr, 17.09., 18.08 Uhr, Referent: Sebastian Kirsch
SCHWARZE WAND UND WEIßE HAUT Zur gemeinsamen Geschichte von Bühnenkasten und Rassendiskursen

Einer der dramatischsten Wendepunkte in der Geschichte des europäischen Theaters ist der Einzug der Bühnen von den offenen Plätzen der Städte in die Innenräume: Um und nach 1600 verlagert sich das Theater in eigens eingerichtete Schauanlagen, geschlossene Kästen und autonome Dunkelkammern im Herzen der urbanen Räume, die bis heute die Idee vom Stadttheater bestimmen.

Die Konstruktion dieser dunklen Innenräume mit ihren undurchlässigen Wänden ist nicht zuletzt eng mit der Geschichte der europäischen Körperideale und der Entstehung einer bestimmten Auffassung vom Subjekt verbunden. Ungefähr zur selben Zeit, um die Wende zum 17. Jahrhundert nämlich, beginnt die Vorstellung von der menschlichen Haut sich zu wandeln und umzukehren: Im Zuge einer radikalen Verbildlichung des Einzelnen wird diese von einer offenen Membran, die den Menschen mit seiner Umwelt verbindet, zu einer geschlossenen Hülle, die möglichst makellos und weiß erhalten werden soll. Mit dem neuen Körperkanon entsteht zugleich ein Hygienediskurs, der das Thema der „Reinheit“ von der Seele auf die Haut verschiebt, die vor Schmutz und Exkrementen geschützt werden soll.
Diese Umwertung markiert daher auch einen entscheidenden Moment in der Geschichte der neuzeitlichen Rassendiskurse. In meinem Beitrag möchte ich skizzieren, inwiefern das Theater der Neuzeit daran von Anfang an teilhat.

Sa, 18.09., 18.08 Uhr, Referent: Jens Heitjohann
S E H S U C H T Erkundungen zur Leipziger Völkerschau. Ein Lecture/Walk.

Die Völkerschauen in der zweiten Hälfte des 19. und im frühen 20. Jahrhundert in vielen europäischen Städten manifestierten Bilder des Anderen. Die Inszenierung der Ausgestellten unterstrich dabei mit ihrer visuellen Verfügung die phantastische Potenz der Kolonialgesellschaften. In Kombination mit der Präsentation wirtschaftlicher Leistungskraft repräsentierten die Ausstellungen die Identitätssuche europäischer Nationen und ihrer Individuen. Phantasmen abstrakter Reiche, über die eine unendliche Verfügungsgewalt herrscht, spiegelten sich in diesen Spektakeln.
Heute existieren die Ausstellungen und deren Ideen nur noch als Bestandteil eines öffentlich Unbewußten, dessen zeitgenössisches Wirken in dieser Erkundung aufgespürt werden soll.

Fachtagung: Migrantenorganisationen – Potenziale nutzen, Kompetenzen stärken, 15.9., Leipzig

Fachtagung "Migrantenorganisationen – Potenzial nutzen, Kompetenzen stärken"
Termin: Mittwoch, den 15. September 2010 10-15 Uhr
Ort: Offener Freizeittreff Rabet, Eisenbahnstraße 54, 04315 Leipzig
Veranstaltet von ProDialog Leipzig e.V.

Die gesellschaftliche Teilhabe von Zugewanderten in Ostdeutschland zu gewährleisten, ist eine Herausforderung, die nur unter aktiver Beteiligung von Migrantinnen und Migranten und deren Organisationen gelingen kann. Auch in Leipzig werden Integrationen und Partizipation nicht immer als gemeinsame Aufgabe der Aufnahmegesellschaft und der Migrantenorganisationen angesehen.

Die neu gegründete Initiative ProDialog Leipzig e.V. möchte durch Denkanstöße und neue Projekte dazu beitragen, dass ein Paradigmenwechsel in der kommunalen Integrationspolitik stattfindet. Ziel dieser Auftaktveranstaltung von ProDialog Leipzig ist es, Leipziger Instututionen und Kommunen die Potenziale von Migrantenorganisationen sichtbar zu machen und gemeinsam Wege zu einer Zusammenarbeit auf gleicher Augenhöhe auszuloten. Für Migrantenorganisationen
möchte die Veranstaltung als Plattform der Vernetzung dienen.

Alle Migrantenorganisationen, engagierte Leipzigerinnen und Leipziger mit Migrationshintergrund, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Verwaltung, Bildungsträger, Unternehmerinnen und Unternehmer sowie Bürgerinnen und Bürger, die Interesse an diesem Thema haben, sind herzlich eingeladen, an einem ergebnisorientierten Austausch teilzunehmen.

Anmeldungen bis zum 10.09.2010 an:
E-mail: prodialog-leipzig@gmx.de
Tel.: 0176/24745089
Fax: 0341/9748130

Zoo der Privilegierten und Markierten - Leipzig, Weißes Haus, 3.-19.9.

The Invisible Empire

Im Reich der Weißen Sichtbarkeit
Eine bespielte theatrale Skulptur der Skala auf dem Gelände des Weißen Hauses

http://www.schauspiel-leipzig.de/invisibleempire

Haben Sie in einer Bäckerei schon mal daran gedacht, dass Sie weiß und deutsch sind, und gerade ein Brot kaufen? Nein? Das wird das INVISIBLE EMPIRE ändern! Für ein zukunftsweisendes Selbstverständnis braucht das weiße Deutschland zwangsläufig eine introspektive Völkerschau! Erst die Betrachtung der eigenen Spezies macht all jene unsichtbaren Strukturen und Privilegien des Weißseins sichtbar, die unsere deutsche Konsensgesellschaft in sich birgt. Das INVISIBLE EMPIRE erlaubt den zoologischen Blick auf eine Kultur von Weißen für Weiße. Sukzessive entsteht auf dem Gelände des WEISSEN HAUSES das Reich der weißen Sichtbarkeit: eine permanent bespielte theatrale Skulptur, in der sich Akteure und Besucher liebevoll studieren und initiieren können; ein politischer Theaterraum, wie ihn der weiße Bertolt Brecht gefordert hat: Theater ohne Publikum. Die Forderung lautet, sich als Teil dieser weißen Gesellschaft zu entdecken, immer tiefer in ihre Rituale einzudringen – so ins bekannte Morning Shit Ritual oder in noch unbekannte Rituale wie Your Girlfriend, Klentertainment und Techno Hoods – um schließlich in der allabendlichen Kloran Initiation Ceremony in den inneren Kreis dieses Klans aufgenommen zu werden. Beobachten Sie! Treten Sie ein! Viele Leipziger haben den ersten Schritt bereits getan und sich dem A.I.C. (Alien Investigation Committee) erklärt – dem Untersuchungsausschuss für Gebiets-fremde des Imperiums. Sie haben dem Exaltierten Zyklop ins Auge geschaut und sich so die Gunst des freien Zutritts erworben – und mit jedem Schritt hinein ins unsichtbare Reich werden sie mehr und mehr sichtbar und offenbar. Eine Vortragsreihe zur kritischen Weißseinsforschung ist dem INVISIBLE EMPIRE angeschlossen – und wird es an drei Wochenenden diskursiv unterwandern! (Anja Nioduschewski)

Informationen und Zugang zum INVISIBLE EMPIRE unter www.schauspiel-leipzig.de/invisibleempire.

