EnWi-Newsletter November 2009

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Zur Kunst der Politik und zur Politik der Kunst

Kunst und Politik? Die Kunst des Politischen

Die Nachwehen des 17.10.09, der erfolgreichen Blockade der versuchten Nazidemonstration in Leipzig, bewegen sich noch durch die Leipziger Öffentlichkeit – und darüber hinaus.

Auch wenn diese Nachwehen nicht nur positiv zu bewerten sind – die Stichworte dazu sind eine vermutliche Verschärfung des allgemeinen (!) Versammlungsgesetzes für Sachsen und die bauchladenhaft aufklappende und wider die gesellschaftlichen Realitäten stehende Debatte über „Extremismus“ – soll hier eine andere Melodie von Veränderung gesungen werden.

Die Demonstrant_innen auf der Blockade haben am 17.10. ein geplantes wie ebenso ungeplantes Kunststück aufgeführt. Sie haben sich das demokratische Recht herausgenommen, ihre Meinung auf die Straße zu bringen und sich nicht von der Ordnung der Gesellschaft durch Polizei und andere Verwalter_innen abschrecken lassen. Und schon gar nicht von den Neonazis selbst.

[... Forsetzung nach dem Inhaltsverzeichnis]


diffusionen.de: new hits on the blog...

Auf dem EnWi-Blog www.diffusionen.de sind wieder einige neue fundierte Nörgeleien erschienen.

  • democracy vs. education?: fragt nach der Rolle von Demokratie in der Erziehung
  • Seit wann ist Blackface OK?: hinterfragt kritisch die Motivationen hinter dem Medienhype um Günter Wallraffs neuen Film "Schwarz auf Weiß" und
  • Alles wieder im Lot bei der LVZ: beschäftigt sich mal wieder mit der Extremismusperspektive der LVZ. Diesmal bezüglich des Naziüberfalls auf Fans des Roten Stern Leipzig in Brandis am 24.10.

Forsetzung des Editorials "Zur Kunst der Politik und zur Politik der Kunst"

[...] Das Politische – in Form der Blockadeaktivist_innen – hat auf der Blockade die Kunst der Überschreitung eingeübt und sich gewaltfrei und friedlich einfach einen Raum für sein Spektakel gegönnt. Besser das Politische hat diesen Raum erobert, zurückgeholt, ja erst konstituiert. Die (noch recht überschaubare) Multitude von Leipziger_innen und anderen Menschen wollte hier die sichtbaren Zeichen in der Öffentlichkeit markieren. Diese Zeichen waren klar gegen Neonazismus, Rassismus, Antisemitismus, Nationalismus und andere reaktionäre Ideen des Politischen gerichtet.

Gegen die Homogenisierungsmaschinene der Neonazis und ihre Weltanschauungen von „Reinheit“ und „Einheit“ hat die Blockade einen temporären, anderen Raum erzeugt: Eine vielfältige, uneinheitliche, (teilweise) unkontrollierbare Menge des Gesellschaftlichen. Es war eben auch ein Fest, ein Tanzen, ein Singen, ein Trommeln, ein Theaterstück.

Auch wenn die Ernsthaftigkeit, die Unsicherheit und auch der Zweifel sicher immer eine (Neben)Rolle gespielt haben – es wurde trotz alledem dieses Kunstwerk erzeugt. Und das war meiner Meinung ein gutes Zeichen, eine lohnenswerte Form der Manifestation des Politischen. Und, die hoffentlich Mut macht, sowohl im Alltag als bei zukünftigen Blockaden der Kunst des (Un)Möglichen ihre Chance zu lassen und Handlungen und Zivilcourage nach sich zieht: ob als Großpuppenspieler_innen, als Köch_innen, als Trommler_innen, als Tänzer_innen oder als Blockierer_innen. Es ist Platz für alle da.

Kurzum: Bert Brecht fragt in dem Film „Kuhle Wampe – oder Wem gehört die Welt?“: „Wessen Straße ist die Straße?“ – Ich denke, die Demonstrant_innen gegen die Neonazis und die gesellschaftlichen Ideologien der Ungleichheit haben ihre Antwort dazu gegeben. Es ist ein schönes, politisches Gesamtkunstwerk geworden.

