EnWi-Newsletter März 2012

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Liebe Freund*innen, Engagierte und Verwissenschaftlichte,

im März nun endlich wieder der gute alte EnWi-Newsletter: Pünktlich, umfangreich und mit vielen Infos aus dem Verein sowie Ankündigungen für Leipzig und den Rest der Welt!

Viel Spaß beim Lesen

wünscht

die Newsletter-Redaktion!

EnWi e.V.
Neue AG Ästhetische Theorie
Forum für kritische Rechtsextremismusforschung, chronik.LE und die AG Postkolonial unterstützen den Aufruf "Eintritt für alle" von ADB und StuRa
Tagesseminar "Faschistische Ästhetik" am 30.03.2012
DiWe: ein Semester der Liebe geht zu Ende
Leipzig
Warum Deutschland eine Quote zur regelmäßigen Aufnahme von existenzbedrohten Flüchtlingen braucht
OURY JALLOH - DAS WAR MORD!
Buchvorstellung: Die Leipziger Meuten
Was ist mit den Amis los?
Rest der Welt
4th Critical Finance Studies Conference, 15.-17.08.12, cfp Deadline 15.04.12
Seminar: Banken- und Schulden-Krise, 08.-11.03.12, Frankfurt/Main
Tagung: Transformationen als politische Lerngelegenheit, 12.-14.04.12, Heppenheim
Tagung: "Solidarische Ökonomie und Selbstverwaltungsgesellschaft – von alternativen Ökonomien zur ökonomischen Alternative zum Kapitalismus", 30.3.-1.4.2012, Bremen
Call for Interventions: Anarchism & Autonomism, cfp deadline bis 24.04.12
Penser l'emancipation: Marxistische Konferenz, 06.-08.09.12, Lausanne, cfp bis 30.03.12
Symposium FORSCHEN VERANTWORTEN, 21.-22.4.12, Jena
Tagung: Sprachliche Konstruktionen sozial- und wirtschafspolitischer Krisen in der Bundesrepublik von 1973 bis heute, 8.-9.3.12, Trier
Interdisziplinäre Fachtagung zu Antiziganismus
Seminar, Berlin, 10.3., 10-18 Uhr: Neoliberale Krisenbewältigung und soziale Kämpfe an der "europäischen Peripherie"
Einladung zum 34. BUKO-Kongress (17.-20. Mai 2012) nach Erfurt
Neuerscheinungen
Buch: Die intersektionelle Stadt. Geschlechterforschung und Medienkunst an den Achsen der Ungleichheit
Buch: Großkopf, Steffen (2012): Industrialisierung der Pädagogik. Eine Diskursanalyse

Neue AG Ästhetische Theorie

Seit kurzem hat EnWi eine neue AG, mit der neben der Diskurswerkstatt ein weiterer theoriebasierter Kreis Teil des Vereins wird, der Ästhetik auch explizit gesellschaftskritisch denken und mit Veranstaltungen im öffentlichen Raum intervenieren möchte. Hier eine erste kurze Vorstellung der Gruppe – weitere Informationen folgen in den kommenden Wochen über unsere Homepage und per Newsletter!

Wir sind eine Handvoll von Studierenden unterschiedlicher Fachrichtungen (Theaterwissenschaft, Philosophie, Kulturwissenschaft) an der Universität Leipzig, die sich zu Beginn des aktuellen Wintersemesters für einen gemeinsamen Lesekreis zusammengefunden hat. In diesem beschäftigen wir uns mit Theodor W. Adornos letztem, unvollendet gebliebenen Werk, der „Ästhetischen Theorie“.
Mit dem Lesekreis sollte der Versuch gestartet werden, außerhalb der obligatorischen Lehrveranstaltungen einen Raum für die Auseinandersetzung mit herausfordernder Theorie zu eröffnen. Wichtig ist uns dabei, dass Studierende unterschiedlicher Semester und verschiedener Fachrichtungen zusammenkommen und so vielfältige Zugängen zum Text ermöglichen. Gleichzeitig ist der Lesekreis als Format ein Versuch selbstorganisierten Studierens unter Abbau von konventionellen Hierarchien und Leistungsdruck, abseits des normalen Universitätsbetriebs.

Aus diesem Lesekreis heraus ist die Idee zu einer Veranstaltungsreihe im kommenden Sommersemester entstanden. Wir finden es spannend, die Fragen und Probleme, auf die wir als Gruppe in der gemeinsamen Lektüre gestoßen sind, zum Ausgangspunkt für eine Reihe von Vorträgen und Theorie-Werkstätten zu machen. So entstand ein Programm, das nach aktuellen Zugängen zu Adornos ästhetischer Theorie fragt und deren heutige Produktivität untersucht. Die Veranstaltungsreihe findet von Mai bis Juli 2012 unter dem Titel „Denken der Ästhetik / Ästhetik des Denkens“ (AT!) an verschiedenen Orten in Leipzig statt und versammelt Veranstaltungen an den Schnittstellen zwischen Kunst – Philosophie – Politik.

Schon länger beäugten wir EnWi interessiert aus der Ferne und aus ersten Gesprächen über eine mögliche Kooperation hat schnell die Idee einer Integration entwickelt, so dass wir mittlerweile als AG Teil der Vereins-Plattform geworden sind. Wir sind grundsätzlich eine offene Gruppe – der Einstieg bei uns ist jederzeit möglich und wir freuen uns über motivierten Zuwachs sowie Vernetzung im Verein!

Der Lesekreis trifft sich in der vorlesungsfreien Zeit noch an zwei weiteren Blockterminen: Montag, 19. März sowie Freitag, 30. März, jeweils 11-15 Uhr. Das erste Treffen im neuen Semester findet am Donnerstag, den 12. April, 19 Uhr im Seminarraum des Instituts für Theaterwissenschaft in der Ritterstraße 16 statt. Dann werden wir die Organisation im Sommersemester besprechen, schauen, wer neu hinzugekommen ist und gemeinsam den wöchentlichen Termin festlegen (bisher immer donnerstags, 19 Uhr).

Interessierte Menschen und Quereinsteiger_innnen sind herzlich willkommen und können sich an m.quent@web.de wenden!
Über das endgültige Programm der Veranstaltungsreihe informieren wir rechtzeitig in den kommenden Wochen.

Forum für kritische Rechtsextremismusforschung, chronik.LE und die AG Postkolonial unterstützen den Aufruf "Eintritt für alle" von ADB und StuRa

Einlass für Alle - Schritte zu diskriminierungsfreien Einlasskontrollen in Leipziger Clubs und Diskotheken

Testing zeigt: Rassistische Einlasskontrollen sind Teil des Leipziger Nachtlebens ++ ADB und StuRa fordern Veränderung und schlagen konkrete Schritte vor ++ Betroffene verklagen sechs Clubs

Im Oktober 2011 testeten das Antidiskriminierungsbüro Sachsen (ADB) und der StudentInnenRat der Universität Leipzig verschiedene Leipziger Diskotheken auf rassistische Diskriminierung. Die Frage lautete: Haben „nicht-deutsch“ aussehende Gäste die gleichen Chancen in die Disko zu kommen wie weiße Deutsche? Die Antwort war erschütternd. In mehr als der Hälfte der Fälle (sechs von elf Clubs) wurde den „nichtdeutschen“ Testern der Eintritt verweigert, während die mehrheitsdeutschen Vergleichspersonen durchgewunken wurden.