Vom 03. bis 19.09., tgl. 14 bis 22 Uhr, Gelände Weißes Haus
Ab 14 Uhr: Völkerschau: Weiße sehen Weiße, 0 €
AB 20.08 Uhr: Kloran Initiation Ceremony, 9 € / 5 €

Ausstellung und Veranstaltungsreihe "Sinti und Roma - Eine Geschichte von Ausgrenzung, Deportation und Vernichtung"

Das Phänomen des Antiziganismus ist in westlichen Gesellschaften weit verbreitet und in Form von alltäglichen Ressentiments bis hin zu konkreten Angriffen äußerst wirkungsmächtig. In nahezu allen Staaten Europas werden Menschen als »Zigeuner« diskriminiert und teilweise verfolgt. Im Nationalsozialismus wurden Hunderttausende Roma und andere als »Zigeuner« Verfolgte aus ganz Europa deportiert und planmäßig vernichtet.

Die Initiative "Geschichte vermitteln" möchte mit der Ausstellung "Auf dem Dienstwege..." des weiterdenken e.V. über die historischen Hintergründe der nationalsozialistischen Verfolgung und Vernichtung von Leipziger Sinti und Roma informieren. In der begleitenden Veranstaltungsreihe wird es um Geschichte und Gegenwart des Antiziganismus in Deutschland und Europa gehen.

AUSSTELLUNG: Auf dem Dienstwege... Dokumente der Erfassung, Ausgrenzung und Deportation von Leipziger Sinti und Roma während des Nationalsozialismus
6.-24. September, GWZ

Die Ausstellung dokumentiert mit zahlreichen Dokumenten den Weg einer rassistisch motivierten Ausgrenzung von Menschen, die während des Nationalsozialismus als “Zigeuner” diskriminiert wurden, ihre Verfolgung und schließlich ihre Vernichtung. Dieser Prozess ereignete sich in aller Öffentlichkeit und innerhalb eines längeren Zeitraums. Die behördliche Erfassung erfolgte in enger Kooperation von Polizei und wissenschaftlicher Forschung, vor allem durch das damalige "Institut für Rassen und Völkerkunde" an der Leipziger Universität. Nach einer polizeilichen Erfassung, der oftmals Hinweise aus der Bevölkerung zugrunde lagen, durften die jeweiligen Aufenthaltsorte nicht mehr verlassen werden. Die Kleidung musste sichtbar mit einem "Z" gekennzeichnet werden. Auf den Entzug der Wohn- und Arbeitsmöglichkeiten folgten letztendlich Deportation und Internierung. Die meisten der damals in Leipzig lebenden Sinti und Roma sind in die Konzentrations- und Vernichtungslager deportiert worden. Viele mussten Zwangsarbeit verrichten, andere fielen der Vernichtungsmaschinerie sofort zum Opfer.

Die massenhafte Beteiligung fand ihren Weg vor allem über die alltägliche "Pflichterfüllung". Denunziationen wurden seitens der Behörden als "Anfragen" oder "Beschwerden" bearbeitet. Das Vokabular der Sacharbeiter zeugt dabei von einem tief verwurzelten Ressentiment und dokumentiert ganz offen die Normalität all jener Verwaltungsakte, die über Leben und Tod von Menschen zu entscheiden hatten. Die Bereitschaft dazu kam keinesfalls plötzlich oder überraschend. Sie konnte sich stetig durch eine antiziganistische Grundstimmung innerhalb der Mehrheitsbevölkerung entwickeln. Der Weg von der Stigmatisierung bis zur Vernichtung nahmen dabei eine ganz eigene Dynamik an. Diese Ungeheuerlichkeiten offenbaren sich uns heute in den vielen kleinen Schritten...

Eröffnung der Ausstellung mit einem Einführungsreferat zur Geschichte des Antiziganismus am 6.09.2010 um 18:30 Uhr im Geisteswissenschaftlichen Zentrum (GWZ) der Universität Leipzig, Beethovenstraße 15, 04107 Leipzig.

Die Ausstellung ist vom 06. bis 24. September 2010 wochentags von 7 bis 21 Uhr im Foyer des Geisteswissenschaftlichen Zentrums (GWZ) der Universität Leipzig, Beethovenstraße 15, 04107 Leipzig zu besichtigen.

VERANSTALTUNGSREIHE

6.9., 18:30 Uhr, GWZ, Hörsaal 2.010: Geschichte, Gegenwart und Kritik des Antiziganismus
mit Markus End (Mitherausgeber des Sammelbandes "Antiziganistische Zustände")

Im Vortrag wird – nach einer kurzen Begriffsklärung – zunächst auf die lange Geschichte und die gewalttätige Gegenwart des Antiziganismus in Europa eingegangen. In einem zweiten theoretischen Teil werden Ansätze zu einer Theorie des Antiziganismus auf der Basis Kritischer Theorie vorgestellt. Dabei wird insbesondere die Bedeutung der Kategorien "Arbeit", "Nation" und "Geschlecht" für die antiziganistischen Projektionen beleuchtet.

Markus End promoviert am Zentrum für Antisemitismusforschung zur Struktur und Funktionsweise des modernen Antiziganismus.

20.9., 20 Uhr, Conne Island: Die "Anpassungsunwilligen" - Soziale Exklusion, Alltagsrassismus und rassistische Pogrome. Aktuelle Situation der Roma in Tschechien und Ungarn
mit Miroslav Bohdálek (Kulturbüro Sachsen e.V.)

Keine ethnische Minderheit erfährt in den Länder der Mittel- und Osteuropa so viel Ausgrenzung, Diskriminierung und Gewalt wie die Roma. Dies äußert sich im Alltag in verschiedenster Weise – von Beleidigungen bis zu Morden, Diskriminierung am Arbeitsmarkt und bei der Wohnungssuche oder bei der Ausbildung. In den Medien wird nur über krasse Fälle, wie Brandanschläge auf Familienhäuser, berichtet. Von den Alltagsproblemen der
Roma hört man nichts – fehlende Ausbildung, hohe Arbeitslosigkeit und Verschuldung, gesundheitliche Probleme. Die Schuldfrage sei sowieso schon geklärt, lautet die öffentliche Meinung. Schuld sind die Roma selber – die Anpassungsunwilligen.

6.10., 19:30 Uhr, Conne Island: Erna Lauenburger und die Familie Franz: Zwei Filme über die Verfolgung und Ermordung der Sinti und Roma im Nationalsozialismus. Filmvorführung und Gespräch
mit Jana Müller (Alternatives Jugendzentrum Dessau) und Siegfried Franz (Niedersächsischer Verband Deutscher Sinti e.V.)

Was mit Unku geschah – Das kurze Leben der Erna Lauenburger (35 Minuten)
Erna Lauenburger, genannt Unku, war die Titelheldin des Ende der 1920er Jahre in Berlin spielenden Romans "Ede und Unku" von Alex Wedding. Eine Jugendgruppe des Alternativen Jugendzentrums Dessau zeichnet in diesem Dokumentarfilm den Lebensweg von Erna Lauenburger und ihr nahestehender Personen nach und beleuchtet den nationalsozialistischen Völkermord an Sinti und Roma.

Nicht wiedergekommen (52 Minuten)
Von 27 Angehörigen der Familie Franz überlebten lediglich vier Personen den nationalsozialistischen Völkermord an den Sinti und Roma.
Wald-Frieda Weiss, geborene Franz, erinnert sich an den Verlust ihrer Mutter, mit der sie gemeinsam viele Jahre in den Konzentrationslagern Lichtenburg und Ravensbrück litt, bis Franziska Franz in der Bernburger Gaskammer ermordet wurde, sowie an den geliebten Vater Gustav Franz, der im Konzentrationslager Mauthausen an den Folgen von Misshandlungen starb.

