EnWi-Newsletter November 2010
Ordnung und Demokratie? Ein Spannungsverhältnis...
Die Begriffe Ordnung und Demokratie scheint auf den ersten Blick wenig zu verbinden. Mit Demokratie werden zumeist (parlamentarische) Debatten, Parteienwettbewerb, Streitkultur, Wahlen etc. assoziiert. ‚Demokratie’ klingt hier eher nach Bewegung, nach Offenheit. Mit Ordnung verknüpft man demgegenüber Polizei, einen festgeschriebenen Rechtsrahmen, enge Grenzen erlaubten Verhaltens etc. Doch ein steter Bezug auf die „Freiheitliche demokratische Grundordnung“ (FdGO) in der Definition von Demokratie verweist auf eine Verbindung – genauer ein Spannungsverhältnis zwischen beiden Begriffsrealitäten im Raum des Politischen. [... Fortsetzung nach dem Inhaltsverzeichnis]
Editorial: Ordnung und Demokratie? Ein Spannungsverhältnis...
Die Begriffe Ordnung und Demokratie scheint auf den ersten Blick wenig zu verbinden.
Mit Demokratie werden zumeist (parlamentarische) Debatten, Parteienwettbewerb, Streitkultur, Wahlen etc. assoziiert. ‚Demokratie’ klingt hier eher nach Bewegung, nach Offenheit. Mit Ordnung verknüpft man demgegenüber Polizei, einen festgeschriebenen Rechtsrahmen, enge Grenzen erlaubten Verhaltens etc.
Doch ein steter Bezug auf die „Freiheitliche demokratische Grundordnung“ (FdGO) in der Definition von Demokratie verweist auf eine Verbindung – genauer ein Spannungsverhältnis zwischen beiden Begriffsrealitäten im Raum des Politischen. Denn unter Demokratie wird auch eine Herrschaftsform und eine Organisation von Gesellschaft verstanden. Innerhalb eines solchen Demokratieverständnisses scheint es offensichtliche Grenzen des (demokratischen) Handelns zu geben. Denn warum gäbe es sonst Ordnungsbehörden, Gerichte und politische Debatten um die Frage, was legal, legitim, extremistisch sei?
Oft wird in diesem Zusammenhang von einem Grundkonsens gesprochen. Wer diesen Grundkonsens in Frage stellt, begibt sich schnell außerhalb der Ordnung – in den Raum der Extreme, des Unordentlichen, des abweichenden Verhaltens .
Nun sind diese Grenzen nicht festgeschrieben bis in alle Ewigkeit. Die Ordnung selbst ist in Bewegung. Die Ordnung des demokratischen Konsenses muss täglich neu geschaffen und bestätigt werden. Die gesellschaftlichen Machtverhältnisse und ihre Akteur_innen führen als Tag für Tag bestimmte Handlungen aus, die Grenzziehungen, z.B. zwischen „Mitte“ und „Extremen“ erzeugen. Dadurch wird diese Ordnung (re)produziert. Und diese Grenzziehungen werden auch in einer Stadtgesellschaft wie Leipzig täglich praktiziert.
Über das beschriebene Spannungsverhältnis zwischen Ordnung und Demokratie möchten wir gern mit möglichst vielen Menschen dieser Stadt ins Gespräch kommen. In unserer aktuellen Vortragsreihe „Ordnung muss sein!? Lokale Demokratie zwischen Gemeinwohl und Konflikt.“ fragen wir nach den Grenzen und Möglichkeiten demokratischen Handelns. Hier zeichnen sich sehr unterschiedliche Vorstellungen von Demokratie in der Leipziger Stadtgesellschaft ab: Beispielsweise zwischen der Forderung nach einem politischen Handeln für ein „Gemeinwohl“ im Gegensatz zu der Behauptung, dass das Austragen von Interessenkonflikten bestimmend für unser lokales Gemeinwesen sei. Beide Forderungen berufen sich auf demokratische Prinzipien und Traditionen.
Auch die Frage, wer überhaupt zum Gemeinwesen dazugehört – bzw. dazugehören darf, berührt unsere demokratische Grundordnung. Bisher können z.B. nicht alle Menschen, die in dieser Stadt wohnen, auch ihre Wahlrechte ausüben. Doch wer bestimmt über diese Rechte und ihre Grenzen?
Nicht zuletzt war und ist der Umgang mit unangepassten Jugendlichen ein Thema, dass in verschiedenen Gesellschaftsordnungen problematisiert werden kann und erstaunliche Kontinuitäten aufweist: Ob in der DDR, wo jugendlicher Subkultur und abweichendem Verhalten sehr restriktiv begegnet wurde oder in Großbritannien, wo man mithilfe von ASBOs (Anti-Social Behaviour Order) die öffentliche Ordnung herzustellen versucht. (Die AG Kids Control bei EnWi e.V. hat sich dem Thema bereits im Jahr 2009 u.a. in einer Ausstellung gewidmet.)
Aber auch die BRD und die in ihr lebende Mehrheitsgesellschaft ist nicht frei von permanenten Grenzsetzungen bei Abweichung, gerade für junge Erwachsene. Auch hier stellt sich die Frage: Inwiefern wird Demokratie begrenzt, geordnet, verteidigt und herausgefordert?
Wir sind auf eine kontroverse Debatte gespannt. Zu unserer Vortragsreihe, sowie zu weiteren Veranstaltungen laden wir Sie und Euch deshalb ganz herzlich ein. Und natürlich wünsche ich eine interessante Lektüre unseres Newsletters.
Stefan Kausch
Vortragsreihe Ordnung muss sein!? Lokale Demokratie zwischen Gemeinwohl und Konflikt
Was bedeutet Demokratie vor Ort? Was heißt demokratische Kommunalpolitik und wie ist unser Alltagsleben davon beeinflusst? Was bedeutet hier politische Gleichberechtigung? Wer darf in politischen Prozessen und bei Entscheidungen mitmachen, wer nicht und warum? Was ist demokratisches Engagement? Wie viel (Un)Einigkeit braucht ein Gemeinwesen? Wie viele Konflikte und Abweichungen werden in diesem Gemeinwesen akzeptiert? Und worüber wird eigentlich entschieden?
Die Diskussionsreihe "Ordnung muss sein!? Lokale Demokratie zwischen Gemeinwohl und Konflikt" bietet die Möglichkeit, diese und andere Fragen in Bezug auf unseren (politischen) Alltag zu behandeln. Dieser findet dort statt, wo wir leben: in unserer Straße, unserem Viertel, unserer Stadt. Lokalpolitik und ihre Institutionen sind dabei ein (wichtiger) Aspekt, aber politisches Handeln beschränkt sich auch im lokalen Kontext nicht darauf, alle paar Jahre eine neue Oberbürgermeisterin zu wählen oder einen Stadtrat. Im Gegenteil wollen wir vor allen Dingen über politische Prozesse und Auseinandersetzungen diskutieren, die jenseits der etablierten Strukturen demokratischer Repräsentation stattfinden: über die Mitbestimmungsrechte von Migrant_innen, über Möglichkeiten und Grenzen zivilgesellschaftlichen Engagements und über die grundsätzliche Frage, wie politische Öffentlichkeit und Demokratie im lokalen Rahmen zu denken und zu machen ist.