„Dieses Ergebnis bestätigt leider meinen Eindruck.“ sagt Abdulaziz Bachouri, Referent für ausländische Studierende im StudentInnenRat der Universität Leipzig (StuRa). Immer wieder berichten ihm Studierende von rassistischen Behandlungen durch das Sicherheitspersonal verschiedener Clubs. Auch Herr Bachouri selbst hat solche Erfahrungen machen müssen: „Es ist verletzend und du fühlst dich wie ein Mensch zweiter Klasse. Du fragst dich, ob du in Leipzig wirklich willkommen bist.“

Im Anschluss an das Testing suchten ADB und StuRa das Gespräch mit den Verantwortlichen der Clubs. Daniel Bartel, Leiter der Beratungsstelle des ADB Sachsen: „Die Reaktionen waren sehr unterschiedlich. Einige Clubs verweigern die Diskussion oder rechtfertigen ihre Praxis. Andere übernehmen Verantwortung und teilen das Ziel diskriminierungsfreier Einlasskontrollen. So stellen wir auf der heutigen Pressekonferenz zweierlei vor: Fünf praxisnahe Schritte, die es Clubs erleichtern, nicht zu diskriminieren und sieben Klagen wegen Verstoßes gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG).“

Fünf Schritte für eine nachhaltige Veränderung

Die fünf Schritte umfassen eine nachvollziehbare Information der Gäste über ihre Rechte und Pflichten, ein geregeltes Verfahren für Beschwerdefälle, die Schulung der Mitarbeitenden, die Zusammenarbeit mit unabhängigen Beratungsstellen und eine Anpassung der Hausordnung. Daniel Bartel: „Diese Maßnahmen sind leicht umsetzbar und nützen sowohl den Gästen als auch den Clubs. Wir hoffen, dass sie ein positiver Qualitätsstandard werden und zu einer nachhaltigen Veränderung beitragen.“ Mit einem Club, der Moritzbastei, wurde bereits eine Kooperation vereinbart, mit anderen gibt es aktuell Gespräche.

Sieben Klagen nach dem AGG

Die Klagen nach dem AGG betreffen sechs Leipziger Diskotheken: das Alpenmax, den City Club, das L1, das Nachtcafé, das Nightfever und VelVet. Nachdem mehrere Versuche, eine konstruktive Lösung zu finden scheiterten, sahen die von der Diskriminierung Betroffenen keinen anderen Weg mehr, als ihr Recht auf Gleichbehandlung vor Gericht durchzusetzen. Sie klagen auf Unterlassung der Diskriminierung und auf Schadensersatz. „Die Betroffenen bedauern, dass dieser Schritt notwendig wurde. Es hat Angebote für eine außergerichtliche Lösung gegeben, bei denen die Betroffenen sogar auf ihre Schadensersatzansprüche
verzichtet hätten“, kommentiert Jakob Simon, der Anwalt der Kläger und ergänzt: „Gleichzeitig ist es wichtig, eine Grenze zu ziehen und deutlich zu machen, dass es ein Recht auf Gleichbehandlung gibt, dem sich auch das Hausrecht unterordnet. Deshalb rufen wir das Leipziger Amtsgerichts an, das Diskriminierungsverbot durchsetzen.“ Die Klagen wurden am 08.02.2012 eingereicht und werden voraussichtlich im Frühjahr 2012 verhandelt werden.

Bitten um Unterstützung - Unterstützungsfond und Aufruf

Gerichtliche Auseinandersetzungen kosten Geld. Für viele Betroffene ist das eine große Hürde, wenn sie gezwungen sind, ihr Recht zu erstreiten. Deshalb hat das ADB einen Rechtsfond eingerichtet. „Der Fond unterstützt Klangende, indem er sie finanziell entlastet. Bitte spenden Sie.“, erläutert D. Bartel. Die fünf Schritte auf dem Weg zu diskriminierungsfreien Einlasskontrollen wurden als Aufruf zusammengefasst. Der StudentInnenRat der Universität Leipzig und das ADB Sachsen bitten Einzelpersonen und organisationen, den Aufruf zu unterzeichnen und laden die Verantwortlichen auf Seiten der Clubs ein, sich an einer geplanten Positivkampagne „Einlass für Alle“ zu beteiligen.

http://www.chronikle.org/dossier/rassismus-clubtür
http://www.adb-sachsen.de/rassistische_einlasskontrollen.html

Tagesseminar "Faschistische Ästhetik" am 30.03.2012

Referent/Teamer: David Begrich (Arbeitsstelle Rechtsextremismus, Miteinander –  Netzwerk für Demokratie und Weltoffenheit in Sachsen-Anhalt e.V.)
Zielgruppe: Multiplikator/innen aus der Bildungsarbeit
Veranstaltet von: Forum für kritische Rechtsextremismusforschung (FKR) bei Engagierte Wissenschaft e.V., Leipzig, in Kooperation mit dem Roten Baum Leipzig & Rosa-Luxemburg-Stiftung

  • Termin: Freitag, 30.3.2012, 10 bis 17 Uhr
  • Ort: Leipzig (nähere Infos nach Anmeldung)

Verbindliche Anmeldung bis 15.3.2012 per E-Mail an: forum@engagiertewissenschaft.de | ACHTUNG: Teilnahme begrenzt. Die TN-Liste wird nach 15 Anmeldungen geschlossen. Den Teilnehmer/innen wird im Vorfeld eine Lektüresammlung übersandt.

Hintergrund:

Immer wieder gibt es in Leipzig Diskussionen über die Rechtslastigkeit der so genannten Grufti-Szene. So traten beim alljährlich in der Stadt stattfindenden Wave-Gotik-Treffen – eines der größten„schwarzen“ Festivals weltweit – immer wieder Bands auf, denen eine Affinität zu rechten Ideologien bescheinigt werden kann/muss. Auch rechte Symboliken oder Uniformen, die klare Bezüge zum Nationalsozialismus aufweisen, stechen Jahr für Jahr ins Auge.
 
Mit dem Auftritt der Neofolk-Band „Blood Axis“ im August 2011 in der Theaterfabrik in Leutzsch hat die Debatte szeneinterne Grenzen überschritten und die lokale Öffentlichkeit erreicht. Der Frontmann der Band, Michael Moynihan, hängt antimodernen, tendenziell faschistischen Ideen an und ist in dieser Hinsicht publizistisch tätig.

Während politische Gruppen deswegen die Absage des Konzertes forderten, zogen sich die Band wie auch Veranstalter und Szene-Protagonisten darauf zurück, dass „Blood Axis“ ein künstlerisches Projekt sei und mit Politik nichts im Sinne hätte.