Anschließend werden Siegfried Franz (Niedersächsischer Verband Deutscher Sinti e.V.) und Jana Müller (Alternatives Jugendzentrum Dessau) über die Aufarbeitung und Anerkennung der Verfolgung von Sinti und Roma zur NS-Zeit in der Bundesrepublik wie in der DDR aber auch über die noch heute andauernde gesellschaftliche Isolation sprechen.

VORANKÜNDIGUNG
Die Initiative "Geschichte vermitteln" und die Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leipzig werden im November 2010 einen gemeinsamen Workshop zur Geschichte der Sinti und Roma in der NS-Zeit in Leipzig und Umland anbieten.
Interessent_innen können sich gern unter geschichte@public-ip.org anmelden. Nähere Informationen folgen.

Die Ausstellung und die Veranstaltungsreihe werden gefördert vom Bildungswerk Weiterdenken e.V. in Zusammenarbeit mit dem Conne Island, dem Referat für Antirassismus des StudentInnenRat der Universität Leipzig und der Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leipzig.

18.9., 19:30, Conne Island: "Voller Entsetzen aber nicht verzweifelt"

»Voller Entsetzen aber nicht verzweifelt«
Robert Stadlober und Thomas Ebermann spielen und lesen Mihail Sebastians Tagebücher 1935-44

Samstag, 18.09.2010, 19:30 Uhr Conne Island / Koburger Straße 3, 04277 Leipzig

Die erst vor wenigen Jahren veröffentlichten Tagebücher von Mihail Sebastian erhielten begeisterte Kritiken u.a. von Philip Roth, Arthur Miller und Claude Lanzmann. Robert Stadlober, Thomas Ebermann und Berthold Brunner haben eine szenische Lesung aus den Tagebüchern erstellt. Sebastian schildert eindrucksvoll die politischen Verhältnisse der 30er und 40er Jahre in Rumänien. Als Literaturkritiker, Autor und Übersetzer in der KünstlerInnenszene von Bukarest erlebt er die Zuspitzung der antisemitischen Propaganda und den Terror der faschistischen »Eisernen Garde«. Einige seiner engen FreundInnen werden zu überzeugten AnhängerInnen des Faschismus.

Mihail Sebastian beschreibt die sich steigernden antisemitischen Maßnahmen der Regierung des Marschalls Antonescu minutiös, von der Erhöhung der Mieten für Jüdinnen und Juden und der Beschlagnahme seiner geliebten Ski und des Radiogeräts, bis zu den Razzien und Deportationen. Die Tagebücher bieten einen Blick in den Alltag aus Diskriminierung und Furcht, aber auch in Momente der Hoffnung und literarischer Leidenschaft.

»Mihail Sebastian war ein junger Mann im Aufstieg, ein 28-jähriger rumänischer Jude, dessen Talent ihm von der Provinz in die besten Künstlerkreise Bukarests getragen hatte. Er schrieb Romane und Essays. Er schriebt Stücke. Er trank Champagner in Cafés und kostete jeden fiebernden Moment seiner Liebesaffairen voll aus. Er füllte umfangreiche Tagebücher mit ungestümen Urteilen und genauen Beobachtungen. (…). Er ist beides, idealistisch und ehrgeizig. Er versucht manchmal den Zyniker zu spielen, doch seine intellektuellen Skrupel hindern ihn daran. Die besten Tagebücher verbergen nicht die Risse und Abbrüche in unseren Leben. Sie verstecken nicht unsere Beteiligung an dem, das nach dem Urteil der Geschichte Engstirnigkeit und Egoismus genannt wird. Sebastian macht sich Sorgen: Was ist mit meiner Karriere? Meiner abflauenden Liebesaffaire? Ist es richtig, das Schicksals meines Theaterstücks zu betrauern, während Europa beinahe zusammenbricht?
Sebastian zeigt uns, wie das Unbedeutende und das Gewichtige sich mischen. Die Politik kappt nicht so schnell die alten Verbindungen. Der Krieg löscht den Egoismus nicht aus. Seine Ehrlichkeit gehört zu den stärksten Aspekten, die am meisten berühren. Wieder und wieder weigert er sich, seine Reaktionen vereinfacht abzubilden: So edle Motive vorzuschieben, wo er ehrgeizig ist, oder edlen Zorn, wo er sicher ist, all dem Verrat und den entsetzlichen Behandlungen wirklich entgegentreten zu können.« (New York Times)

Stimmen zu den Tagebüchern von Mihail Sebastian

»Wie in allen großen Werken der Literatur erzeugt Sebastians Tagebuch eine eigene Aktualität. Es heute, mehr als ein halbes Jahrhundert nach seiner Entstehung, zu entdecken und zu lesen, ist ein erschütterndes und überwältigendes Erlebnis.« Claude Lanzmann

»Dieses Tagebuch verdient es, neben das von Anne Frank gestellt zu werden und genauso viele Leser zu finden.« Philip Roth

»Dieses Buch lebt, es zeugt von einer Seele voller Menschlichkeit, aber auch von der wachsenden Brutalität des letzten Jahrhunderts, die sich vor Sebastians Augen entfaltete.« Arthur Miller

Präsentiert von der Wochenzeitung Jungle World & dem Stura der Uni Leipzig

Rassismus? Kein Problem für Dich? Tagesseminar, 30.09.10

Rassismus? Kein Problem für Dich?
Tagesseminar zu Rassismus und Weißsein

Donnerstag, 30.9.2010, 10-18 Uhr, Conne Island (Koburger Str. 3)

"Rassismus? Kein Problem für Dich?"

Tagesseminar zu Rassismus und Weißsein am 30.09.2010 von 10-18 Uhr im Conne Island, Koburger Straße 3, 04277 Leipzig

Rassismuserfahrungen und strukturell bedingte Ausschlüsse sind für Migrant_innen und People of Color gesellschaftliche Realität und Alltag in Sachsen. Doch sind sie selten Gegenstand theoretischer Auseinandersetzung und politischer Intervention.

Gegen Rassismus sind zwar irgendwie alle, bei den meisten weißen Menschen landet das Thema aber auf der persönlichen/politischen Prioritätenliste ziemlich weit hinten: Weil es sie vermeintlich nicht betrifft oder weil es der Beschäftigung mit der Kritik an kapitalistischen Verhältnissen als Nebenwiderspruch geopfert wird.

Menschen, die sich mit dem Nationalsozialismus und der Fortdauer des Antisemitismus in Deutschland auseinandersetzen, sind oft andere als die, die deutsche Flüchtlingspolitik kritisieren oder sich antirassistisch engagieren.

Doch auch gut gemeintes antirassistisches Engagement ist nicht automatisch nicht rassistisch, wie Vertreter_innen der Postcolonial Studies gezeigt haben.

Gleichzeitig wird die Frage nach der Verknüpfung von Rassismus, Nationalstaaten und den ökonomischen Verhältnissen der Gesellschaft viel zu wenig gestellt.

In dem Seminar wollen wir uns einen Begriff von Rassismus machen. Wir werden uns mit weißen Abwehrstrategien gegen die Auseinandersetzung mit Rassismus, dem Versuch nicht-rassistischer Sprache sowie mit postkolonialer Gegenwart beschäftigen. Außerdem wollen wir diskutieren, wie die rassistische Strukturiertheit der Gesellschaft mit anderen Herrschaftsverhältnissen verknüpft ist und durch die ökonomischen Verhältnisse verfestigt und reproduziert wird.

Seminarleitung: Ruth Hatlapa, Berlin. Sie ist seit mehreren Jahren in der politischen Bildungsarbeit tätig, u.a. bei der Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus. Sie arbeitet vor allem zu Rassismus/Critical Whiteness, Antisemitismus und Antiamerikanismus.