All diese Aspekte beinhalten Konzepte politischer Ordnung, mit denen wir uns gern kritisch auseinandersetzen möchten. Da eine Debatte vor allen Dingen von einer breiten, offenen und kontroversen Beteiligung lebt, würden wir uns freuen, Sie und Euch auf einer der Veranstaltungen begrüßen zu dürfen. Soviel Demokratie muss sein, oder!?
Die einzelnen Veranstaltungen:
Bürgerschaftliches Engagement in Leipzig – Zwischen Gemeinwohlorientierung und Basisdemokratie
Donnerstag, 04. November 2010, 19 Uhr; Kulturcafé Knicklicht, Dresdner Straße 79
Mit Uwe Hitschfeld und Mike Nagler. Moderation: Dr. Daniel Schmidt, Universität Leipzig
Beraten: Ja | Entscheiden: Nein? - Migrant_innen in Leipzig zwischen Mitbestimmung und Diskriminierung
Donnerstag, 18. November 2010, 19 Uhr; Kulturcafé Knicklicht, Dresdner Straße 79
Mit: Marcela Zuñiga Medina und Prof. Dr. Roland Roth
„Rowdys“, „Punks“ und „Linke“ - Umgang der Mehrheitsgesellschaft mit unangepassten Jugendlichen damals und heute
Mittwoch, 01. Dezember 2010, 19 Uhr; Vereinshaus Leipziger Osten, Dresdner Straße 82, EG
Mit: Pascal Begrich und Cornelia Mareth
Die Vortragsreihe "Ordnung muss sein!?" wird organisiert vom Forum für Kritische Rechtsextremismusforschung im Verein Engagierte Wissenschaft. Sie ist Teil des 2010 durch das Bundesprogramm "Vielfalt tut gut!" geförderten Projekts "Kompetenz für Demokratie fördern". Mehr Infos zu diesem Projekt unter: http://www.engagiertewissenschaft.de/demokratie
03.11. TU Chemnitz, Vortrag: Ordnung schafft Extremismus
EnWi on tour:
3.11.|TU Chemnitz|Ordnung schafft Extremismus
Vortrag und Diskussion mit Stefan Kausch am 3. November 2010 an der TU Chemnitz Zimmer N105 um 18:30 im Rahmen der Veranstaltungsreihe der Roten Hochschulgruppe „Extremismus geht nicht“
Demokratie(theoretische) Perspektiven als Kritik des Extremismus-Modells
Der Begriff Rechtsextremismus taucht immer wieder in der medialen Öffentlichkeit auf. So sprechen neben staatlichen Institutionen wie den Landesämtern für Verfassungsschutz, die Bundesfamilienministerin Schröder und das Bundesinnenministerium, auch Zeitungen, Nachrichtensendungen und wissenschaftliche Publikationen von der Bedrohung einer demokratischen Mitte durch verschiedene Extremismen. Was hat dies mit einem Appell an die Bundeskanzlerin nach einem Machtwort zu tun, wenn die CDU sich zu lange über verschiedene Positionen streitet und welches Demokratiekonzept steckt dahinter?
Braucht staatliche Ordnung etwa die Vorstellung von extremistischen Rändern, um sich selbst in der „demokratischen Mitte“ zu verorten?
Diesen Fragen stellt sich der Politikwissenschaftler Stefan Kausch in einem Referat mit einer anschließenden Diskussion.
04.11.: Bürgerschaftliches Engagement in Leipzig - Zwischen Gemeinwohlorientierung und Basisdemokratie
Bürgerschaftliches Engagement in Leipzig – Zwischen Gemeinwohlorientierung und Basisdemokratie
Donnerstag, 04. November 2010, 19 Uhr; Kulturcafé Knicklicht, Dresdner Straße 79
Wie funktionieren politische Auseinandersetzungen auf lokaler Ebene? Wer darf mitbestimmen und welche Themen werden verhandelt? Und was hat es dabei mit dem „Gemeinwohl“ auf sich? Wir wollen darüber diskutieren, wie und unter welchen Voraussetzungen auf die „offiziellen“ politischen Organe eingewirkt werden kann. Zudem stellen wir uns die Frage, welches Verständnis von Demokratie dem „engagierten Bürgerwillen“ zugrunde liegt.
Es diskutieren:
- Uwe Hitschfeld, Unternehmensberater, Initiator des Briefes an den Leipziger Stadtrat am 15.06.2009
- Mike Nagler, Architekt, Initiator der Bürgerinitiative „Stoppt den Ausverkauf unserer Stadt“
- Moderation: Dr. Daniel Schmidt, Universität Leipzig
11.11.: Salon Surveillance: Das Volk zählen
Analyse und Kritik des EU-Zensus
mit Dr. Daniel Schmidt, Universität Leipzig
19.30 Uhr, Moritzbastei, Leipzig
Im Jahr 2011 wird in der Europäischen Union eine Volkszählung (Zensus) durchgeführt. In Deutschland kommt dabei zum ersten Mal das so genannte «registergestützte Verfahren» kombiniert mit Stichprobenerhebungen zum Einsatz. Damit werden verschiedene Fragen aufgeworfen: Welche Besonderheiten und Schwierigkeiten der Datenerhebung weist dieses Verfahren auf? Welche Kategorien werden erhoben? Und grundsätzlich betrachtet: Warum werden «wir», die «Bevölkerung», überhaupt gezählt? Was bedeutet in diesem Zusammenhang Bevölkerungspolitik? Welche «Idee» des Staates steckt hinter diesem Zählen? Und welche Rationalitäten von Macht, Regierung und Kontrolle werden damit sichtbar?
Daniel Schmidt wird zentrale Ziele und die Ausgestaltung des EU -Zensus vorstellen und dabei das Augenmerk auf Deutschland legen. Er wird Thesen zu den Problemen von vermeintlich objektiven Kategorien vorstellen und auf die Datenschutzprobleme hinweisen. Darüber hinaus werden zivilgesellschaftliche Akteure und deren politischen Protest gegen den Zensus in den Blick geraten. Davon ausgehend werden kritische Überlegungen den Zensus in den Kontext von «Biopolitik», also der Regierung der Bevölkerung, stellen.
Mehr infos unter: http://www.engagiertewissenschaft.de/salonsurveillance
18.11.: Beraten: Ja - Entscheiden: Nein? Migrant_innen in Leipzig zwischen Mitbestimmung und Diskriminierung
Beraten: Ja - Entscheiden: Nein? Migrant_innen in Leipzig zwischen Mitbestimmung und Diskriminierung
Donnerstag, 18. November 2010, 19 Uhr; Kulturcafé Knicklicht, Dresdner Straße 79
In Deutschland gibt es bis heute kein kommunales Wahlrecht für Einwohner_innen ohne deutschen oder EU-Pass. Dadurch ist in einer Stadt wie Leipzig ein beträchtlicher Teil der Stadtbevölkerung nicht in den relevanten politischen Entscheidungsgremien vertreten. Können Beiräte und andere Beteiligungsformen die Mitwirkung von Migrant_innen am politischen Prozess verbessern?