Diese Reaktion steht paradigmatisch für den Umgang der Gothic- bzw. Neofolk-Szene mit Vorwürfen der Rechtslastigkeit. Kritik von außen wird in der Regel mit dem Verweis auf das eigene unpolitische Selbstverständnis abgetan. In den Kanon der Abwehrstrategien gehören ebenfalls die Enthistorisierung und Entkontextualisierung von Zeichen, Symbolen oder Personen und Ereignissen des Nationalsozialismus – mit Verweis auf die Freiheit der Kunst. Neonazis gelingt es nicht zuletzt deshalb, in der „schwarzen Szene“ Anschluss zu finden.

Im Rahmen eines Tagesseminars soll der unkritische Umgang mit faschistischer Ästhetik näher beleuchtet werden: Warum ist der Rückgriff auf ästhetische Codes des Faschismus nicht so unpolitisch wie er gern dargestellt wird? Wo und wie verfließen die Grenzen zwischen Kunst und Ideologie?

Ziel des Seminars ist es, eine wirksame Kritik an der Ästhetisierung faschistischer und nationalsozialistischer Ideologien zu entwickeln, die nicht auf der Erscheinungsebene verharrt, sondern die Wirkung von künstlerischen Formen auf Identitätsbildung und Politisierung in den Blick nimmt.

Methodische Elemente: Textarbeit und Analyse / Musik und Videoanalyse / Fallbeispiel Diskussion / Gruppenarbeit

DiWe: ein Semester der Liebe geht zu Ende

Die Diskurswerkstatt rettet die Liebe in die Semesterpause

Immer noch hält ein Häuflein Aufrechter jeden Dienstag ab 13h15 im Philo-Fachschaftsraum die Fahne des Nachdenkens über die Liebe hoch. Nach einem turbulenten Semester und weiten Bögen von Freuds Objektwahl über trocken-systematische Philosophiegeschichte bis hin zu mehr oder weniger knackigen Texten von Jean-Luc Nancy, Alain Badiou und zuletzt sogar Foucault und Platon, geht das Semester unter dem Oberthema "Liebe" zu Ende.

Wie es weitergeht wird bei einer konstitutiven Sitzung Mitte April entschieden! Termin und Ort dafür werden rechtzeitig bekanntgegeben.

diwe-liste@engagiertewissenschaft.de

Warum Deutschland eine Quote zur regelmäßigen Aufnahme von existenzbedrohten Flüchtlingen braucht

Vortrag und Diskussion

28.03.2012 18:00 Uhr Schaubühne Lindenfels

Ein breites Bündnis von PRO ASYL, Wohlfahrtsverbänden, Kirchen, Menschenrechts- und Flüchtlingsorganisationen fordert, dass Deutschland jedes Jahr ein Kontingent an Flüchtlingen aus den Erstzufluchtsstaaten aufnimmt und integriert. Seit Jahren stellen viele Staaten jährliche Quoten für eine solche Aufnahme, "Resettlement" genannt, bereit. Obwohl auch die Bundesrepublik im Laufe ihrer Geschichte mehrfach große Gruppen von Flüchtlingen aufnahm, ist
sie bislang noch kein Resettlementstaat. Deutschland sollte sich verantwortungsvoll und konsequent beteiligen und Flüchtlinge regelmäßig aufnehmen. Die rechtlichen Voraussetzungen, Platz für Flüchtlinge und finanzielle Mittel sind ausreichend vorhanden.

Eine Gemeinschaftsveranstaltung von Attac Leipzig und "Save me" Leipzig.

OURY JALLOH - DAS WAR MORD!

Infoveranstaltung

am Montag, 5. März, 20 Uhr
in der Bäckerei (Josephstraße 12)

Am 07. Januar 2005 verbrannte Oury Jalloh an Händen und Füßen gefesselt
in einer Dessauer Polizeizelle. Die angeklagten Polizisten wurden im
ersten Verfahren freigesprochen, obwohl nicht einmal wegen Mord
ermittelt wurde. Zeugen und Staatsanwaltschaft haben geschlampt,
verschleiert und gemauert. Das Verfahren musste neu aufgerollt werden.
Jetzt steht der zweite Prozess kurz vor dem Ende.

Gleichzeitig werden die Aktivist_innen der Initiative Oury Jalloh von
der Polizei schikaniert und bedroht. Dabei ist es gerade die Initiative,
die sich seit dem Tod von Oury Jalloh für seine Aufklärung einsetzt und
verhindert, dass der Fall zu den Akten gelegt wird. Insbesondere in
Dessau ist die Lage gespannt und hat sich in den letzten zwei Monaten
nochmal zugespitzt.

Aktivist_innen der Initiative Oury Jalloh werden von den beiden
Verfahren und den Hintergründen des Todes von Oury Jalloh berichten. Im
Fokus der Veranstaltung stehen der aktuelle Stand des Prozesses und die
gegenwärtige Situation in Dessau.

Vermutlich letzte Prozesstage am 06. und 13.03. am Landgericht
Magdeburg. Mahnwachen jeweils ab 9.00 Uhr vor dem Landgericht.
Antirassistische Demo durch Dessau am 25.02. Treffpunkt 12.30 Uhr am
Hbf. Dessau.

http://initiativeouryjalloh.wordpress.com/

Buchvorstellung: Die Leipziger Meuten

Jugendopposition im Nationalsozialismus

Buchvorstellung und Vortrag mit Sascha Lange

Dienstag, 13.03.2012, Einlass: 19:30 Uhr, Beginn: 20:00 Uhr
Conne Island

Die Leipziger Meuten kennen auch 75 Jahre nach ihrem Wirken nur wenige. Die Messestadt gehörte zu einem der Zentren jugendlicher Opposition gegen das NS-Regime. Bis zu 1.500 Mädchen und Jungen trafen sich ab Mitte der 30er Jahre im Leipziger Stadtgebiet in Cliquen jenseits der Hitlerjugend und lehnten sich gegen den Nationalsozialismus auf. Viele von ihnen kamen aus dem linkssozialistischen Milieu der Weimarer Zeit. Streuzettel wurden hergestellt, HJ-Heime überfallen und Hitlerjungen auf offener Straße angegriffen. In kleineren Runden hörte man verbotene Radiosender und diskutierte über ein Deutschland ohne Nazis. Trotz massiver Verfolgung um 1939 durch die NS-Justiz gab es bereits 1942 die nächste Generation von oppositionellen Jugendlichen in Leipzig – die „Broadway-Gangster“. Die Jugendkultur veränderte sich in dieser Zeit – weg von den Wandergruppen in kurzen Lederhosen hin zu Tanzsälen, Schallplatten und Anzügen.

In dem nun erscheinenden Buch „Die Leipziger Meuten - Jugendopposition im Nationalsozialismus“ kommen erstmalig frühere Meutenmitglieder zu Wort. Interviews und Erinnerungsberichte, Auszüge aus Prozessakten, begleitende Texte sowie bislang unveröffentlichte Fotos ermöglichen eine Spurensuche zu einer der größten oppositionellen Jugendbewegung während der NS-Zeit.