Es handelt sich um ein Einsteiger_innen-Seminar, Vorkenntnisse sind nicht nötig.

Die Teilnahmegebühr ist 5 Euro, die Anzahl der TN ist auf 15 Personen beschränkt. Es gibt Pausenverpflegung und einen Reader, der nach Anmeldung zugeschickt wird.

Die Veranstaltungsräume sind leider nur eingeschränkt barrierefrei. Bitte gebt bei der Anmeldung Eure Bedürfnisse an und wir suchen nach gemeinsamen Lösungen.

Anmeldung bis zum 15.09.10 unter: info@adb-sachsen.de (Informationsblatt und Anmeldung als PDF)

Veranstaltet von:Antidiskriminierungsbüro e.V. Leipzig
Unterstützt durch: Referat für Antirassismus des STURA der Uni Leipzig und Projekt e.V. /Conne Island

Diskussionsveranstaltung: Das Geschlecht des Situationismus. 9.9., 19 Uhr

Das Geschlecht des Situationismus: transcending gender by abolishing the spectacle?

Diskussionsveranstaltung im Conne Island (Koburger Str. 3) am 09.09.2010, 19 Uhr.

Veranstaltet von Outside the box mit Zwi Negator und der Tagediebin vom AutorInnenkollektiv BBZN.

Lässt sich die situationistische Revolutionstheorie aktualisieren? Wenn ja, wie sieht es dabei mit der Kritik der fundamentalsten Lebenssituation aus: der Aufhebung der Trennung(en) des Geschlechts? Sexes & gender waren für die Situationistische Internationale in ihrer Zeit ein blinder Fleck. Heute, da die Geschlechterverhältnisse nicht mehr zu verdrängen sind, sehen wir die wirkliche Bewegung auf diesem Feld der Kritik zwischen queerer Entwendung und realkapitalistischer Verstärkung des Bestehenden. BBZN stellen zuerst die Rolle der Situationistinnen (ca 1950 bis 70) und die sexistische Ambivalenz jenes „Verlorenen Haufens“ historisch-kritisch dar. In dem Versuch, die kritische Theorie der „Gesellschaft des Spektakels“ für die materialistische Kritik des allgegenwärtigen doing gender zu retten, muss es sodann um die Frage gehen, wie undoing gender als Theorie und Praxis für Communismus heute möglich ist.

Wochenendseminar zur Einführung in die Theorie der Situationistischen Internationale

An dem Wochenende nach der "Das Geschlecht des Situationismus"-Veranstaltung gibt es mit den ReferentInnen ein Wochenendseminar. (Veranstaltet von Einzelpersonen)
Es soll um eine einführende Klärung von Grundbegriffen der situationistischen Theorie gehen (Spektakel, Situation, Entfremdung, Trennungen, Entwendung etc.), sowie gemeinsame Lektüre betrieben werden, wahrscheinlich vor allem Abschnitte aus dem Buch "Gesellschaft des Spektakels" von Guy Debord.
Der genaue Termin (Uhrzeit) steht noch nicht fest, es wird auch noch eine detailliertere Ankündigung geben.

"der schutzraum": Film-Klang-Licht-Collage am Richard-Wagner Platz, 2.-4.9.

KunstRäume Leipzig präsentiert:
Der Schutzraum

Richard-Wagner-Platz, an der ehemaligen „Blechbüchse“
2. September 2010, Premiere um 20.30 Uhr
3. September 2010, 20.45 Uhr und 22.15 Uhr
4. September 2010, 20.45 Uhr und 22.15 Uhr

Ein Bunker? Gelegen an einem Platz, so exponiert wie kaum ein Platz sonst in Leipzig? Zehntausende Menschen passieren täglich diesen Ort, an dem die Nationalsozialisten 1943 eine weitere Spur ihres Krieges legten: einen unterirdischen Raum, umgeben von Stahlbeton, der im Falle eines Angriffs hunderte Leipziger vor anglo-amerikanischen Fliegerbomben schützen sollte.

Dem Hinweis eines Zeitzeugen ist es zu verdanken, daß „KunstRäume“ diesen Raum wiederentdeckt – just in einer Zeit, da sich die Leipziger über die Neugestaltung des Terrains am Richard-Wagner-Platz streiten. Dabei scheiden sich die Geister vor allem an der Frage, wie mit einem der berühmtesten Kaufhäuser Ostdeutschlands umzugehen sei, dem ehemaligen Konsument-Warenhaus, im Volksmund „Blechbüchse“ genannt.

Zu diesem Gebäude, am Rande eines Bauplatzes nur noch als Rudiment zu erkennen, steht der Wagner-Bunker in einem seltsamen Verhältnis: hier ein Zeugnis aus Kriegs- da ein Zeugnis aus Friedenszeiten, hier Verkriechen in die Erde, da Herauswachsen aus ihr.

„KunstRäume“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, dieses Spannungsverhältnis zu erkunden, um so einen historisch äußerst wechselhaften Raum in der Stadt wieder zurück in das kollektive Bewusstsein zu holen. Besondere Schwierigkeit dabei: für die Öffentlichkeit ist der Bunker aus Sicherheitsgründen gesperrt. Erstmals mußte „KunstRäume“ so nach Mitteln suchen, real-historischen Raum einem Publikum virtuell zu erschließen.

Ergebnis ist eine Dokumentar-Collage in einem temporären Raum auf dem „Dach“ des Bunkers. Die Schau spielt kunstvoll mit Assoziationen zu den Begriffen „Schutz“ und „Schutzraum“, läßt zugleich teilhaben an der realen Erkundung einer beklemmenden Stimmung in den gefluteten Bunker-Räumen Anfang dieses Jahres. So wird er aus der Vergangenheit in die Gegenwart geholt und in seiner ursprünglichen Absicht vielfältig hinterfragt: „Der Schutzraum“.

Mitwirkende Künstler:
- René Blümel
- Hein-Godehart Petschulat
- Manuel G.Richter (xabec)

Eintrittspreise:
Premiere: 12,- Euro, ermäßigt 10,- Euro
Vorstellungen: 10,- Euro, ermäßigt 8,- Euro

Nobody´s Business? Filme und Gespräche über Migration und Arbeit ::: naTo, 16.09.10 - 28.09.10

Eine Film- und Gesprächsreihe der Cinémathèque Leipzig - vom 16. bis 28. September 2010

Flüchtlings- und Migrationsbewegungen verlaufen rund um den Globus. Von Süd nach Nord und von Ost nach West und manchmal innerhalb eines Landes. Ausgelöst durch die Suche nach Arbeit oder die Flucht vor politischer und religiöser Verfolgung, ist Migration heute mehr als je zuvor ein globales Phänomen. In den westlichen Einwanderungsländern lösen „die Migranten“ irrationale Ängste und Gefühle von Bedrohung und Verunsicherung aus. Doch auch im eigenen Land kann man fremd sein und die Großstadt für Flüchtlinge aus armen ländlichen Regionen zur „anderen Welt“ werden.
Die Konfrontation mit der Kultur des Anderen, Verwerfungen, Konflikte aber auch Chancen prägen Identität und Alltag „beider Seiten“. Ist die Idee von „Integration fremder Kulturen“ tatsächlich eine überlebte Utopie aus dem letzten Jahrhundert? Geht es nicht darum, das „Andere“ neben dem „Eigenen“ als gleichberechtigtes Korrektiv zu entdecken, zu akzeptieren und zu leben?