Es diskutieren:
- Marcela Zuñiga Medina, Vorsitzende des Migrant_innenbeirats der Stadt Leipzig
- Prof. Dr. Roland Roth, Politikwissenschaftler, Hochschule Magdeburg-Stendal
Diskurswerkstatt immer Montags, 19 Uhr
Die Diskurswerkstatt trifft sich im Wintersemester jeden Montag um 19 Uhr (s.t.) im GWZ. Das Oberthema für dieses Semester lautet "(Post-)Feminismus" - unter diesem Titel lässt sich einiges subsumieren und er lässt sich auch hervorragend als Ausgangspunkt für weitere Debatten nutzen. Wer interessiert ist, an der Diskurswerkstatt teilzunehmen, kann sich über das Kontaktformular an die DiWe wenden.
02.11. Diskussion "Denk ich an Deutschland... Rassismus, Leitkultur und Mehrheitsgesellschaft"
Vom 2.-6. November 2010 veranstaltet der Landesfilmdienst Sachsen die Medienwoche COURAGE LEBEN! GEGEN RASSISMUS
Dienstag, 2. November 2010, Cineding (Karl-Heine-Str. 83)
19.30 ERÖFFNUNGSVERANSTALTUNG
Denk ich an Deutschland... Rassismus, Leitkultur und Mehrheitsgesellschaft.
Podiumsdiskussion mit
Friedemann Affolderbach (Politikberater Kulturbüro Sachsen), Rick Barkawitz (Programmkoordinator Moritzbastei), Eiko Kühnert (Fachstelle Extremismus und Gewaltprävention), Gunter Weißgerber (ehemaliger Bundestagsabgeordneter, SPD), Christopher Zenker (Stadtrat Leipzig)
Moderator: Bastian Wierzioch (Autor, Regisseur, Redakteur)
anschließend wird ca. 22.00 Uhr der Film Sikumoya - Der schwarze Nazi von Tilman und Karl-Friedrich König gezeigt.
Für die Eröffnungsveranstaltung wird kein Eintritt erhoben. Es gibt ein kleines Buffet und unsere Kinobar ist geöffnet.
Mehr Informationen zur Medienwoche unter http://landesfilmdienst-sachsen.de/courageleben/
Veranstaltungsreihe "Studentische Verbindungen"
Oh alte Burschenherrlichkeit, wohin bist Du entschwunden?
Vier Dienstage im November
Di, 19:00 Uhr (2./9./16./23. November)
Friedrich Ebert Stiftung Leipzig // Burgstr. 25
http://kritiklos.blogspot.com
In regelmäßigen Abständen laden die Leipziger Verbindungen zu Partys für „Damen und Gäste“ (Burschenschaft Normanie // Semesterprogram Ws 09/10) ein. So lädt derzeit die Verbindung „Corps Lusatia“ durch Werbetafeln in den Leipziger Trams zu einer „Veni Vidi Vici – Kaiserliche Semesteranfangsparty“ ein. Bei der Burschenschaft Normania gibt es bei Partys schon mal „in passender Klamotte bis zu zwei Getränke frei Haus“. In Leipzig gibt es 6 aktive Burschenschaften, 3 davon sind 'pflichtschlagend', 4 sind Mitglied der Deutschen Burschenschaft die den Wahlspruch „Ehre! Freiheit! Vaterland!“ trägt. Des weiteren gibt es drei Corps die Mitglied im Kösener Senioren Convent sind und viele weitere Verbindungen, wie u.a. Damenschaften, Jagdcorps und Turnerverbindungen.
Doch was verbirgt sich hinter den (Leipziger) Verbindungen – elitäre Klüngelrunden oder partywütige Studierende?! Rechte Männerbünde oder unpolitische Wohngemeinschaften?!
Die Gesprächsreihe „Oh alte Burschenherrlichkeit, wohin bist du entschwunden“ soll diese und viele weitere Fragen klären. Die ersten vier Dienstage stehen renommierten VerbindungskritikerInnen und AutorInnen von Büchern zu studentischen Verbindungen Rede und Antwort
2. November „Zur Geschichte der studentischen Verbindungen“ mit Dietrich Heither
9. November „Herrlich und Dämlich? Geschlechterverständnis in studentischen Verbindungen“ mit Alexandra Kurth
16. November „Schwarz-Rot-Geil – Politische Ideologie studentischer Verbindungen“ mit Jörg Kronauer.
23. November „UNIformiert(e) Elite – Strukturen und Netzwerke studentischer Verbindungen“ mit Stephan Peters.
Mehr Informationen findest du auf unserem Blog http://kritiklos.blogspot.com
Die Veranstaltungen finden mit freundlicher Unterstützung der Friedrich Ebert Stiftung in deren Räumen in der Burgstraße 25 statt. http://www.fes.de/Leipzig/kont_l.htm
03.11. Veranstaltung "Rassismus in Deutschland" mit Mouctar Bah und Fanny-Michaela Reisin
Film & Diskussion "Rassismus in Deutschland"
Mit Mouctar Bah, Träger der Ossietzky-Medaille 2009 und Fanny-Michaela Reisin, Präsidentin Internationale Liga für Menschenrechte
03. November 2010, 19.30 Uhr
Erich-Zeigner-Haus, Zschochersche Straße 21, Leipzig
Eintritt: 5,00 Euro/ 3,00 Euro ermäßigt
„Wer als Schwarzer in diesem Lande zurechtkommen muß, stößt immer wieder an unsichtbare Mauern. (...) Wer sich, wie Mouctar Bah, regelmäßig zu Wort meldet und seinen Rechte einfordert, der lebt unter Umständen noch bedrohter. Weil er nicht nur ins Visier gewaltbereiter Rechtsradikaler rückt, sondern auch noch systematisch von Amts wegen drangsaliert wird.“ Günter Wallraff anläßlich der Ossietzky-Medaillenverleihung
Oury Jalloh, ein afrikanischer Asylbewerber, verbrannte am 07. Januar 2005 in einer deutschen Polizeizelle. Bis heute ist ungeklärt, wieso. Es war einer der größten Skandale der deutschen Polizeigeschichte. Sein Freund Mouctar Bah ließ sich nicht beirren bei der Suche nach der Wahrheit. Zwei Polizisten wurden angeklagt - und dann freigesprochen. Bis heute ist der Fall nicht aufgeklärt, er sorgte international für Schlagzeilen. Mouctar Bah machte weiter, und er machte sich verhasst in Dessau. Besonders bei den Rechten. Für seinen Einsatz erhielt er im Dezember 2009 die Carl von Ossietzky-Medaille.