Im Vortrag über die erste autonome Jugendkultur in Leipzig soll - neben erst kürzlich wieder aufgetauchten Fotos - auch auf die Situation der Jugendverbände um 1933 eingegangen werden, die Rolle der Hitlerjugend und die zunehmende Einflussnahme amerikanischer Swingmusik auf Jugendliche in den 40er Jahren.

Sascha Lange hat zu den Leipziger Meuten promoviert und arbeitet als freier Autor und Historiker.

siehe auch: schulmuseum-leipzig.de/html/meuten.html, alexander-lange.de

Was ist mit den Amis los?

Ein Psychogramm vor den Präsidentschaftswahlen in den USA

13.03.2012 - 19:00 Uhr - Schaubühne Lindenfels

Barack Obama hat 2009 bei seinem Amtsantritt als US-Präsident weltweite Euphorie ausgelöst. Doch seine Wiederwahl im November 2012 ist unsicher. Warum? Barack Obama hat eine Gesundheitsreform angestoßen, den Truppenabzug aus Afghanistan und dem Irak beschlossen und die Finanzmarktaufsicht verschärft. Dennoch: Je länger er regiert, desto schneller sinkt sein Ansehen im eigenen Land. Vielen US-Bürgern geht sein Kurs zu weit. Dies ist wiederum für die meisten Deutschen und Europäer unverständlich. Nicht für Christoph von Marschall, USAKorrespondent des Berliner "Tagesspiegel": Er kennt die Differenzen zwischen den beiden politischen und gesellschaftlichen Realitäten diesseits und jenseits des Atlantiks und erläutert sie in seinem neuen Buch. Gerade die "Obama-Präsidentenschaft hat diese Unterschiede im Denken über die Rolle des Staats und der Bürger, über soziale Gerechtigkeit und Eigenverantwortung, Privatwirtschaft und gesellschaftlicher Zusammenhalt in besonderer Weise sichtbar gemacht", so von Marschall. In "Was ist mit den Amis los? Warum sie an Barack Obama hassen, was wir lieben" beschreibt er Hintergründe und Motive amerikanischer Haltungen und zeichnet ein präzises Bild der Lage in den Vereinigten Staaten: Ein Vademecum zum Verständnis von Amerika und seinem jetzigen Präsidenten pünktlich zum Wahlkampfjahr 2012.

Christoph von Marschall, promovierter Historiker und Träger des deutsch-amerikanischen Kommentarpreises. Seit 2005 USA-Korrespondent für den "Tagesspiegel". Im Juni 2011 war er der erste deutsche Korrespondent, dem Präsident Obama ein Interview gab. Die Biografie "Barack Obama. Der schwarze Kennedy" war ein Bestseller.

Eine Veranstaltung von Weiterdenken in der Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen

4th Critical Finance Studies Conference, 15.-17.08.12, cfp Deadline 15.04.12

4th Critical Finance Studies Conference
15-17 August 2012; Call for Papers (Abstract Deadline 15th April 2012)

Essex Business School, University of Essex, Colchester, UK

Studying finance critically is playing with / being played by the normative forces of financial apparatuses; risking one’s self in the course of producing radically novel ways of thinking and comprehending finance and, ultimately, of creating new possibilities of life. With this in mind the Fourth Annual Critical Finance Studies conference will be held this year at the University of Essex, Essex Business School, August 15th -17th. With a conference gap in 2011 and with a financial crisis that is still on the agenda, and perhaps even stronger than ever, even compared with 2008, we have decided to devote this year’s conference to the ongoing financial crisis.

The Financial Crisis- futures and pasts re-interpreted.
We strongly encourage papers that contribute to our ongoing collaborative research project that seeks to engage finance in new and critical ways and from a variety of perspectives and disciplines. This is especially important when trying to understand the current ‘financial situation’, e.g. how people in everyday work and life are affected, how the environment is affected, how theories cope and adapt in the face of a protracted crisis, and how politicians, professional bodies and professionals respond to or promote change or not. We encourage papers that tackle these sorts of issues and, with this in mind, the conference is organized around three sub-streams: an open stream on theory, method, and critique; a stream on financial imaginaries/imagining finance; and a stream on sustainability/finance (see below for more details). The conference finale will comprise a semi-public and interdisciplinary panel in order to, we hope, create some interesting debates, and inspire new thoughts and create new possibilities of life.

Weitere Infos: http://socfinance.wordpress.com/2012/02/09/4th-critical-finance-studies-conference-august-2012-united-kingdom/

Seminar: Banken- und Schulden-Krise, 08.-11.03.12, Frankfurt/Main

Liebe Freunde,

vom 08.-11. März organisieren wir vom überparteilichen Verein zur Förderung politischen Handelns eine Wochenendakademie zur Banken- und Staatsschuldenkrise in Frankfurt. Mit zentralen Akteuren am Finanzplatz Frankfurt diskutieren wir über ihre Rolle in der Finanzkrise.
Welche Lehren ziehen wir aus der Krise? Wie soll der Finanzsektor an den Kosten der Krise beteiligt werden? Welche Auswege> kann es aus der derzeitigen Staatsschuldenkrise geben?

Mehr Informationen: http://www.vfh-online.de/eventlist/wochenendakademie-politik/von-der-banken-zur-staatspleite?Itemid=5

Tagung: Transformationen als politische Lerngelegenheit, 12.-14.04.12, Heppenheim

Gesellschaftliche Transformationen und Transformationen des Selbst
Perspektiven Kritischer Politischer Bildung und ihrer Didaktik

12.-14. April 2012 im Haus am Maiberg, Heppenheim
http://www.haus-am-maiberg.de/akademie-heppenheim-maiberg.html

Transformationsprozesse stellen eine Gelegenheit zum politischen Lernen und eine besondere Herausforderung für die Didaktik der Sozialwissenschaften dar. In der Arbeitstagung werden in drei Workshops gesellschaftliche Transformationen, Transformationen des Selbst sowie beide Formen als politische Lerngelegenheiten untersucht. Ziel ist es, einen interdisziplinären Austausch anzuregen, in dem sowohl fachdidaktische als auch fachwissenschaftliche Sichtweisen auf Transformationsprozesse von Gesellschaft und Subjektivität diskutiert und weitergehende Forschungs- und Entwicklungsperspektiven für die formale und non-formale Politische Bildung eröffnet werden.