Die Cinémathèque Leipzig präsentiert im Rahmen der Interkulturellen Wochen 2010 in einer Filmreihe Beispiele von Migration rund um den Globus. Acht dokumentarische und fiktive Produktionen versammeln, reflektieren und problematisieren die vielfältigen Facetten eines globalen Phänomens mit dem Schwerpunkt der Arbeitsmigration.
Gastreferenten laden zu Diskussion und Austausch über die Situation in den betreffenden Regionen und vor der eigenen Haustür ein.

Die Reihe wird präsentiert u.a. in Zusammenarbeit mit: Bildungswerk Weiterdenken, Stadt Leipzig - Referat für Migration und Integration, eurient e.V.

Filme der Reihe:

  • From Somewhere to Nowhere (aktuell)
  • On the Way to School (aktuell)
  • Teza (aktuell)
  • Les Arrivants (The Arrivals) (aktuell)
  • Welcome (aktuell)
  • Nirgendwo.Kosovo (aktuell)
  • 14 km – Auf der Suche nach dem Glück (aktuell)
  • Jaffa – The Orange's Clockwork (aktuell)

Mehr Infos zu den Filmen unter http://www.cinematheque-leipzig.de

ver.di-Veranstaltung zum wissenschaftlichen Nachwuchs, 25. September, 11-14 Uhr

Einladung: Handlungsfeld "wissenschaftlicher Nachwuchs" 25.09.2010

Die ver.di-Studie "Der wissenschaftliche ,Mittelbau' an deutschen Hochschulen -- Zwischen Karriereaussichten und Abbruchtendenzen" zeigt, dass die Situation des wissenschaftlichen Nachwuchses an deutschen Hochschulen objektiv
prekär ist. An den Universitäten Jena, Oldenburg und der TU Berlin wurden im Rahmen der Studie Promovierende nach ihrer Arbeitssituation befragt.
Das Ergebnis belegt, dass die reale Arbeitszeit der WissenschaftlerInnen stets länger als vertraglich vereinbart und zu 60 Prozent mit promotionsfremden Tätigkeiten überfrachtet ist. Die oftmals kurzzeitige vertragliche Befristung sowie die intransparenten Karriereperspektiven demotivieren die befragten WissenschaftlerInnen am meisten.

Wir wollen mit Promovierenden und Promovierten, Personalräten und Vetrauensleuten ins Gespräch kommen. Erwartungen und Handlungsfelder wollen wir gemeinsam mit Boris Schmidt (Co-Autor der ver.di-Studie) besprechen:

am 25. September 2010
von 11 bis 14 Uhr
im Leipziger Volkshaus, Saal (5. Etage)
(Karl-Liebknecht Str. 30; 04107 Leipzig)

Wir finden, dem wissenschaftlichen "Mittelbau" gebührt ein deutlich höherer Stellenwert im deutschen Bildungssystem!
Die Promotionsphase muss als erste Phase wissenschaftlichen Arbeitens begriffen werden und nicht als dritte Phase des Studiums!

Anmeldungen bitte bis 14.09.2010 an: cornelia.herwig@verdi.de

Call for Paper: Subversive Aktion als emanzipatorische Praxis?, Deadline: 1.11.10

19. bis 20.3. in Hannover

In den letzten Jahren ist als Trend zu verzeichnen, dass linke Gruppen und Bewegungen
vermehrt subversive Aktionsformen oder Kommunikationsguerilla-Methoden für ihre
politischen Interventionen nutzen. Sie knüpfen dabei an Aktionen an, die in den 60er/70er
Jahren, aber auch schon früher, eher am Rande von revolutionären und anderen
Protestbewegungen entwickelt wurden (z.B. durch die Situationistische Internationale, die
Gruppe Spur, Subversive Aktion, Youth International Party). Diese Form der Praxis resultierte
u.a. aus einer Unzufriedenheit mit traditionellen auf Massenmobilisierung zielenden
Aktivitäten und der Unflexibilität großer Organisationen. Sie geht meist von kleinen, wenig
organisierten Gruppen aus und hat zum Ziel, die öffentliche Kommunikation zu stören
und/oder durch eine subversive Nutzung etablierter Kommunikationsformen marginalisierte
Inhalte in den öffentlichen Diskurs zu bringen.
Im Gegensatz zu diesem Trend nehmen nur relativ wenig theoretische Reflexionen die neuen
Aktionsformen und ihre Attraktivität aus einer historischen, gesellschaftstheoretischen und
sozialpsychologischen Perspektive in den Blick (erste Ansätze dazu gibt es z.B. in Büchern wie
"Handbuch für Kommunikationsguerilla" oder "SUBversionen", ansonsten bleiben
Publikationen zum Thema meist beschreibend). Um die politischen Potentiale, aber auch
Schwächen dieser Interventionsformen genauer zu bestimmen, halten wir eine solche
kollektive Theoriearbeit für notwendig – gerade angesichts der fehlenden Beständigkeit und
der Vereinzelung der politischen Gruppen, die eine Tradierung der Erfahrungen und
Reflexionen erschwert.
Grundsätzlich wäre danach zu fragen, in welcher historischen Situation sich diese
Aktionsformen herausbildeten und -bilden, d.h. auf welche gesellschaftlichen Erfahrungen
und Veränderungen damit reagiert wird. Vor diesem Hintergrund ginge es dann um eine
Analyse der Funktionsweise dieser Aktionen und eine Einschätzung ihres politischen Werts
für eine emanzipatorische Praxis. Welche Ziele verfolgen die politisch intendierten Aktionen
(Sabotage, Irritation, Aufklärung, Aufbrechen verhärteter Strukturen, Agitation…)? Was
macht die Attraktivität dieser Formen für alle Beteiligten (von den InitiatorInnen bis zu den
AdressatInnen) aus, welche Hoffnungen knüpfen sich an sie? Welches Verhältnis haben sie
zur medialen Öffentlichkeit, ist diese Zielscheibe, Medium oder im Gegenteil das Organ,
welches die Aktion zum Spektakel macht? Gerade angesichts der Tatsache, dass mittlerweile
nicht nur die Werbeindustrie, sondern auch rechte Gruppen mit solchen Aktionsformen
arbeiten, ist genauer danach zu fragen, in welchen Situationen und Bereichen und unter
welchen Umständen welche Formen der Intervention wirklich als Teil eines kritischen und
emanzipatorischen Projekts zu verstehen sind.

Um diese und ähnliche Fragen diskutieren zu können, wird vom 19. bis 20.3. in Hannover
eine kleine Tagung stattfinden, für die wir interessierte und interessante ReferentInnen
suchen. Veranstalterin ist eine schon länger praktisch und theoretisch tätige Gruppe, die aus
den Studierendenprotesten 2003 in Hannover hervorging und seither im inner- und
außeruniversitären Kontext möglicherweise subversive Gesellschaftskritik zu betreiben
versucht. Auf der Tagung soll es um eine theoretisch fundierte Selbstreflexion politischer
Praxis und einen regen Austausch gehen, weniger um akademische oder auf eine breite
Öffentlichkeit bedachte Präsentation. Geplant sind 20minütige Vorträge, die immer auch
einen Bezug zur konkreten Praxis haben sollen und bei Bedarf auch auf einem vorher
verschickten, kurzen eigenen oder fremden Text oder anderen Materialien aufbauen dürfen.
Im Anschluss an die Vorträge soll rege diskutiert werden.
Anreisekosten der ReferentInnen werden von uns übernommen und wir organisieren auch
private Übernachtungsplätze.

Wir freuen uns über jegliche Referatsvorschläge (1 Seite), die bis zum 1.11. bei
subversionstagung@gmx.de eintrudeln sollen.