Politik der Kunst – Kunst und Politik als Spannungsfeld

Eine andere Form der Kunst – nämlich politische Kunst – können wir gerade in Instanbul auf der dortigen Biennale noch bis zum 8.11.09 besichtigen und reflektieren.

Unter dem Motto „What keeps mankind alive?“ – einer Idee aus der Dreigroschenoper von Bert Brecht – fragt das kuratorische Team „WHW – What, How and for Whom“ nach der Geschichte und der Gegenwart zeitgenössischer politischer Kunst in einem internationalen Kontext. Und das in der Global City Istanbul, die selber als ein hybrider politischer Raum zu betrachten ist. Die Biennale dort ist sehr sehens- und die Auseinandersetzung mit dem Spannungsfeld „Kunst“ und „Politik“ vielleicht empfehlenswert. Infos: www.iksv.org

Andere Beispiele politischer Kunst innerhalb des erwähnten Spannungsfeldes waren gerade in Leipzig zu beurteilen. Das Projekt „Gedanken zur Revolution“ lud im Oktober unter dem Motto „Art and Politics“ unter das Dach des Specks Hof. Auch wenn die Ausstellung schon vorbei ist – viele interessante Positionen und Ideen finden sich zur Nachbesichtigung unter: http://www.g-z-r.net/gzr_d/web-content/parts/part_03/03.html.

Eine andere Form der Auseinandersetzung wiederum war die Ausstellung „Embedded Art“, die in der Akademie der Künste in Berlin im Winter dieses Jahres zu besichtigen war. Dort wurde „Kunst im Namen der Sicherheit“ verarbeitet und diskutiert; als ein „interdisziplinäres Kunstprojekt … das sich mit den Veränderungen der Lebenssituation durch die Frage der Sicherheit beschäftigt“ hat.

Dabei war der Zugang zur Ausstellung selber so eingebettet, dass die Teilnehmer_innen von einer Security Person in Schutzweste im wahrsten Sinne des Wortes „geführt“ und bewacht worden sind. Der Blick in den Katalog und auf die Homepage lohnt aber sicherlich auch retrospektiv. Und die Künstler_innengruppe „BBM – Beobachter der Bediener von Maschinen“ (was für ein toller Titel!) wird sicher auch in Zukunft beachtliches zur Debatte stellen. Infos zur Ausstellung noch unter: http://www.embeddedart.de

Kunst und Politik haben also genug Kommunikations- und Anknüpfungspunkte – sie bedürfen ganz einfach einer Sichtbarkeit und genügender Wahrnehmungs- und Zugangsräume. Und diese Räume bieten dann Möglichkeiten für Analysen, Kritiken und der Verständigung über Alternativen des Gesellschaftlichen. „What keeps mankind alive?“ Eine spannende Frage, die wohl aktuell bleiben wird.

Einen diskussions-, ausstellungsreichen, engagierten sowie angenehmen Herbst-Winter-Übergang wünscht Stefan Kausch.

Vortrag mit Dr. Andreas Klärner: Zwischen Militanz und Bürgerlichkeit. Selbstverständnis und Praxis der Extremen Rechten, 21.11.09, 19.30 Uhr

Öffentlicher Vortrag im Rahmen des Workshops "Ordnung.Macht.Extremismus - Effekte und Alternativen des Extremismusbegriffs"

Fremdenfeindliche Gewalttaten gehören heute in vielen Regionen Deutschlands zum Alltag. Auflehnung, Aktivismus und eine gewalttätige Aura sind Kennzeichen der rechten Szene. Zwar wird Rechtsextremismus in der Öffentlichkeit nicht zu Unrecht mit Gewalt assoziiert, jedoch haben sich diese Gruppen in den letzten Jahren verändert. Die Öffentlichkeit ist von diesem Wandel überrascht und verunsichert. Neonazis, die Meinungsfreiheit und Toleranz »für sich« fordern, die überzeugten Demokraten Intoleranz, gar »Faschismus« vorwerfen, passen nicht in die verbreiteten Klischees.