Weitere Infos: http://www.haus-am-maiberg.de/fileadmin/PDF/Tagung_12-14_April__Transformationen_als_Lerngelegenheit.pdf

Tagung: "Solidarische Ökonomie und Selbstverwaltungsgesellschaft – von alternativen Ökonomien zur ökonomischen Alternative zum Kapitalismus", 30.3.-1.4.2012, Bremen

22. Jahrestagung der Loccumer Initiative Kritischer WissenschaftlerInnen
30.3.-1.4.2012, DGB-Haus Bremen, Bahnhofsplatz 22 – 28

"Mit dem Ausbruch der Finanzkrise hat sich die Suche nach theoretischen und praktischen Alternativen zur immer kurzatmigeren Politik einer Stabilisierung der globalen Ökonomie intensiviert. Dabei sind lange verschüttete Grundfragen wieder auf die Tagesordnung gesetzt worden, die konträr zu den überlieferten - und gescheiterten - Lösungsansätzen stehen. Denn vor dem Hintergrund der ökologischen Krise ist an einen sozialen Ausgleich in der Gesellschaft durch eine erweiterte ökonomische Expansion nicht zu denken. Mit der Debatte über die Post-Wachstums-Gesellschaft haben sich explizit wachstumskritische Positionen etabliert, deren Implikationen für die weiteren gesellschaftlichen Entwicklungen aber noch längst nicht durchdacht worden sind. Die Überlegungen, wie die zunehmenden soziale Ungleichheiten überwunden und die Belastungen für die Ökosysteme drastisch verringert werden können, stehen noch weitgehend am Anfang. [...]"

Weitere Infos unter: http://www.sopos.org/loccum/tagung/2012.php

Call for Interventions: Anarchism & Autonomism, cfp deadline bis 24.04.12

for the ASN 2.0 Conference ‘Making Connections’ at Loughborough University September 3rd – 5th, 2012
Coordinator: Stevphen Shukaitis (Autonomedia / University of Essex)

Over recent years anarchist and autonomist traditions of politics and analysis have proliferated in multiple and overlapping forms. While these currents are often conflated they emerge from distinct political trajectories, at times diverging over key questions.

This workshop is designed to tease out and compare the convergences, divergences, and productive tensions between these approaches. The goal is not to endlessly rehash debates between anarchism and marxism that seek to establish the superiority of one to the other, or to create a conceptual division of labor where anarchism handles ethics & tactics while marxism takes care of economics & strategy, but rather to create a space for transversal encounters ideas and practices.

Possible topics for consideration include, but are not limited to:
- The meaning and practice of autonomy today
- Communization & the commons
- Class composition & workers’ inquiry
- The refusal of work & the work of refusal
- Escape & the imperceptible politics of the undercommons
- The multitude & its dark side
- Affective labor & social reproduction
- Convergences / divergences between anarchism and autonomism
- Dialectics versus immanence
- Precarity & the autonomy of migration
- Schizoanalysis & class formation
- Anarchist and autonomist approaches to aesthetics

Send proposals of 200-500 words (along with bio and affiliation if applicable) to Stevphen Shukaitis (stevphen@autonomedia.org) by March 24th. Proposals for forms of intervention other than the reading of papers are highly encouraged.

Anarchist Studies Network: http://anarchist-studies-network.org.uk
Minor Compositions: http://www.minorcompositions.info

Penser l'emancipation: Marxistische Konferenz, 06.-08.09.12, Lausanne, cfp bis 30.03.12

Pour ce faire, nous organiserons un colloque international que nous envisageons comme le premier d’une série de colloques organisés en Suisse, en France, en Belgique et au Québec.

Pour ce premier colloque du réseau « Penser l’émancipation » qui se tiendra à Lausanne, nous sollicitons vos contributions dutour des thématiques suivantes :
- Histoire des révolutions
- Impérialismes
- Crise du capitalisme et critique de l’économie politique
- Race et capitalisme
- Quel agenda féministe ?
- Les sexualités en mouvement : débats stratégiques et hégémonie occidentale
- Pratiques politiques et stratégies transformatrices
- Luttes contemporaines pour l’émancipation
- Revanche des « superstructures » ? Idéologie, religion, culture
- Crise écologique
- Travail, exploitation et capitalisme contemporain
- Philosophie et révolution/émancipation
- Fétichisme, critique de la valeur et domination sociale

Ce colloque se tiendra du jeudi 6 au samedi 8 septembre 2012 à l’Université de Lausanne, en Suisse. La date limite pour soumettre une proposition de communication est le 30 mars 2012.
Les propositions, d’environ 2000 signes, sont à envoyer à l’adresse électronique suivante : penserlemancipation2012@gmail.com

Les frais de voyage et d’hébergement ne pourront être pris en charge par les organisateurs et organisatrices que de façon exceptionnelle. La priorité sera donc donnée à des participants et participantes ne disposant que de très faibles moyens.

Symposium FORSCHEN VERANTWORTEN, 21.-22.4.12, Jena

Ankündigung der studentischen Veranstaltung FORSCHEN VERANTWORTEN am 21. und 22. April an der Universität Jena

Das Symposium FORSCHEN VERANTWORTEN richtet sich an Studierende aller Fachrichtungen. Es werden Schnittstellen naturwissenschaftlicher Forschung zu gesellschaftlichen Domänen beleuchtet, in denen verantwortliches Handeln gefordert ist. Welche Beziehungen bestehen zwischen Wissenschaft, Politik und Öffentlichkeit? Sollte es eine uneingeschränkte Forschungsfreiheit geben? Welche ethischen Fragen stellen sich in der Technikfolgenabschätzung? Und wie wandeln sich gesellschaftliche Verhältnisse aufgrund neuer Technologien?

Diesen Problemstellungen soll in Vorträgen und Workshops nachgegangen werden, um die Interdisziplinarität der Geistes-, Sozial-, und Naturwissenschaften zu fördern und ein differenziertes Bewusstsein für die Verantwortung der Forschung gegenüber der Gesellschaft zu erarbeiten.

Die Veranstaltung steht unter der Schirmherrschaft von Prof. Dr. Klaus Dicke, Rektor der Friedrich-Schiller-Universität Jena und wird organisiert von einer interdisziplinären Gruppe von StipendiatInnen der Heinrich-Böll-Stiftung.

Das Anmeldeformular sowie weitere Informationen zum Programm, den ReferentInnen, den einzelnen Workshops und den Formalia findet ihr unter http://www.forschen-verantworten.de

Tagung: Sprachliche Konstruktionen sozial- und wirtschafspolitischer Krisen in der Bundesrepublik von 1973 bis heute, 8.-9.3.12, Trier

Eine interdisziplinäre Tagung im Rahmen des DFG-Projektes "Krisen-Diskurse"

Im Rahmen des DFG-Projektes "Sprachliche Konstruktion sozial- und wirtschaftspolitischer Krisen in der Bundesrepublik Deutschland von 1973 bis heute" wird zwischen 8. und 9. März 2012 in Trier eine interdisziplinäre Tagung stattfinden. Die Tagung soll dazu dienen,

1. eine Kooperation mit geistes- und sozialwissenschaftlichen Nachbarfächern in der Weise zu fördern, dass das Projekt von der Expertise der zum Thema Wirtschaftskrisen ausgewiesenen Geschichts-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaftler profitieren kann.

2. den Austausch im Fach zu fördern, insoweit die an anderen Orten zum Thema Krisendiskurse arbeitenden Kollegen eingeladen werden.

3. die Konzeption und die Forschungsergebnisse unseres Projektes im eigenen Fach und interdisziplinär bekannt zu machen.

Das Tagungskonzept setzt einerseits auf eine konsequente Umsetzung einer kulturwissenschaftlich ausgerichteten sprach- und sozialwissenschaftlichen Diskursanalyse, die sich für Inhalte interessiert und dabei Themen bearbeitet, die eine Vielzahl von Disziplinen in ihrem Programm haben.