Symposium: Capturing the Political. How to analyze power beyond state politics. Berlin, 21.-23.10.10

Capturing the Political.
How to analyze power beyond state politics
October 21-23, 2010
Berlin

ANMELDUNG bis 19. September 2010 möglich

The problem
World politics no longer consist of state politics alone. While this insight has been stressed in various schools of international relations, it is less clear what the conceptual foundations of world politics are and should be, once the reference to mere state politics does no longer suffice. This observation is the starting point for the envisaged conference. Its main aim is to bring together proponents of different disciplines and theoretical traditions in order to inspire a systematic discussion of the foundational vocabulary for a study of world politics that transcends the state and its conceptual fabrications.

The analytical vocabulary for political phenomena that do not fit into the known institutional frameworks – as it is naturally the case for all transnational forms of politics – is clearly under-developed. The symposium Capturing the Political attempts to change this situation. It brings together scholars in the fields of international relations, political science and political anthropology that share an interest in theory and have, for the most part, also contributed to the study of political phenomena by empirical investigations in transnational fields.

The subject
When it comes to the understanding of the political in world politics, three current approaches can be distinguished. The first one is connected to the relatively recent concept of governance and refers to societal interests as well as to state politics, thereby largely relying on liberal traditions of political theory and recent management theory. Second, theories of empire and hegemony strive for acceptance, with theoretical roots ranging from realist understandings of power politics to Gramscian and Foucaultian perspectives. On a third field, there is a whole variety of so-called “constructivist” approaches that have, over the last fifteen years, imported the entire spectrum of social theories as, for instance, Habermas’ theory of communicative action, Luhmann’s theory of social systems or Austin’s philosophy of language.

It would be misleading to expect that proponents of these different theoretical perspectives might ever agree on a shared understanding of the foundational language of political science and on how notions like power, domination and the political should be conceptualized. But all of these contributions have their own blind spots, too. If we take, for example, Foucault’s claim that ‚power is everywhere’ seriously, we may be confronted with a methodological challenge of how to study or observe power. One could go on by naming other theoretical references and discussing their respective shortcomings. They all share the difficulty that they are not easily transferable into a language that allows for an operational study of transnational phenomena we usually characterize as “political”. For studies in political science that deal with phenomena within deeply entrenched states, this problem seems less obvious. There is always a landscape of institutions that common knowledge would call “political”, consequently rendering all kinds of affairs that relate to these institutions “political” as well. The state is, of course, the major “politicizer” in this regard.

The questions
The guiding question of the symposium is the following: What constitutes the political in the world, and how can it best be studied? This question translates into several further questions and concerns.

A first set of questions guiding the conference refer to the conceptual foundations alluded to above:

  • What constitutes the global political space?
  • How is the political represented in this space?

Other questions refer to more recent trends in the study of the political:

  • Politicization and de-politicization: When do social phenomena become “political” and when do they cease to be so?
  • Which practices (strategies or tactics) do actors employ in politicizing, and how do they make use of the symbolic dimension of power?
  • Which practices (strategies or tactics) do actors use to de-center or depoliticize the political?

The aims
The envisaged conference will bring together a variety of scholars with diverse theoretical orientations and different disciplinary backgrounds who have contributed explicitly or implicitly to the topic of our meeting. While we do, of
course, not attempt to reach any agreement, the main intention of this conference is to move the debate on the conceptual foundations of the study of world politics a step further by directly relating particularly challenging theoretical contributions in this field. A second aim is to critically discuss the consequences of these different approaches for the empirical study of the political. Which consequences for the choice of topics do they entail? How do differences in the conceptual choices affect the constitution of empirical topics and the methodologies employed?

Registration
In order to register as a conference participant, please send an email to: stefanie.sanftenberg@ovgu.de

Deadline for registrations is September 19, 2010

No Border Camp Brüssel, 23. September - 5. Oktober

No Border Bxl
NO BORDER CAMP

Das No Border Camp ist ein Treffen von Menschen und Bewegungen, die gegen die Grenzen kämpfen welche uns trennen.

Die Europäische Union schließt seit mehr als zehn Jahren ihre Tore für Migranten: Die Festung Europa ist eine Realität. Europa verstärkt die Repressionen in Belgien und anderen Mitgliedsländern. Diese Länder drängen die Migranten in die Illegalität, führen Razzien durch, sperren „Papierlose” ein und schieben sie ab

Das No Border Camp ruft dazu auf, Aktionen gegen die Anti-Migrationspolitik mit verschiedensten Mitteln durchzuführen, aber auch an einer Langzeitstrategie zu arbeiten. Die Organisation des Camps hat im Januar 2010 begonnen und bleibt offen für alle.

Website: http://www.noborderbxl.eu.org

Manometer! Antifaschistisches Familientreffen in Kassel, 1.-3. Oktober ::: ANMELDESCHLUSS 6.9. :::

Manometer! Antifaschistisches Familientreffen
Freitag, 01.10. – Sonntag, 03.10.2010 in Kassel

Anmeldeschluss: 6.9. - Anmeldung unter http://www.manometer-familientreffen.org/anmeldung-kontakt/

Manometer! Der Druck auf unabhängige und gute Arbeit gegen (Neo-)Nazis und menschenfeindliche Ideologien nimmt zu, verstärkt seit dem Regierungswechsel 2009. Es ist deshalb höchste Zeit gehörigen Gegendruck und unabhängige Strukturen und Netzwerke aufzubauen. Dafür gibt es das Antifaschistische Familientreffen vom 1. – 3. Oktober 2010 in den Uni-Räumen in Kassel unter dem Zeichen des Druckmessgerätes: Manometer!
In den zurückliegenden Jahren hat es wenig Möglichkeit und Gelegenheit gegeben, Projekte gegen Nazis, Rassismus und andere Ideologien der Ungleichwertigkeit miteinander zu vernetzen und im Erfahrungsaustausch gute Methoden, tragfähige Konzepte und brauchbare Ergebnisse zu sichern. Vieles lief parallel und nebeneinander her, man kannte sich von den zahllosen Seminaren, Tagungen und Vortragsabenden, die von den immer gleichen Veranstaltern, zu den immer gleichen Themen und meist auch noch mit den immer gleichen Referent_innen organisiert wurden.

Leute mit langer Recherche- und Bildungserfahrung, junge Wissenschaftler_innen und antifaschistische Aktivist_innen waren in der zurückliegenden Dekade entweder in den Bundesprogrammen „gegen Rechts“ beschäftigt und mit dem ironischen Vorwurf der „Staatsantifa“ konfrontiert. Oder sie achteten strikt auf ihre Unabhängigkeit (vor allem von staatlicher Gängelung oder institutioneller Vereinahmung seitens Parteien, Stiftungen und Organisationen), um bisweilen in einem gewissen Autismus zu versinken. Wieder andere hatten – mit dem Rücken zur Wand in „No go areas“ und „National befreiten Zonen“ – nicht Zeit noch Muße, über Vernetzung und Erfahrungsaustausch nachzudenken. Schließlich pendelten einige zwischen akademischem Betrieb, Antifa-Recherche und den tausend Tagungen, Workshops und Seminaren hin und her.

Dennoch sind viel unbestechliche Expertise, profundes Wissen und kritische politische Erfahrung angehäuft worden, die es zu sichern, weiterzuentwickeln und zugänglich zu machen gilt. Zumal in einer Situation, in der die aktuelle Regierungspolitik sich wie ein heftiger reaktionärer Rollback darstellt und noch einiges an Verschärfung verspricht.