Welche Taktiken wenden Neonazis zur Imagever-besserung an, welche Strategien verfolgen sie? Und wie kann und muss die demokratische Öffentlichkeit mit diesem Wandel des politischen Stils umgehen? Andreas Klärner interessiert, wie sich die Aktionen und Organisationsformen der rechtsextremen Szene verändert haben, wer die Aktivisten sind, welches Selbstverständnis sie prägt und welche Erfolgsaussichten sich daher für diese Form des Rechtsextremismus prognostizieren lassen.

Dr. phil. Andreas Klärner ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Soziologie und Demographie der Uni Rostock.

Infos unter: www.engagiertewissenschaft.de/fkr
Infos zum Workshop unter: www.ordnungmachtextremismus.de

Interview mit Jacques Rancière: DiWe in der aktuellen "kulturrevolution" (Zeitschrift)

Zit. n. Jonas Hock (Projektverantwortlicher): "in der aktuellen kulturrevolution (zeitschrift für angewandte diskurstheorie hrsg. von jürgen link) ist ein interview mit jacques rancière erschienen, das wir übersetzt haben ("volk oder multituden", eine auseinandersetzung rancières mit hardt/negri). die diwe und natürlich die enwi-homepage haben in einer fussnote platz gefunden!

ein altes projekt, das mal im weiteren, mal im engeren dunstkreis der diwe, meist aber schön im hintergrund vor sich hingärte ist tatsächlich zu einem guten ende gekommen: noch ist nix online (http://zeitschrift.kulturrevolution.de) aber wer 20 Euro in papier investieren will - das gibts schon!

CFP: Tagung: Wir sind nie aktiv gewesen. Interpassivität in Theorie und Praxis (Deadline: 01.12.09)

Tagung vom 19. bis 20. Februar 2010 im Veranstaltungsort "naTo", Karl-Liebknecht-Str. 46, 04275 Leipzig

  • Call for Paper Deadline: 01. Dezember 2009
  • Organisation und Inhalt: Robert Feustel M.A. (r.feustel(at)uni-leipzig.de), Nico Koppo M.A. und Hagen Schölzel M.A. (schoelzel(at)uni-leipzig.de)

Üblicherweise wird dem Lachen aus dem Off, das in verschiedenen Fernsehformaten seit einigen Jahren zum Einsatz kommt, die Rolle zugeschrieben, den Zuschauer zum Lachen zu animieren. Robert Pfaller (2000, 2002) und Slavoj Žižek (2000) haben bereits vor einigen Jahren eine andere – eher psychoanalytisch gefärbte – Interpretation des so genannten Dosengelächters vorgeschlagen. Kern des Arguments ist, dass dieses anonyme Lachen quasi „aus der Dose“, also an unserer Stelle lacht. Diese Überlegung ließe sich mühelos auf andere Beispiele übertragen: Welche Funktion übernimmt bspw. ein Denkmal? Besteht seine Aufgabe tatsächlich darin, die Passanten zur aktiven Erinnerung an historische Ereignisse aufzurufen bzw. deren gesellschaftliche Bedeutung zu reaktivieren? Oder handelt es sich eher um eine Installation, die – ganz ähnlich den Gebetsmühlen – an unserer Stelle im Modus der Erinnerung operiert? Allgemeiner formuliert: Ist der zeitgenössische Gemeinplatz einer überall geforderten Interaktivität nicht an vielen Stellen (z.B. im Gedenken) besser als Interpassivtät, als komplexes Projektionsverhalten auf technische Geräte oder andere Medien zu verstehen?

Verschiedene intuitive Beispiele, wie etwa Debatten um die vermeintliche Interaktivität im Web 2.0 oder um Symbol- vs. Realpolitik in der repräsentativen Demokratie, lassen vermuten, dass das Kunstwort Interpassivität seinen Entstehungskontext der Psychologie überschreiten kann und sich an vielen anderen Stellen als operativer Begriff einsetzen lässt. Liegt die Stärke dieser „kleinen Theorie“ (Pias 2000) darin, etablierte Zuschreibungen von Aktion und Interaktion, von Aktivität und Passivität zu unterlaufen und deren mitunter problematische Gegenseite(n) sichtbar werden zu lassen? Oder taugt dieser Terminus bei entsprechender Ausarbeitung dazu, die Dichotomie zwischen aktiv und passiv zu untergraben und allgemeinere Setzungen, die jede Handlung entweder der einen oder der anderen Seite zuweisen, empfindlich zu irritieren? Žižek formuliert in diesem Zusammenhang zwei kritische Gesten, die sich auf zwei gegensätzliche Ausprägungen von Interpassivität beziehen: Im Fall des Dosengelächters müssen wir erkennen, dass nicht wir es sind, die Lachen, sondern dass es (bspw. das technische Gerät) unser Lachen übernimmt. Der umgekehrte Weg spielt eher auf eine untergründige Religiösität an, auf einen interpassiv ausgelagerten Glauben – woran auch immer –, der trotz oder gerade dank dieser Auslagerung weiterhin wirksam bleibt.