GlobaLE: Termine für den November
3. November 2010 20:00 Uhr, Selbstverwaltung "Comuna under construction" Schaubühne Lindenfels, 94 min D/A 2010 Regisseure: Dario Azzellini & Oliver Ressler
In den consejos communales entscheiden die BewohnerInnen Venezuelas selbst kollektiv in Versammlungen über viele Belange ihres Umfeldes.
http://www.azzellini.net/
10.November 2010 20:00 Uhr, Gated Communities "Auf der sicheren Seite" Schauburg, 80 min, D 2009, RegisseurInnen: Corinna Wichmann & Lukas Schmid
Gated communities: Enklaven ausgerüstet mit Überwachungskameras und Schlägbäumen sind ein Spiegel des Zustandes unserer heutigen Welt.
http://www.realfictionfilme.de/filme/auf-der-sicheren-seite/index.php
17. November 2010 20:00 Uhr, Grundeinkommen " Designing Society" Cinematheque in der naTo, 30 min, D 2007, Regisseurin: Jördis Heizmann
Sind die aktuellen Sozialen Strukturen in der Lage verschiedene Varianten der Arbeitslosigkeit, zunehmender prekärer Arbeit und Verarmung zu stoppen?
http://www.designing-society.de/
24. November 2010 20:00 Uhr, Fabrikbesetzung "Euzkadi. Die Spur der Reifen" LuRu Kino, Baumwollspinnerei, 99 min D 2009 Regisseur: Michael Enger
Die Gewerkschaft entreißt dem Mutterkonzern Continental nach langem Kampf eine mexikanische Fabrik um diese in Selbstverwaltung neu zu strukturieren.
http://www.germanwatch.org/tw/kwfilm04.htm
Das Programm der globaLE unter: http://www.globale-leipzig.de
04.11. Antirassistische Demonstration
Wir dokumentieren einen Aufruf des Initiativkreises Leipzig:
Angst und Trauer überwinden – Zusammen gegen Rassismus kämpfen
Antirassistische Demonstration am 4. November
Vor wenigen Tagen, in der Nacht zum 24. Oktober, starb unser Freund und Kollege Kamal. Zwei deutsche Rassisten haben den 19-Jährigen vor dem Hauptbahnhof mit einem Messer angegriffen und mehrfach auf ihn eingestochen. Kamal erlag kurze Zeit später im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen. Sie wurden ihm zugefügt, weil ihn seine Mörder nicht für „deutsch“ gehalten haben – Kamal kam aus dem Irak. Wir trauern um ihn. Er ist nunmehr der sechste Mensch, der allein in Leipzig seit 1990 durch nazistisch und rassistisch motivierte Gewalt ums Leben gekommen ist.
Rassismus und Erfahrungen von Ausgrenzung, Diskriminierung und Gewalt sind trauriger Alltag für Migrantinnen und Migranten, auch in Leipzig. Kamal musste für diese Verhältnisse mit seinem Leben bezahlen. So etwas werden wir nicht länger hinnehmen. Deshalb laden wir euch ein, mit uns am Donnerstag, 4. November, lautstark und kraftvoll in der Innenstadt zu demonstrieren. Unsere Aufgabe heißt: Rassismus den Boden entziehen, Rassisten niemals und nirgends gewähren lassen. Unsere Solidarität gilt den Opfern rassistischer Angriffe!
Kommt zur antirassistischen Demonstration:
Angst und Trauer überwinden – Zusammen gegen Rassismus kämpfen
Treff: Donnerstag, 4. November 2010 / 17.30 Uhr / Südplatz
http://initiativkreis.blogsport.de
+++
Am Montag, 1.11. wird es einen Gedenkmarsch zu Ehren von Kamal K. geben.
Dem schliesst sich seine Beerdigung an.
12 Uhr ab Augustusplatz zum Nordfriedhof.
Eingeladen sind alle, die Anteil nehmen wollen.
+++
05.-07.11.: Anti-Bias Workshop mit freien Plätzen für Kurzentschlossene
Vielfalt - Macht - Diskriminierung
Anti-Bias Workshop
Anti-Bias ist ein erfahrungsorientierter Ansatz der Antidiskriminierungsarbeit, der in den USA und in Südafrika entwickelt wurde. Das englische Wort "Bias" bedeutet Voreingenommenheit, Schieflage oder Vorurteil.
Der Ansatz ist dadurch gekennzeichnet, dass er vielfältige Formen von Diskriminierung in den Blick nimmt, z.B. entlang von Merkmalen wie Geschlecht, Herkunft, Aussehen, soziale Schicht, körperlicher und geistiger Gesundheit oder sexueller Orientierung.
In der Auseinandersetzung mit Ungleichheit, Macht und Diskriminierung macht das Anti-Bias-Training emotional begreifbar wie Diskriminierung funktioniert - für diskriminierte und für diskriminierende Personen. Es regt dazu an diese Mechanismen bewusst zu verlernen und Handlungsalternativen zu diskriminierenden Kommunikations- und Interaktionsformen zu entwickeln.
Das Seminar richtet sich an alle, die sich für Diskriminierungsfragen interessieren.
Wann : 5.-7. November (Fr. 17-20h, Sa. 10-18h, So 10-16h)
Seminarleitung: Andrea Bürger und Anne Rohrbach
Teilnahmekosten: regulär: 30 Euro, ermäßigt: 15 Euro,
Förderpreis: 45 Euro
Anmeldung, Rückfragen: Tel. 0341-529 80 27
info@zeok.de
Wo: ZEOK, Dresdner Str. 82, 04317 Leipzig
08.-13.11.2010: Feminism kills! Vorträge zu feministischer Filmkritik
In der Woche vom 08.11. bis zum 13.11. finden in der MONAliesA und der FRAUENKULTUR verschiedene Vorträge und Workshops zu Themen feministischer Filmkritik statt. Informationen zu Workshops etc. auf http://monaliesa.leipzigerinnen.de/filmkritik.html. Eintritt für alle Vorträge: 3 Euro, ermäßigt 1,50.
08.11.2010, 19:00 Uhr, MONAliesA
Verena Stern: Bodies That Splatter. Feministische Anrufungen, Performativität und Körper in Quentin Tarantinos Death Proof
Vortrag & Diskussion
Der US-amerikanische Regisseur Quentin Tarantino, der mit Death Proof einen emanzipatorischen Vorläufer zu seinem Anti-Nazi - Meisterwerk Inglorious Basterds geschaffen hat, inszeniert darin Frauen als Heldinnen, die sich zur Wehr setzen. Diese kämpfen gemeinsam – im Gegensatz zu Kiddo, der Heldin aus seiner vielbeachteten Kill Bill – Saga. Sie bringt als weibliches Pendant zu männlichen Action-Helden als lonesome hero ihren Kampf zu Ende. Diese Lesbarkeit feministischer und emanzipatorischer Elemente hebt Verena Stern in Ihrer Filminterpretation hervor und spürt dem subversivem Potential Quentin Tarantinos Death Proof nach.