Über die intellektuell fragwürdige Extremismus-Debatte und die dahinter liegende, mit dem Kalten Krieg überwunden geglaubte Totalitarismus-Doktrin zur Gleichsetzung von „Rechts-“ und „Linksextremismus“ und Kriminalisierung von Antifa-Arbeit, werden entstandene Strukturen der Recherche, politischen Bildung und antifaschistischer Aktivität in ihrem Bestand und in ihrer Handlungsfähigkeit gefährdet, beschränkt und behindert. Umso wichtiger ist es, ein „ungezwungenes“ und unabhängiges Zusammentreffen kritischer und erfahrener Akteur_innen antifaschistischer Politik, Bildungsarbeit, Publizistik und Wissenschaft sowie antifaschistischer Aktion zu ermöglichen. Diesem Ziel dient mit einem dichten und spannenden Workshop- und Veranstaltungsprogramm die Aktionskonferenz „Manometer. Antifaschistisches Familientreffen 2010“, zu der Ihr herzlich eingeladen seid.

Weitere Infos zu Anreise, Unterbringung, Teilnahmekosten und Rahmen sind auf der Webseite http://www.manomenter-familientreffen.org abrufbar und werden ständig ergänzt. Das Programm findet ihr unter http://www.manometer-familientreffen.org/programm/

Bitte meldet Euch recht bald an: die Anmelde-Deadline ist am Montag, 6.9.2010. Wenn es Fragen gibt oder Ihr Unterstützung braucht, steht Euch die Vorbereitungskoordination bei der RLS zur Verfügung: burschel@rosalux.de

Veranstalter_innen: Rosa Luxemburg Stiftung, Berlin; DER RECHTE RAND; Antifaschistisches Infoblatt; Lotta. Antifaschistische Zeitung aus NRW; Vertreter_innen und Mitarbeiter_innen der Partei „Die Linke“; Antifaschistisches Pressearchiv und Bildungszentrum e.V. (apabiz), Berlin; Antifaschistische Informations-, Dokumentations- und Archivstelle (a.i.d.a.), München; Zentraler Arbeitskreis gegen Rassismus und Rechtsextremismus (ZAKO) bei ver.di; Einzelpersonen

Finanziert wird die Veranstaltung von der Rosa Luxemburg Stiftung und gefördert vom Bundesvorstand des DGB, a.i.d.a. (München), ZAKO bei ver.di, dem Solifond der Stipendiat_innen der Hans Böckler Stiftung und dem Solifond der Bundestagsabgeordneten der Partei Die Linke

Kein Peters, kein Lüderitz, kein Kolonialismus? Ein kritischer Rundgang durch die Dauerausstellung des Deutschen Historischen Museums

Kein Peters, kein Lüderitz, kein Kolonialismus? Ein kritischer Rundgang durch die Dauerausstellung des Deutschen Historischen Museums

Im Rahmenprogramm der Ausstellung "freedom roads! koloniale straßennamen – postkoloniale erinnerungskultur" 28.8.-3.10.2010

Was wissen wir über die deutsche Kolonialvergangenheit? Was hat Kolonialismus mit deutscher Geschichte im Allgemeinen zu tun? Welche Auswirkungen hatte und hat er noch heute auf die deutsche Gesellschaft?
Im Rahmen des Veranstaltungsprogramms zur Ausstellung "freedom roads! koloniale straßennamen – postkoloniale erinnerungskultur" befragt der Rundgang der Gruppe "Kolonialismus in Kasten?" die Dauerausstellung des Deutschen Historischen Museums kritisch danach, welchen Stellenwert die deutsche Kolonialgeschichte in der offiziellen deutschen Erinnerungspolitik einnimmt, weist die Lücken auf und stellt ausgeblendete Zusammenhänge her. Deutscher Kolonialismus bedeutete Gewalt durch Kriege und durch Einzelpersonen wie Carl Peters sowie erbitterten Widerstand durch Kolonisierte, aber auch exotisierte Unterhaltungskultur in deutschen Städten. Dieses und vieles mehr zeigt der Ausstellungsrundgang und erörtert dabei die Zusammenhänge zwischen kolonialer und deutscher Geschichte.

Termine
Sonntag 29.8. 11 Uhr
Samstag 11.9. 15 Uhr
Samstag 18.9. 15 Uhr
Sonntag 26.9. 11 Uhr

Treffpunkt
Eingangshalle des Deutschen Historischen Museums am rechten Treppenaufgang
Unter den Linden 2
10117 Berlin
S-Bahn Hackescher Markt und Friedrichstraße
U-Bahn Französische Straße, Hausvogteiplatz und Friedrichstraße
Bus: 100, 200 und TXL (Haltestelle Staatsoper)
Haltestellen Staatsoper oder Lustgarten

Der Eintritt in das Museum kostet 5,-.
Die Rundgänge dauern ca. 1,5 Stunden, sind nicht an das DHM angebunden und kostenlos.
Wir bitten um Anmeldung per Email bis Freitag vor dem jeweiligen Termin.
Kontakt: kolonialismus.im.kasten@gmail.com

Mehr Information zu Rundgängen & "freedom roads!" >>> www.freedom-roads.de.

Wochenendseminar "Kritische Theorie" in Berlin 20.-21.11. (Anmeldeschluss 1.10.)

Wochenendseminar im November 2010:

  • Philosophie vom Standpunkt der Versöhnung? Einführung in Grundbegriffe der Kritischen Theorie Theodor W. Adornos.*

Entgegen einer Standardrezeption, die der Kritischen Theorie Adornos zuschreibt, sie sei nur negativ und biete keine Handlungsmöglichkeiten im ‚universellen Verblendungszusammenhang’, flüchte sich in die Kunst und in die Theorie, spreche gar ein Bilderverbot aus und verbleibe letzen Endes resignativ, wollen wir im Seminar einen anderen Zugang zur älteren Kritischen Theorie offen legen. Grundbegriffe, die für das Verständnis der Kritischen Theorie Adornos maßgeblich sind, wie Dialektik, Gesellschaft und Individuum werden anhand von ausgewählten Texten vorgestellt, erarbeitet und diskutiert. Wie und zu welchem Zweck greift Adorno auf einen dialektischen Gesellschaftsbegriff zurück? Was bedeutet das für eine dialektische Theorie des Individuums? Was ist überhaupt Dialektik? Was ist immanente Kritik? Wie verhält es sich mit der ,versöhnten Gesellschaft’ Adornos und vor allem: was bedeutet das für die Freiheit?
Alle erforderliche Literatur wird rechtzeitig vorher in einem Reader gestellt.

Für Verpflegung ist gesorgt; Anfahrt und eventuelle Übernachtungsmöglichkeiten müssen selbst organisiert werden. Gern helfen wir bei der Vermittlung von Schlafplätzen.

TeamerInnen: Janne Mende, Stefan Müller

Zeit: Samstag, 20.11.10, 10.00 Uhr - Sonntag, 21.11.10, 18.00 Uhr

Ort: Helle Panke, Berlin Prenzlauer Berg

Teilnahmebetrag: 10 Euro

Kontakt und Anmeldung: kritischetheorie@reflect-online.org <mailto:kritischetheorie@reflect-online.org>

Anmeldeschluss: 01.10.10. Begrenzte TeilnehmerInnenzahl. Plätze werden entsprechend der Anmeldereihenfolge vergeben.