Anmeldung Ihrer Teilnahme unter: http://www.uni-trier.de/index.php?id=41392

Weitere Informationen unter: http://www.uni-trier.de/index.php?id=42755

Interdisziplinäre Fachtagung zu Antiziganismus

Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma

28.09.2012-29.09.2012, Heidelberg, Bremeneckgasse 2

Deadline: 30.04.2012

Der Antiziganismus ist ein weit verbreitetes, aber kaum erforschtes
Phänomen, das gemeinhin als Bezeichnung für Rassismus gegenüber Sinti
und Roma dient. Sinti und Roma leben seit Jahrhunderten in Europa. In
ihren jeweiligen Heimatländern bilden sie historisch gewachsene
Minderheiten, die sich selbst Sinti oder Roma nennen, wobei Sinti die in
West- und Mitteleuropa beheimateten Angehörigen der Minderheit, Roma
diejenigen ost- und südosteuropäischer Herkunft bezeichnet. Außerhalb
des deutschen Sprachraums wird Roma als Name für die gesamte Minderheit
verwendet.

Der Begriff "Zigeuner" ist dagegen eine in seinen Ursprüngen bis ins
Mittelalter zurückreichende Fremdbezeichnung der Mehrheitsbevölkerung
und wird von der Minderheit als diskriminierend abgelehnt. Wird er im
Kontext historischer Quellen verwendet, so sind die hinter diesem
Begriff stehenden Klischees und Vorurteile stets mit zu bedenken.
Etymologisch ist der Begriff nicht eindeutig ableitbar. Er beinhaltet
sowohl negative als auch romantisierende Bilder und Stereotypen, die
real existierenden Menschen zugeschrieben werden. Daher ist der Begriff
zuallererst ein Konstrukt.

Der Antiziganismus wiederum ist eines der wirkmächtigsten Ressentiments
in Europa. Das Phänomen ist vielschichtig, die Begrifflichkeit ebenso
problematisch und unbestimmt wie der Versuch, das Phänomen inhaltlich zu
definieren und in seiner Komplexität theoretisch zu erfassen. Allein die
Auswirkungen des Antiziganismus als Vorurteilsstruktur, Ideologie und
rassistische Praxis auf die mit dem Stereotyp "Zigeuner" assoziierten
Gruppen sind allzu deutlich und betreffen die tägliche Lebensrealität
von Europas größter Minderheit.

Der Logismus Antiziganismus wird seit den achtziger Jahren in
deutschsprachigen Beiträgen zur Verfolgung und Diskriminierung der Sinti
und Roma verwendet. Inhaltlich wie wortschöpferisch steht er dem Begriff
Antisemitismus nahe, weshalb er aus sich selbst heraus verständlich
scheint und als politisches Schlagwort funktioniert. Der aktuelle
wissenschaftliche Diskurs greift in seinen Definitionsversuchen vielfach
zu kurz, wenn er unter Antiziganismus nur Rassismus gegen Sinti und Roma
versteht. Etwas diffenenzierter könnte man sagen, es handele sich um
eine feindliche Haltung gegenüber Sinti und Roma auf Grund eines aus
Stereotypen zusammengesetzten "Zigeuner-Bilds", die von inneren
Vorbehalten über offene Ablehnung, Diskriminierung, Diffamierung,
Ausgrenzung, Vertreibung bis hin zur Tötung und Vernichtung einer mit
diesem Zigeuner-Bild assoziierten Gruppe reicht. Eine wissenschaftlich
fundierte Definition steht noch aus.

Von den hieraus resultierenden Problematiken seien nur zwei genannt: Der
Begriff Antiziganismus impliziert die Existenz eines "Ziganismus", den
es nicht gibt. Außerdem rekuriert er auf den von der diskriminierten
Minderheit abgelehnten Begriff "Zigeuner", unterstützt also scheinbar
die Gleichsetzung des Konstrukts mit der real existierenden Gruppe von
Menschen.

Dem Desiderat zu begegnen, das die Erforschung des Antiziganismus in
seinen theoretischen und praktischen Facetten immer noch darstellt, ist
Zielsetzung der interdisziplinären Tagung des Dokumentations- und
Kulturzentrums Deutscher Sinti und Roma. Ausgangspunkt ist hierbei die
These, dass sich der Begriff Antiziganismus nur bedingt eignet, um das
zu bezeichnen versuchte Phänomen in seiner ganzen Vielschichtigkeit zu
begreifen. Gerade deshalb gilt es jedoch, Stärken und Schwächen des
Begriffs aufzuzeigen und das Phänomen weiter in all seinen Aspekten zu
untersuchen sowie Handlungsoptionen aufzuzeigen, um ihm künftig
wirkungsvoller begegnen zu können.

Die Tagung fokussiert zwei Leitthemen:

Sektion 1: Konkrete Formen und Ausprägungen des Antiziganismus
- Schwerpunkte könnten u.a. sein: Antiziganismus in der Wissenschaft und
in der Politik

Sektion 2: Theorien
- Schwerpunkte könnten u.a. sein: Theoretische Erklärungsmodelle des
Antiziganismus, relevante Aspekte aus der Rassismus- und
Stereotypenforschung, Vergleiche zum Antisemitismus

Abstracts
Die Einreichung der Abstracts (max. 1500 Zeichen) mit kurzer Vita bitte
bis zum 30. April 2012 in elektronischer Form an folgende Adresse:
beratung@sintiundroma.de

Bitte ordnen Sie Ihr Abstract einem der zwei Themenschwerpunkte zu und
machen Sie deutlich, ob es sich bei Ihrem projektierten Themenvorschlag
um einen Originalbeitrag handelt. Die Rückmeldung über Annahme und
Ablehnung der Abstracts erfolgt bis spätestens zum 30. Juni 2012. Eine
spätere Veröffentlichung der Beiträge ist vorgesehen.

Kontakt
Jacques Delfeld Junior
Armin Ulm
Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma
Bremeneckgasse 2
69117 Heidelberg

beratung@sintiundroma.de
URL: http://www.sintiundroma.de

Seminar, Berlin, 10.3., 10-18 Uhr: Neoliberale Krisenbewältigung und soziale Kämpfe an der "europäischen Peripherie"

Ein Krisengipfel jagt den nächsten. Hunderte Milliarden Euro werden in so genannte Rettungsschirme gepumpt, um verschuldete Staaten & Banken vor dem Kollaps zu retten. Dies geht einher mit radikalen Sozialkürzungen und dem Ausverkauf öffentlicher Güter. In Europa zeigt sich die gegenwärtige Krise des Kapitalismus am deutlichsten an der südlichen Peripherie. Die durch die Europäische Union und den IWF vorgegebene "Krisenbewältigung" erzeugt hier weiterhin deutlichen Widerstand. Während sich in Deutschland bislang keine größeren Proteste oder Streiks abzeichnen, gehen in Griechenland, Portugal und Spanien immer wieder zehntausende Menschen auf die Straße, um gegen die neoliberale "Krisenpolitik" der EU-Troika zu protestieren.