09.11.10, 19:00 Uhr, MONAliesA
Manuela Beyer : Shooting (a) Woman – trau keiner Frau mit Gewehr
Vortrag & Diskussion
„Doing Gender“ ist das Schlagwort in der heutigen Geschlechterforschung – Wie wird Geschlecht gemacht, im Alltag, in jeder Situation? Manuela Beyer fragt in ihrem Vortrag, wie Geschlecht im Film gemacht wird. Dabei wird sie nicht nur auf Geschlechterstereotype eingehen, sondern auch erklären, welche subtileren Mittel Filmemachern zur Verfügung stehen, Frauen und Männerrollen zu inszenieren. Den Fokus dabei bilden Westernfilme, die Manuela Beyer hinsichtlich ihrer Geschlechterdarstellung analysiert.
11.11.10, 19:00 Uhr, Frauenkultur
Katharina Klewinghaus: Science of Horror. Wenn die Kettensäge zum Penis wird.
Film
Frauen sind des Horrors Lieblingsopfer, aber auch seine Heldinnen. Die Kettensäge in den Händen des „final girl“ erlaubt einen anderen Blick auf die heterosexuellen Normen westlicher Gesellschaft.
Mit der Dokumentation Science of Horror wird das Horror-Genre zum ersten Mal aus Sicht feministischer Filmkritik im Dialog mit KritikerInnen beleuchtet. Dazu konnte Katharina Klewinghaus die ganz großen Meister des Horrors, wie Wes Craven, John Carpenter sowie die Koryphäen der feministischen Filmkritik gewinnen – darunter sind Carol Clover, Judith Halberstam , Barbara Creed, Rhona Berenstein, Linda Williams und Rachel Talalay.
09.11.: Bündnistreffen: Schluss mit der Hetze von Sarrazin, Seehofer und Co!
Einladung zu einem Bündnistreffen am 9. November 2010 um 19:30 im linxxnet, Bornaische Str. 3d, Leipzig:
Liebe Leute!
Wir finden die sogenannte Integrationsdebatte der letzten Wochen unerträglich. Deshalb laden wir alle zu einem Treffen ein, die auch der Meinung sind, dass man der aktuellen rassistischen Hetze entgegentreten sollte.
Was ist passiert? Ein Bundesbanker hat zum wiederholten Male rassistische und sozialdarwinistische Thesen in die öffentliche Debatte geworfen. Die konservative Presse hat daraus eine Kampagne vor allem gegen Muslime in Deutschland gemacht. Linksliberale Medien ziehen mit und finden Sarrazin habe wichtige Probleme angesprochen (nämlich dass die „Ausländer“ Probleme machen) - nur das mit den Genen ginge zu weit. Der rechte Flügel der Union möchte ein christlich-abendländisches Deutschland und Seehofer Migrant/innen in Zukunft nach „Kulturkreisen“ unterscheiden – und „Türken und Araber“ abweisen. Grüne, FDP und SPD wollen Zuwanderung nach Nützlichkeit mit Punktesystemen steuern. Familienministerin Schröder und andere haben den Begriff des „ethnischen Deutschen“ neu geprägt. Die FAZ ruft zum „Kampf der Deutschenfeindlichkeit“ auf (10.10.2010). Der SPD-Chef sagt: „Wer auf Dauer alle Integrationsangebote ablehnt, der kann ebenso wenig in Deutschland bleiben wie vom Ausland bezahlte Hassprediger in Moscheen.“ Merkel erklärt die multikulturelle Gesellschaft für gescheitert. Schon im September hatte der Bundesinnenminister die Einführung einer Identifikationskarte mit Fingerabdruck für alle in der BRD ansässigen Nicht-EU-Bürger/innen angekündigt. Die Bundesregierung beschließt eine Verschärfung der Überwachung von „Integrationsverweigerern“: die Verweigerung der Teilnahme an „Integrationskursen“ soll zu Abschiebung führen, binationale Ehen unter den Generalverdacht der „Scheinehe“ gestellt werden.
Diesem neuen Ausmaß an Rassismus, menschenfeindlicher Sprache und dem damit zusammenhängenden Abbau fundamentaler Rechte wollen wir entgegentreten.
In der aktuellen „Debatte“ werden soziale Probleme zu ethnisch-kulturellen umdefiniert und diejenigen für schuldig erklärt, die davon betroffen sind. Das Scheitern von Menschen in der Konkurrenz um Arbeitsplätze und in einem selektiven Bildungssystem wird auf ihr persönliches Versagen oder ihre kollektive Unfähigkeit zurückgeführt. Die Armen werden für die Armut, die Arbeitslosen für die Arbeitslosigkeit und die „Ausländer“ für den Rassismus verantwortlich gemacht.
Die politisch-sozialen Konsequenzen dieser Welle sind (un)absehbar. Es drohen Staatsbürgerschaften auf Widerruf, die einen Teil der Passinhaber/innen zu Staatsbürgern/innen 2. Klasse machen. Die scharfen Anfeindungen gegen Menschen mit „Migrationshintergrund“ legitimieren rassistische Gewalt. Die Politik gegen Flüchtlinge an den Grenzen und in den Behörden wird verschärft. Das wachsende Kontrollbedürfnis des Staates trifft alle, mit denen aus Sicht der „Gemeinschaft der Tüchtigen“ etwas nicht in Ordnung ist: Nicht-Deutsche, Undeutsche, Hartz-IV-Empfänger/innen oder streikwillige Gewerkschafter/innen.
Dem setzen wir entgegen:
JedeR soll leben wie er / sie mag, ohne Zwang zur Anpassung an eine Leitkultur!
Die Sortierung von Menschen nach Ethnien und Kulturen oder nach ihrer Nützlichkeit für „die Wirtschaft“ muss ein Ende haben. Stattdessen sollten wir lieber unsere Köpfe sortieren und fragen, wie die Wirtschaft allen Menschen zu einem guten und selbstbestimmten Leben verhelfen kann.
Über die Möglichkeiten von Veranstaltungen bis zu Aktionen auf der Straße wollen wir auf einem Treffen *am 9.11. 2010 um 19:30* im *linxxnet, Bornaische Str. 3d* diskutieren. Kommt alle und unterstützt uns zahlreich!
Eure Initiativgruppe
(E-Mail: initiativgruppe@gmx.de)
P.S.:
Leider überschneidet sich unser Termin mit einem Teil der Gedenkveranstaltungen anläßlich des 72. Jahrestages der Pogromnacht. Wir erachten die Erinnerung an die Opfer des Antisemitismus für wichtig und unterstützenswert und hoffen, dass euch eine Teilnahme an unserem Treffen dennoch möglich ist.
09.11.10: Gedenken an den Stolpersteinen
Auch in diesem Jahr organisiert die Gruppe "Gedenkmarsch" das Projekt "Mahnwache und STOLPERSTEINEputzen" anlässlich des 72. Jahrestags der Pogromnacht.