Konferenz "Antisexistische Praxen IV", 10.-12.9., Berlin

"Antisexistische Praxen IV" die Konferenz, 10.-12.Sep.2010

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Anfang September gibt es das vollständige Programm auf der Website www.antisexist-perspectives.so36.net

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Hallo, wir möchten dich zu der Konferenz "Antisexistische Praxen IV" einladen. Sie wird vom 10. bis 12. September 2010 im Mehringhof (Berlin-Kreuzberg) stattfinden. Die Konferenz bietet einen Ort des Kennenlernens, des Austausches und des Vernetzens, um gemeinsam Interventionen und Praxen gegen den sexistischen Normalzustand zu entwerfen und weiterzuentwickeln. Du kannst dir den Termin einfach vormerken, uns Wünsche für die Konferenz mitteilen oder auch gerne Ideen für Workshops. Für die Organisation der Konferenz wäre es toll, wenn du uns Bedarf nach (Gebärden-)Übersetzung oder weitere Bedürfnisse mitteilen könntest.

weitere Infos: www.antisexist-perspectives.so36.net
Kontakt: antisexistische-praxen[AT]riseup.net

Tagesseminar "Blickpunkt Rassismus - rassistischem Verhalten handelnd begegnen" 29.9., Dresden

Im Rahmen der Interkulturellen Tage bietet die Landesarbeitsgemeischaft politisch-kulturelle Bildung das Tagesseminar

Blickpunkt Rassismus - rassistischem Verhalten handelnd begegnen an.

Datum:
Mittwoch, 29. September 2010
9.00 - 17.00 Uhr
Ort:
Umweltzentrum Dresden
Schützengasse 16-18
01067 Dresden

Und darum geht es:

In diesem Seminar untersuchen wir den Nährboden von Neonazismus. Was ist eigentlich Rassismus? Wo ist unsere eigene
Position und Verantwortung? Mit Hilfe des aktuellen Weßsein-Diskurses finden wir Antworten auf diese Fragen.

Darauf aufbauend überprüfen wir mit dem von Augusto Boal entwickelten Forumtheater Ihre individuellen Alltagssituationen
und Verhaltensweisen aus verschiedenen Perspektiven. Der Fokus ist hierbei Ihre zivilcouragierte Position, aus der heraus Veränderungen erwachsen. Ein Training, das Anstoß ist, das eigene Handeln und Denken deutlicher wahrzunehmen und
neue Handlungsalternativen auszuprobieren.

Das Seminar wendet sich bewusst an Mitglieder der Mehrheitsgesellschaft (Menschen ohne Migrationshintergrund),
um unsere Position und Verantwortung in einer rassistischen Gesellschaft wahrzunehmen.

Eine Anmeldung bis zum 02.09.2010 ist erforderlich!
kontakt@pokubi-sachsen.de

Teilnahmegebühr:
Verdienende 10,- Euro
Nicht-Verdienende 5,- Euro
Bezieher_innen von Leistungen nach AsylbLG 0,- Euro

Weitere Infos unter: www.pokubi-sachsen.de

Den "nationalen Antikriegstag" in Dortmund verhindern! 4. September 2010

Von Leipzig nach Dortmund. Auf zu neuen Taten. Dem Naziaufmarsch in Dortmund entgegentreten!

Den "Nationalen Antikriegstag" in Dortmund verhindern!

Bustickets im el libro

Für den 4. September 2010 mobilisieren die Dortmunder Neonazis erneut europaweit zum so genannten „Nationalen Antikriegstag”. Seit 2005 versuchen die Neonazis jährlich mehr oder weniger geschickt die Geschichte um zudrehen und berichten von einem angeblichen Angriffs Polens am 1.9.1939 auf Deutschland. Die Opferrolle ist hier genau wie bei den jährliche Protesten in Dresden eine geschickte Masche um in die Mitte der Gesellschaft zu rücken und viele Menschen auf die Straße zu ziehen. Ebenfalls wird wie in Dresden auch hier mit Nationalisten anderer Länder zusammengearbeitet, welche auch dieses Jahr wieder versuchen werden am 4.9. nach Dortmund zu reisen.

Verschiedene Gruppen mobilisieren um den Naziaufmarsch, zu dem weit über 1000 Teilnehmende vor allem aus dem Spektrum der so genannten Autonomen Nationalisten erwartet werden, zu be- und verhindern.

Auch Leipziger AktivistInnen haben sich entschlossen zu den Protesten gegen den Naziaufmarsch zu mobilisieren. Zusammen mit Strukturen aus einer anderen sächsischen Stadt wird ein Bus organisiert, Bustickets gibt im el libro (Bornaische Strasse 3d) für 15 Euro.

Großes Septembertreffen des INSEL (Institut für Selbstbestimmte Bildung) in Könnern, 18.-19.9.

Das InSeL will einen Raum bieten, in dem selbstbestimmt und kooperativ gelernt werden kann und gleichzeitig dieses Lernen, seine Voraussetzungen und Scheiterkriterien reflektiert und gleichberechtigte Wissensproduktion erforscht werden.

Anders als an traditionellen Bildungsstätten jedoch entscheiden alle Beteiligten über ihr individuelles Lernen selbst und über gemeinsame Vorhaben gemeinsam.

So ist Gleichberechtigung der Akteur_innen das angestrebte Ziel in den Entscheidungsprozessen, was Reflexion von unterschiedlichen Positionierungen und Dominanzen erfordert und eine Bereitschaft aller Beteiligten, auch andere Sichtweisen zu hören und gelten zu lassen.

Das InSeL richtet sich besonders an Menschen, die sich mit Bildungarbeit beispielsweise mit Schulen oder politischer Bildung beschäftigen (wollen), soll aber auch anderen Interessierten offenstehen. Es bietet bisher zwei Studiengänge an: "Demokratische Bildung" und "Referendariat".

Für mehr Infos:

http://onlineinsel.wordpress.com/

https://we.riseup.net/insel

Das nächstes INSEL-Treffen findet statt:

17. bis 19. September 2010 in der attac-Villa in Könnern InSeL-Treffen

Anmeldung bis 13.September an treffen@onlineinsel.org

Neueinsteiger_innen sind herzlich willkommen und werden über bisher Geschehenes informiert!

Heike Radvan: Pädagogisches Handeln und Antisemitismus

Heike Radvan: Pädagogisches Handeln und Antisemitismus. Eine empirische Studie zu Beobachtungs- und Interventionsformen in der offenen Jugendarbeit.

2010. 292 Seiten, kartoniert
Bad Heilbrunn Verlag Julius Klinkhardt
ISBN 978-3-7815-1746-2, 32,00 EUR

Mit der Studie wird der Frage nachgegangen, wie PädagogInnen Antisemitismen wahrnehmen und wie sie damit umgehen. Es wurden Leitfadeninterviews mit Fachkräften geführt, die in der offenen Jugendarbeit tätig sind. Die Rekonstruktion der Interviewtexte zeigt, vor welchen Herausforderungen in der Praxis Tätige stehen. Anhand einer Typenbildung im Sinne der dokumentarischen Methode läßt sich zeigen, inwiefern bestimmte Beobachtungsformen dazu führen, dass Handlungsoptionen eröffnet werden oder verschlossen bleiben: Demnach kann es PädagogInnen gelingen, antisemitische Differenzkonstruktionen zu verlassen. Die Studie zeigt aber auch, in welchen Formen antisemitische Stereotype in der pädagogischen Praxis vermittelt werden. Vor dem Hintergrund der empirischen Analysen werden Theorien pädagogischen Handelns diskutiert, Fragen der offenen Jugendarbeit sowie Probleme der Ethnisierung und des Antisemitismus. Mit der Arbeit werden Antworten hinsichtlich der Verbesserung der Aus- und Weiterbildung von JugendpädagogInnen formuliert.

Einblicke in die Arbeit finden sich unter: http://www.klinkhardt.de/verlagsprogramm/1746.html