Im Seminar nehmen wir die sozial-politische Situation in Portugal und Griechenland in den Blick. Darüber hinaus beschäftigt uns die Frage: Wie wirkt sich die Euro-Krise auf die Länder des globalen Südens aus, die unter keinen Rettungsschirm genommen werden, sondern direkt mit den Auswirkungen des EU-Protektionismus konfrontiert sind? Wie können die verschiedenen Kämpfe gebündelt werden, um gemeinsam gegen Armut & Sozialkürzungen vorzugehen?

Mit Inputs von:
Ismail Küpeli: Sozialproteste in Portugal
Katerina Mesimeri: Zur Krisensituation in Griechenland
NN: Auswirkungen der EU-Außenwirtschaftspolitik auf die Länder des globalen Südens

Organisatorisches:
Das Seminar ist ein Kooperationsseminar von BUKO und Rosa-Luxemburg-Stiftung. Anmeldung: mail@buko.info; Teilnahmebeitrag (inkl. Verpflegung): 10 Euro, wobei die Teilnahme nicht am Geld scheitern sollte.
Seminarort: Haus der Demokratie, Greifswalder Str. 4, 10405 Berlin; Anfahrt: www.hausderdemokratie.de/artikel/kontakt.php4
Zeitlicher Rahmen: 10-18 Uhr, inkl. Pausen. Im Anschluss ist ein gemeinsames Abendessen vorgesehen, für alle, die Zeit und Lust haben.

Einladung zum 34. BUKO-Kongress (17.-20. Mai 2012) nach Erfurt

Under Pressure - Krisen. Kämpfe. Transformationen.

Der Druck steigt: Krisen

Eine Krise jagt die nächste: Immobilienblasen platzen. Großbanken gehen pleite. Schulden explodieren. Der Euro taumelt. Ganzen Staaten droht die Zahlungsunfähigkeit. Milliarden fließen in Rettungsschirme. Weitere Milliarden in die Rettung der Rettungsschirme. Rette sich, wer kann, heißt die Devise, und wer nicht kann, bleibt im Regen stehen.
Die Krise hat viele Gesichter und lässt sich nicht allein auf eine Finanz- oder Wirtschaftskrise reduzieren. Es ist auch eine Klima- und Ressourcenkrise. Die kapitalistische Wirtschaftsweise basiert auf der konsequenten Ausbeutung von Mensch und Natur. Das ist nicht neu. Neu ist allerdings die Brutalität, mit der nun der letzte Saft aus der Zitrone gepresst wird. Die imperiale Lebensweise in den Ländern des globalen Nordens fußt auf dem inflationären Konsum von Waren sowie auf dem massiven Verbrauch fossiler Energieträger wie Kohle und Öl. Weil Rohstoffe zu Neige gehen und die Nachfrage gleich bleibt bzw. weiter ansteigt, steigen auch die Preise. Deshalb lohnt sich der immer aufwändigere Abbau an immer entfernteren Orten. Die damit verbundene Zerstörung ganzer Landschaften und Regionen, vor allem in den Ländern des globalen Südens, wird dabei billigend in Kauf genommen.
Die aktuelle Krise ist auch eine Verteilungskrise. Vor allem am Horn von Afrika leiden immer mehr Menschen an Hunger. Klimaveränderungen haben zu Wasserknappheit, Dürren und Missernten geführt. Nahrungsmittelspekulation lässt die Getreidepreise so exorbitant in die Höhe schnellen, dass Importe unbezahlbar werden und die Menschen massenhaft an Hunger sterben - mehr als 13 Millionen Menschen in Ostafrika sind vom Hungertod bedroht. Landgrabbing und Ausbeutung riesiger Ackerbauflächen für das Agrosprit-Business rauben massiv die Grundlagen zur Herstellung von Nahrungsmittelsicherheit: Mais wird zur Gewinnung von Bio-Kraftstoff im globalen Norden statt zur Ernährung der hungernden lokalen Bevölkerung angebaut. Wo Güter und der Zugang zu Ressourcen knapp werden, nehmen auch Verteilungskriege zu. So dominieren Exportinteressen und der freie Zugang zu Rohstoffen über humanitären Interessen.
Die gebetsmühlenartig herunter geleierte Antwort auf die multiplen Krisen lautet Wachstum - und das um jeden Preis! Wenn der eine Markt schrumpft, muss ein anderer wachsen: Mal wird auf Nahrungsmittelpreise spekuliert, auf Schnäppchenverkäufe aus dem Reservoir staatlicher Güter gesetzt oder das Geld wird von einer Blase in die nächste transferiert. Das Rezept zur Lösung der Klimakrise heißt "Green Economy" - die Investition in neue Wachstumsbranchen, die Eröffnung neuer Märkte ganz im Zeichen der ,Nachhaltigkeit'. Während die Krisenverursacher aus Politik und Wirtschaft weiter von einem Gipfel zum nächsten hetzen, zeichnet sich bereits jetzt eine grundlegende Krise ab: die Krise der Legitimation. Warum an einem System festhalten, das weltweit nur wenigen nutzt, aber unendlich vielen schadet? Wie kann eine gerechte Verteilung der gesellschaftlichen Ressourcen für alle aussehen? Wie können wir zu einem Lebensstil kommen, der weniger bzw. gar keine systembedingten Krisen verursacht. Kurz: Was kommt nach dem Kapitalismus?

Druck von unten: Kämpfe

Nicht nur die Krisen vervielfältigen sich, sondern auch die Proteste und Aufstände nehmen zu: Im Dezember 2010 beginnen die Massenunruhen in Tunesien, die im Januar 2011 das Staatsoberhaupt in die Flucht treiben. Es folgen Unruhen in Algerien, eine Revolution in Ägypten führt zum Sturz Mubaraks. Ebenso in Libyen, Bahrain und Syrien wehrt sich die Bevölkerung gegen autoritäre Regime und fordert grundlegende demokratische Reformen.
Griechenland, Portugal, Spanien - auch hier wird seit Frühjahr 2011 massenhaft protestiert. Vor allem die Jungen und Gebildeten wehren sich gegen die Zumutungen neoliberaler Sparhaushalte. Zugleich regen sich in Israel Sozialproteste aus der Mitte der Gesellschaft heraus. Hier sind steigende Mieten und Lebenshaltungskosten zentrales Thema. Auch in Rumänien, Ungarn und Russland nehmen die Proteste gegen Rassismus und staatliche Repressionen zu. Nicht zu vergessen: die seit Spätsommer in den USA protestierende Occupy-Bewegung, die nicht nur die Brooklyn Bridge besetzt, sondern gleich ganze Häfen blockiert und lahm legt. Was sind die Gemeinsamkeiten in den diversen Revolten und Protesten und wo liegen Unterschiede? Wie sind die Umbrüche, z.B. in den arabischen Ländern einzuordnen? Wie stehen die Chancen für einen dauerhaften emanzipativen Wandel? Dies sind nur einige der Fragen & Kämpfe, die uns auf dem Kongress beschäftigen.
Klar ist: Soziale Bewegungen lassen sich selten vorher sehen und leider auch nicht herbei sehnen. Warum nehmen vereinzelte Proteste an Fahrt auf und gewinnen über das Lokale hinaus an Strahlkraft, während andere nach kurzer Bewegungskonjunktur in der Versenkung verschwinden und das zerstörerische Business as usual weiter geht? Wie können sich die verschiedenen Akteur_innen lokaler Kämpfe aufeinander beziehen? Wie könnte eine inter- bzw. transnationale Zusammenarbeit aussehen? Wie können soziale Bewegungen intensiviert und verstetigt werden? Wie können Solidarität und gemeinsamer Widerstand organisiert werden?