9. November 2010
- 17:00: Eröffnung der Gedenkaktion an der Gedenkstätte der ehemaligen Synagoge in der Gottschedstraße
- Anschließend wird die Aktion STOLPERSTEINEputzen symbolisch vor dem Haus Dittrichring 13 zum Gedenken an die jüdische Familie Frankenthal im Beisein des Schirmherren Bürgermeister Heiko Rosenthal begonnen, bevor sich die Akteure an die einzelnen Stolpersteine in der Stadt Leipzig begeben und
- von 18:00-18:30 Uhr die gemeinsame Mahnwache und das STOLPERSTEINEputzen an allen Stolpersteinen in Leipzig, Borna, Markkleeberg und Grimma durchführen.
- 19:00 Gedenkveranstaltung der Stadt Leipzig an der ehemaligen Synagoge in der Gottschedstraße
Wir wenden uns entschlossen gegen Antisemitismus und jegliche Form von Rassismus!
Darum: Putzen wir gemeinsam zur Mahnwache alle Stolpersteine und wir entzünden an jedem Stolperstein in den Städten Leipzig, Borna, Markkleeberg und Grimma eine Kerze zur Erinnerung und Mahnung an die Opfer der NS-Diktatur und machen somit die Verbrechen wieder sichtbar! An den ehemaligen Wohnorten verschleppter Jüdinnen und Juden, Sinti und Roma, politisch und konfessionell Verfolgten, Homosexuellen und Euthanasieopfern werden Blumen zum Gedenken an die Opfer niedergelegt.
An dieser Aktion beteiligen sich neben vielen Vereinen, Verbänden, Initiativen und Organisationen auch MandatsträgerInnen aus Stadt, Land und Bund verschiedenster Parteien. Besonders angesprochen sind Schülerinnen und Schüler.
Novembertermine der INEX-Veranstaltungsreihe "Das Ende des Kommunismus"
In ihrer Reihe zur Kritik des Stalinismus hat die Gruppe INEX im November folgende Veranstaltungen im Programm:
»Wie kapitalistisch war der Sozialismus?« mit Rüdiger Mats
Mittwoch 10. November 2010, Uni Leipzig – GWZ, Beethovenstr. 15, Raum 2.010 18:30
»Von der Revolution der Geschlechterordnung zum Mütterchen Russland« mit Bini Adamczak
Mittwoch 17. November 2010, Conne Island, Koburger Str. 3 19:30 Uhr
»Das Ende des Kommunismus« mit Alex Demirović, der Gruppe [pæris] und der Initiative gegen jeden Extremismusbegriff
Dienstag 23. November 2010, Conne Island, Koburger Str. 3 19:30 Uhr
Die Veranstaltungsreihe wird durch den Stura der Uni Leipzig und die Rosa-Luxemburg-Stiftung gefördert. Mehr Informationen zu den einzelnen Veranstaltungen gibt es unter http://www.conne-island.de/nf/180/21.html zu lesen.
15.11.: Vortrag "Der Verdacht des Verdachts - Ethnic Profiling und die Rolle von ethnischer Herkunft und Aussehen in der Polizeiarbeit"
Das Antidiskriminierungsbüro Sachsen lädt Sie/Euch ein zum Vortrag "Der Verdacht des Verdachts - Ethnic Profiling und die Rolle von ethnischer Herkunft und Aussehen in der Polizeiarbeit" am Montag, den 15. November, um 19 Uhr in die Friedrich-Ebert-Stiftung, Burgstraße 25 in Leipzig.
Bahnhof...
...100 Leute steigen aus dem Zug...
...eine Person wird von der Polizei raus gegriffen und kontrolliert.
Wenn Polizist_innen Verdacht schöpfen und sich dabei auf Generalisierungen von Ethnien, nationaler Herkunft oder Religion stützen, wird von „Ethnic“ oder „racial profiling“ gesprochen. Anders als beispielsweise in den USA oder England wird dieses Phänomen in Deutschland kaum debattiert. Zeigt sich hier ein Rassismus des/der einzelnen Polizisten/Polizistin? Handelt die/der einzelne Polizist_in nur aus ihrer Erfahrung heraus? Gibt es in Deutschland eine institutionalisierte Diskriminierung? Welche Erfolge verzeichnet die Polizei? Und welche negativen Nebenwirkungen zeigen sich in der Gesellschaft?
Über diese Art von Polizeikontrollen wurde bisher in Leipzig nicht öffentlich gesprochen. Der Vortrag und die anschließende Diskussion sollen Fragen und möglichen Lösungsansätzen rund um das Thema nachspüren.
Referent: Martin Herrnkind, Diplomkriminologe und Mitglied der Fachkommission Polizeirecherche von Amnesty International
Weitere Informationen zur Veranstaltung und zum Thema "diskriminierende Polizeikontrollen 'Ethnic Profiling'" finden Sie/Ihr hier: http://www.adb-sachsen.de/
Berlin: reflectures 2010 – Alles unter Kontrolle?
reflect! assoziation für politische bildung und gesellschaftsforschung e.V. lädt ein:
Immer mittwochs um 19:00 Uhr vom 27.10. bis 24.11.2010
Ort: Akazie e.V., Friedelstraße 54, D-12047 Berlin
In dieser Veranstaltungsreihe in Kooperation mit der Hellen Panke wollen wir diskutieren, wo und in welchen Bereichen unseres Alltags offensichtlich und versteckt Kontrolle stattfindet. Wie funktioniert diese Kontrolle als neoliberale Zurichtung, wem nutzt sie und was macht sie aus unserer Gesellschaft? Wo und wie können wir uns der Kontrolle entziehen und gegen Disziplinierung aktiv werden? In fünf Abendveranstaltungen diskutieren wir Praxen und Theorien von und gegen Kontrolle und Überwachung.
3. November 2010: Überwachung im Netz, Facebook und linke Politik im Netz?
Gäste: Seminar für angewandte Unsicherheit; Moderation: Silke Meyer, reflect!
10. November 2010: Überwachung am Arbeitsplatz
Gast: Mag Wompel, labournet.de; Moderation: Neelke Wagner, reflect!
17. November 2010: Privatisierung von Risiken und disziplinierende "Selbstverantwortung" im Gesundheitswesen
Gast: Stefanie Graefe, Uni Jena; Moderation: Pia Garske, reflect! und Inga Nüthen
24. November 2010: Außer Kontrolle: Videoüberwachung in der Stadt
Gäste: Seminar für angewandte Unsicherheit und Eric Töpfer, Zentrum Technik und Gesellschaft an der TU Berlin; Moderation: Christian Schröder, reflect!
