EnWi-Newsletter September 2011

Druckeroptimierte VersionAls Email sendenPDF Version

Im Guten, wie im Schlechten: Gemeinschaftsbildung zwischen Teilhabe und Ausgrenzung

Wer in den letzten Tagen als Couchpotato vor dem Fernseher seine Zeit verbracht hat, wurde beispielsweise durch den Film "Homevideo" mit dem Thema Mobbing im Internet konfrontiert, dem sogenannten "Cyber-Bulling". Oder in der Folge "Schneeträume" der Krimireihe "Maria Wern - Kripo Gotland" muss sich die Kriminalinspektorin mit den Abgründen von Ausgrenzung, Neid und Intrigen rund um ein schwedisches Gymnasium auseinandersetzen.

Trägt man die Schichten der Überspitzungen medialer Inszenierungen ab, bleiben doch die Bilder zum Thema, die beide Filme aufgreifen, im Raum hängen: Mobbing schafft beides: Ausgrenzung für den gemobbten Menschen, Teilhabe und Gemeinschaftsgefühle für die mobbenden Personen. Im Krimi wiederum wird deutlich, dass abweichendes Verhalten einer Minderheit zum gemeinschaftsstiftenden Moment der Mehrheit der Schüler_innen werden kann - mit den unabsehbaren Folgen von Ab- und Ausgrenzung. Aber auch mit den ambivalenten Konsequenzen der Stärkung des Zugehörigkeitsgefühls der Mehrheitsgruppe.

Wie gehen wir mit solch komplexen Themen um? Wie reflektieren wir, durchdenken wir und fühlen wir uns in solche Situationen und Entwicklungen ein? Wie verhalten wir uns als Individuen zu Diskriminierung, zu Ausgrenzung, aber auch zum wohligen Gefühl der Teilhabe an Prozessen der Gemeinschaftsbildung? Wie gestalten wir unsere Lern- und Arbeitsprozesse: Demokratisch, Hierarchisch, wie sonst? Und wie ist hängt das alles mit gesellschaftlichen Auseinandersetzungen und Debatten zusammen?

Das Kunstprojekt „Die einen, die Gleichen und die Anderen. Teilhabe und Ausgrenzung im Bildungs- und Berufsleben“ des Vereins Engagierte Wissenschaft stellt sich der Auseinandersetzung mit diesem brisanten Thema und fragt:
Welche Bedingungen schaffen Strukturen gesellschaftlicher Teilhabe und somit Voraussetzungen für eine Gemeinschaft, die demokratische Prinzipien aktiv lebt? Welche Mechanismen verwehren Partizipation und grenzen aus? Es wird um Teilhabe und Ausgrenzung in Schule, Hochschule und Arbeitsinstitutionen gehen; aber auch um Bildung im weiteren Sinne, denn Bildung findet auch überall dort statt, wo Menschen gemeinsames Handeln und gesellschaftliche Mitwirkung praktizieren.

Die Besucher_innen erwartet ein mit viel Herzblut konzipiertes und organisiertes Kunstprojekt. Einige künstlerische Positionen sowie der Tanzworkshop wurden extra für dieses Kunstprojekt angefertigt und erleben somit ihre Leipzig-Premiere. Ingsgesamt werden unterschiedlichste Formate präsentiert: Malerei, Fotografie, Video, Schrift- und partizipative Kunst, Tanz sowie ein Audiospaziergang. Ein umfangreiches Vermittlungsprogramm unter anderem für Schüler_innen und diverse Workshops ergänzen die Möglichkeiten der Auseinandersetzung.

Wir freuen uns auf Ihre und Eure Teilnahme und Teilhabe an diesem Projekt und wünschen schon im Vorfeld viel Spaß beim Anschauen, Mitmachen, Erfahren, Gehen, Kritisieren, Reflektieren und Ergänzen!

Stefan Kausch für das Projektteam "Die Einen, die Gleichen und die Anderen"