Druck machen: Transformationen

"Under Pressure - pushing down on me, pushing down on you", heißt es in dem gleichnamigen Klassiker von Queen & David Bowie. Auch die Subjekte stehen unter enormen Druck. Für viele Menschen nehmen die Zumutungen des Systems Ausmaße an, die lebensbedrohend sind. Es geht um die Näher_innen, die gegen die ausbeuterischen Arbeitsbedingungen in den Weltmarktfabriken rebellieren, um das Aufbegehren indischer Kleinbäuerinnen und Kleinbauern, deren Lebensgrundlage durch multinationale Saatgutkonzerne zerstört wurde, um die Wanderarbeiter_innen in China, die sich kollektiv organisieren, um die Menschen, die unter Lebensgefahr über das Mittelmeer nach Europa kommen - um nur einige Beispiele zu nennen.
Es sind überwältigend viele Menschen, die sich durch die hegemoniale Politik nicht repräsentiert fühlen und die sich zunehmend Gehör verschaffen. Deswegen setzen Veränderungen und die Suche nach Alternativen (nicht nur, aber auch) bei den Subjekten an. Jeder Mensch ist die Krise des Kapitalismus, genau dann, wenn er migriert, blockiert, rebelliert, streikt, sich vernetzt? Die Formen und Strategien des Widerstands sind vielfältig. Die Veränderungsprozesse beginnen im vermeintlich Kleinen: der Verweigerung des/der Einzelnen "einverstanden zu sein" und "mitzumachen". Wie können wir den Druck, der auf uns allen als Individuen lastet, gegen das richten, was uns kaputt macht?
Unter dem Stichwort "Transformationen" widmen wir uns dem konkret Machbaren: Wie können emanzipatorische Veränderungen in den Alltag implementiert werden? Welche positiven Beispiele für Selbstorganisation, für andere Formen des Lebens und Wirtschaftens gibt es? Zum anderen wagen wir einen Blick über den realpolitischen Tellerrand: Wie könnte das Unmöglich-Mögliche aussehen? Hier kommt das Utopische ins Spiel: Was wäre, wenn...? Wie wären wir, wen...? Denn nur, wenn wir eine Vorstellung darüber gewinnen, wie das ganz Andere jenseits einer kapitalistischen Inwertsetzung aussehen könnte, können wir über das Bestehende hinaus denken und hinaus agieren. Und wer hätte vor zwei Jahren gedacht, dass die seit Jahrzehnten installierten autoritären Regime in Nordafrika und im arabischen Raum ins Wanken geraten und dass in den USA eine große Protestbewegung gegen die neoliberale Wirtschaftspolitik Druck macht?

Um diese und viele weitere Fragen zu diskutieren, laden wir euch zum 34. Kongress der Bundeskoordination Internationalismus ein. Kommt vom 17.-20.5. zum BUKO nach Erfurt. Auf eine vielfältige Entladung und Aufladung freut sich...
die Erfurter Vorbereitungsgruppe

Der BUKO-Kongress findet vom 17.-20.5.2012 in Erfurt statt. Dieses Jahr wird er vor Ort organisiert von einem lokalen Netzwerk aus Studierendenrat der FH, Bildungskollektiv (BiKo) e.V., revolta - antikapitalistische linke, Hochschulgruppe LiSE, Plan B und Einzelpersonen.

Weitere Infos unter http://www.buko.info

Buch: Die intersektionelle Stadt. Geschlechterforschung und Medienkunst an den Achsen der Ungleichheit

Elli Scambor, Fränk Zimmer (Hg.)

Die intersektionelle Stadt.
Geschlechterforschung und Medienkunst an den Achsen der Ungleichheit

Welche Muster sozialer Ungleichheit konstituieren städtischen Raum? Welche Rolle spielen soziale Kategorien wie Geschlecht und Migration dabei? Dieses Buch stellt mit dem Projekt »Intersectional Map« und daran anknüpfenden Beiträgen von Vertreterinnen und Vertretern unterschiedlicher Disziplinen anschaulich dar, wie komplexe gesellschaftliche Zusammenhänge erfasst und u.a. durch medienkünstlerische Praxis erlebbar gemacht werden können. Die multidisziplinäre Perspektive eröffnet dabei neue Wege der praktischen Umsetzung und Ausgestaltung des intersektionalen Paradigmas.
Mit einem Vorwort von Carol Hagemann-White sowie Beiträgen von Katharina Walgenbach, Dörte Kuhlmann u.v.a.

Februar 2012, 210 S., kart., zahlr. z.T. farb. Abb., 24,80 €; ISBN 978-3-8376-1415-2

Infos: http://www.transcript-verlag.de/ts1415/ts1415.php

Buch: Großkopf, Steffen (2012): Industrialisierung der Pädagogik. Eine Diskursanalyse

Hintergrund der Untersuchung bilden bildungspolitische Diskussionen, nach denen immer mehr Jugendliche nicht mehr ausbildungsfähig seien. Diese Kritik ist jedoch alt. Verändert hat sich weniger die Jugend als vielmehr die Begriffe, mit welchen die Kritik an ihr formuliert wird. Um zu klären, wie sich das Urteil über die Jugend formierte und warum es heute unter dem Begriff der Ausbildungsfähigkeit kursiert, entfernt sich der Autor vom Thema.

Auf Basis pädagogischer Nachschlagewerke von 1797 bis zur Gegenwart rekonstruiert der Autor - in Anlehnung an Foucaults Archäologie des Wissens - einen ständischen und einen industriellen Diskurs. Es wird gezeigt, dass die Pädagogik bis in die 1960er Jahre von ständisch handwerklichen Vorstellungen dominiert wird, die um das Organische Ganze als anthropologische Leitkategorie kreisen. Danach kommt es zu einem Deutungsmachtwechsel und das System avanciert zur Leitfigur der Pädagogik. Der industrielle Diskurs löscht unbeeinflussbare Größen, welche die ständische Deutung beherrschten. In der Folge begreift sich die Pädagogik im industriellen Produktions- und Verwertungszusammenhang. Ausbildungsfähigkeit wird als vom industriellen Diskurs hervorgebrachter Begriff identifiziert mit dessen spezifischer Semantik und Gegenstandswahrnehmung.

Mehr Informationen unter: http://www.ergon-verlag.de/tocs/9783899138863.pdf