Mehr Informationen: http://www.reflect-online.org/veranstaltungen/seminare-in-kooperation-mit-rls-helle-panke-2010/reflectures-2010-alles-unter-kontrolle/
05./06.11.: Schicht im Schacht oder Gold für alle? 15. Entwicklungspolitische Konferenz, Freiberg
Anmeldung bis zum 30. Oktober! Per E-Mail unter kontakt@einewelt-sachsen.de
Weitere Infos unter http://www.einewelt-sachsen.de/aktuelles/epk15
Gold für alle – wer fördert und was sollte die Bevölkerung fordern?
Angeschmiert – Erdölabbau - ein Gewinn für alle?
Spannung drin – Lithiumabbau für bessere Lebensbedingungen - Boliviens Chance?
Bereit zuzuhören, zu lernen, zu streiten und die Welt zu verändern?...dann HERZLICH EINGELADEN zur 15. Entwicklungspolitischen Konferenz 2010 im Rahmen der Sächsischen Entwicklungspolitischen Bildungstage (SEBIT) in Freiberg, Geschwister-Scholl-Gymnasium, Geschwister-Scholl-Str. 1
Am Rohstoffgeschäft wird die Verflechtung der weltweiten Ökonomie besonders deutlich. Deutschland ist einer der größten Rohstoffimporteure. Die sogenannten Entwicklungsländer hingegen sind zumeist Rohstoffexporteure. Welche Rahmenbedingungen beiwrken, dass Rohostoffexporte der exportierenden Gesellschaft von Nutzen sind? Woran entfachen sich Konflikte und wie werden diese friedlich gelöst? Welche Konzepte führen zu einer gerechten Nutzung von Rohstoffen? Was müssen Deutschland, Sachsen, die Kommunen und Konsumenten tun, um im Rohstoffverbrauch (und bei der Energieversorgung) ökologisch, sozial und ökonomisch zu handeln?
Weitere Infos und Programm unter http://www.einewelt-sachsen.de/aktuelles/epk15
Berlin: Vorträge in der Reihe "Decentering Europe", HU
Reihe Decentering Europe. Postcolonial, postbloc perspectives for a reflexive European Ethnology am Institut für Europäische Ethnologie der HU Berlin
Europe is literally the creation of the Third World. Frantz Fanon, The Wretched of the Earth, 1963
Nach dem ethnologischen "Turn to Europe" wird diese Vortragsreihe des Institutskolloquiums Europa erneut zur Diskussion stellen: nicht als scheinbar autonomen, selbstreferenziellen Prozess, sondern als Teil - oder "Provinz" - langfristiger globaler Verflechtungen und heutiger Interdependenzen in einer postkolonialen, multipolaren Welt. Welches (andere) Verständnis laufender Projekte der Europäisierung - und ihrer Krisen - lässt sich aus dieser Perspektive gewinnen? Und welche Konsequenzen und Potentiale ergeben sich für eine reflexive Europäische Ethnologie, die damit aufgefordert ist, ihren Gegenstand zu dezentrieren?
Im November finden folgende Veranstaltungen in der Reihe statt:
Dienstag, 2.11.2010, 18-20 Uhr
Nilüfer Göle (Ecole des Hautes Etudes en Sciences Sociales, Paris):
Interpenetrations: Islam-Turkey-Europe
Dienstag, 9.11.2010, 18-20 Uhr
Vassos Argyrou (Dep. of Social Sciences, Hull):
Postcoloniality: Living with the Idea of Europe in Cyprus
Dienstag, 16.11.2010, 18-20 Uhr
Jean Comaroff & John Comaroff (Dep. of Anthropology, Chicago):
Theory from the South: How Europe is Evolving Towards Africa
Dienstag, 23.11.2010, 18-20 Uhr
Keith Hart (Dep. of Anthropology, Goldsmiths, University of London):
Money in the Making of World Society: The Case of the Euro
Dienstag, 30.11.2010, 18-20 Uhr
Projektgruppe "Borderlands of Europe" (Berlin):
Entgrenzung der Grenzen. "Integrated Border Management" im Osten der EU, Film und Präsentation, Diskussion mit Manuela Bojadzijev (Institut für Europäische Ethnologie, Berlin) und Serhat Karakayali (Institut für Soziologie, Halle-Wittenberg)
Ort:
Institut für Europäische Ethnologie
Möhrenstraße 40/41
D -10117 Berlin
3. Stock, Raum 311
Das Programm des weiteren Semesters kann hier heruntergeladen werden.
11.11.10, Halle: Andere Sichtbarkeiten? Queering Hip Hop zwischen Repräsentation und Aneignung
Ein Vortrag in der Reihe "queer einsteigen" (http://queereinsteigen.wordpress.com)
Katharina Morawek (Wien): Andere Sichtbarkeiten? Queering Hip Hop zwischen Repräsentation und Aneignung
Hörsaal XX, Melanchthonianum der MLU Halle (Uniplatz 8/9), 19h.
Public Enemy Rapper Chuck D hat mal gesagt, Hip Hop sei the Black CNN. Nun hat dieses Schwarze CNN nach 30 Jahren Sendezeit zwar spielend die Reichweite des US-amerikanischen Nachrichtensenders überschritten, nicht aber dessen Fähigkeit zum Versprühen gesellschaftlicher Hegemonie. Hip Hop als solcher wird immer wieder für seinen angeblich inhärenten Sexismus und seine Homophobie kritisiert und zwar vor allem von weißen Medien.
Die Folie, vor der die scheinbare heterosexuelle Dominanz in der Hip Hop Kultur gechallenged wurde, war das Thema der Homophobie.
Das Bild vom „sexistischen und homophoben Hip Hop“ ist eng verknüpft mit der Projektion, Kulturen des Hip Hop würden lediglich aus Schwarzen, männlichen, heterosexuellen Körpern bestehen – ein Paradigma, das die Soziologin Tricia Rose als „highly visible commercialized rap“ bezeichnet. Die Matrix, die dieser Wahrnehmung zu Grunde liegt, ist eine des Weiss-Seins, welches die eigene Position innerhalb von Populärkultur nicht hinterfragt. Doch wird das reibungslose Kursieren von mit Hip Hop verbundenen, stereotypen Bildern immer wieder von Hip Hop Artists in Frage gestellt und seit einigen Jahren sogar empfindlich gestört: Hip Hop wird offiziell ge-queert. Dabei kommen Repräsentationsstrategien zum Einsatz, die zwischen Parodie und Selbstbehauptung andere Sichtbarkeiten anstreben.
Der Vortrag wird einige Strategien queerer Artists vorstellen.
Katharina Morawek ist Lehrbeauftragte am Institut für das künstlerische Lehramt an der Akademie der bildenden Künste, Künstlerin und Kunstvermittlerin. Sie lebt und arbeitet in Wien.
05./06.11.2010: Konferenz "Nie wieder Weltmeister?! Alternativen zur exportorientierten Handelspolitik", Berlin
Es laden ein:
EED * Misereor * AbL * AEJ * attac * BDM * BER * BUND* CIR * FIAN * Forum Fairer Handel * Forum Umwelt und Entwicklung * Germanwatch * IG BAU * IG BAU Jugend * INKOTA * KASA * KOSA * NGG * Oxfam * Philippinenbüro im Asienhaus * PowerShift * Südwind * weed * Weltladen Dachverband * Ecofair Trade Dialogue
ORT: Ver.di-Bundesverwaltung, Paula-Thiede-Ufer 10, 10179 Berlin
Komplettes Programm unter folgendem Link: http://www2.weed-online.org/uploads/konferenz_nie_wieder_weltmeister_5.u.6.11.2010.pdf
Wir bitten um Anmeldung bis zum 29. Oktober 2010
Per E-Mail: viola.dannenmaier@power-shift.de <mailto:viola.dannenmaier@power-shift.de>
Fon: +49 (0) 30 27 59 66 44
Fax: +49 (0) 30 27 59 69 28
unter Angabe von: Name, Organisation, Ort, Telefon und E-Mail; Teilnahme am öko-fairen Mittagessen (zum Preis von jeweils ca. 6,- Euro): Fr., 5.11.10 (Ja/Nein); Sa., 6.11.10 (Ja/Nein), Vegetarisch? (Ja/Nein); Teilnahme am Umtrunk (Galerie Zeitzone) am Freitagabend (ab 21.30 Uhr): Ja/Nein.
Sie erhalten keine Anmeldebestätigung.
Feustel/Schochow (Hg.): Zwischen Sprachspiel und Methode. Perspektiven der Diskursanalyse
Robert Feustel, Maximilian Schochow (Hg.): Zwischen Sprachspiel und Methode. Perspektiven der Diskursanalyse. Bielefeld: transcript, September 2010
252 S., kart., 26,80 €
ISBN 978-3-8376-1429-9
Reihe Sozialtheorie
Die Rede vom »Diskurs« gehört mittlerweile zum alltäglichen Sprachgebrauch – und die Diskursanalyse ist zum disziplinübergreifenden Trend mit jeweils fachspezifischen Ausrichtungen geworden.
In den Sozial- und Geisteswissenschaften jedoch ist die »Stabilisierung« der diskursanalytischen Methoden genauso zu hinterfragen wie der Versuch einer Abgrenzung zu anderen Methoden. Die Beiträge dieses Bandes gehen zwei grundlegenden Fragen nach: Inwieweit lässt sich die Diskursanalyse als »Tool« in Bezug auf ihre Anwendungsmöglichkeiten und ihr methodisches Gerüst präzisieren? Und: Welche Anschlussstellen ergeben sich in Hinblick auf andere Konzepte?
Mit Beiträgen von: Robert Feustel, Maximilian Schochow, Hagen Schölzel, Jonas Helbig, Gunther Gebhard, Steffen Schröter, Hermann Kocyba, Matthias Leanza, John Law, Silke van Dyk, Anne Dölemeyer und Mathias Rodatz.
Angermüller/van Dyk (Hg.): Diskursanalyse meets Gouvernementalitätsforschung.
Angermüller, Johannes; Dyk, Silke van (Hg.): Diskursanalyse meets Gouvernementalitätsforschung. Perspektiven auf das Verhältnis von Subjekt, Sprache, Macht und Wissen. Frankfurt am Main; New York: Campus 2010; € 34,90
Diskursanalysen und Gouvernementalitätsstudien werden in den Sozialwissenschaften viel und breit diskutiert, stehen aber trotz ihrer gemeinsamen Referenz auf das Werk Michel Foucaults weitgehend unverbunden nebeneinander. Die Autorinnen und Autoren dieses Bandes erkunden gemeinsame Forschungsfelder, diskutieren die theoretische, methodische und politische Anschlussfähigkeit beider Perspektiven und zeigen auf, wie fruchtbar ein Austausch zwischen Diskursund Gouvernementalitätsforschung sein kann.
Inhalt
Diskursanalyse meets Gouvernementalitätsforschung: Zur Einführung
Silke van Dyk und Johannes Angermüller
Ni méthode, ni approche: Zur Forschungsperspektive der Gouvernementalitätsstudien - mit einem Seitenblick auf Konvergenzen und Divergenzen zur Diskursforschung
Ulrich Bröckling und Susanne Krasmann
Nach der Gouvernementalitätsforschung und jenseits des Poststrukstrukturalismus? Anmerkungen aus Sicht der Wissenssoziologischen Diskursanalyse
Reiner Keller
Widerspenstiger Sinn: Skizze eines diskursanalytischen Forschungsprogramms nach dem Strukturalismus
Johannes Angermüller
Der Bologna-Diskurs: Zur politischen Logik der Konsenstechnokratie
Jens Maeße
Stadtmarketing in der neoliberalen Stadt: Potentiale von Gouvernementalitäts- und Diskursanalyse für die Untersuchung aktueller Prozesse der Stadtentwicklung
Annika Mattissek
Gouvernementalität diskursiver Praktiken: Zur Methodologie der Analyse von Machtverhältnissen am Beispiel einer Maßnahme zur Aktivierung von Erwerbslosen
Marion Ott und Daniel Wrana
Neurogouvernmentality Ahead? Diskursanalytische Untersuchungen am Beispiel des Experimentalsystems Neuropädagogik
Sabine Maasen
Die Regierung des Alter(n)s. Analysen im Spannungsfeld von Diskurs, Dispositiv und Disposition
Tina Denninger, Silke van Dyk, Stephan Lessenich und Anna Richter
Das Optionalisierungsdispositiv. Diskurse und Techniken der Beratung
Boris Traue
Die Dispositivanalyse als Forschungsperspektive: Begrifflich-konzeptionelle Überlegungen zur Analyse gouvernementaler Taktiken und Technologien
Andrea D. Bührmann und Werner Schneider
Effekt, Stützpunkt, Überzähliges? Subjektivität zwischen hegemonialer Rationalität und Eigensinn
Stefanie Graefe
Somatischer Eigensinn? Kritische Anmerkungen zu Diskurs- und Gouvernementalitätsforschung aus subjektivationstheoretischer und praxeologischer Perspektive
Thomas Alkemeyer und Paula-Irene Villa
Konferenzdokumentation "Demokratiegestaltung ohne MigrantInnen? – Mitbestimmung statt Toleranz!" erschienen
Die Dokumentation der Konferenz "Demokratiegestaltung ohne MigrantInnen? - Mitbestimmung statt Toleranz!", die das Netzwerk Tolerantes Sachsen im Juni 2010 ausrichtete, ist erschienen.
Sie beinhaltet die verschiedenen Vorträge, die Ergebnisse der Workshops, das Positionspapier zum sächsischen Integrationskonzept in 6 verschiedenen Sprachen und Auszüge aus den Interviews mit Nabil Yacoub und Dimitrios Ambatielos (zur Verfügung gestellt durch Radio T Chemnitz).
Die Dokumentation ist nur als digitale Version verfügbar und kann auf der Website des Netzwerks Tolerantes Sachsen heruntergeladen werden. Hier der direkte Link zum PDF.