Ziel der Tagung ist es, das analytische Potenzial des Begriffs Interpassivität zu schärfen oder ggf. in Frage zu stellen. Die Übersetzung in sozialwissenschaftliche Theorie und Praxis steht dabei ebenso zur Debatte wie die Verwendung von Interpassivität als Analysewerkzeug. Verschiedene kulturelle, soziale und politische Praktiken, die gemeinhin dem Modus der Interaktion zugeschrieben werden, sollen in diesem Kontext in Frage gestellt und geprüft werden.

Mindestens drei thematische Zugriffe sind denkbar:

1. Theorie
Im ersten Teil steht die analytische Schärfe und die theoretische Konturierung des Begriffs Interpassivität zur Debatte. Haben wir es mit einem (kultur-)historisch relativ konstanten Phänomen zu tun (Klageweiber z.B. gibt es schon länger) oder ist Interpassivität ein Modus spätkapitalistischer Gesellschaften? Wie verhält sich deren psychoanalytische Grundierung zu poststrukturalistischen Theorieentwürfen? Und wo liegen die Grenzen und Unschärfen des Konzepts?

2. Anschlüsse
Im Im zweiten Teil gilt es, theoretische Anschlussstellen zu markieren sowie ihre Belastbarkeit auszuloten. Denkbar wären beispielsweise Bezüge zur Kulturtheorie der frühen Frankfurter Schule, zu Subjektivierungstheorien oder zu systemtheoretischen Überlegungen zum Verhältnis von Sozialstruktur und Semantik.

3. Anwendung
Schließlich soll die Operationalisierbarkeit im Mittelpunkt stehen. Welche spezifischen Formen interpassiver Bezugnahme lassen sich in Gesellschaft, Wissenschaft und Kultur finden? Gegenstandsbereiche, in denen die Fruchtbarkeit des Konzepts demonstriert und diskutiert werden könnte, wären beispielsweise: Medien- und Kulturtheorie, Konsumsoziologie, historische Kulturwissenschaft, Demokratietheorie oder Bildungssoziologie.

Die Dauer der Vorträge soll 20 Minuten nicht überschreiten. Für die anschließende Diskussion sind etwa 25 Minuten vorgesehen. Bei Fragen oder für Anregungen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

Abstracts, die den Umfang von einer Seite nicht überschreiten sollten und sich auf die genannten oder verwandte Aspekte beziehen, schicken Sie bitte bis zum 01. Dezember 2009 an die genannten Kontaktadressen.

9. November: Mahnwache und Stolpersteine putzen zum Gedenken an die Reichspogromnacht

Für den Triumph des Bösen reicht es, wenn die Guten nichts tun!
Aufruf: Liebe Bürgerinnen und Bürger, vor mehr als sieben Jahrzehnten brannten in ganz Deutschland - so auch in Leipzig - die Synagogen. Damit begann eine beispiellose Vernichtung von Mitbürgerinnen und Mitbürgern. Auch heute werden erneut Schuldzuweisungen laut und leider oft an Stammtischen wiederholt, wonach "die Anderen", ob MigrantInnen oder Jüdinnen und Juden, an der soziale Schieflage im Land Schuld trügen.

Vergessen wir nie wohin dies führte: Zu millionenfacher Verfolgung, Entrechtung und systematischen Ermordung.

  • 9. November 2009: 17.30 - 18.00 Uhr Mahnwache - Wir machen die Verbrechen wieder sichtbar!

Wir wenden uns entschlossen gegen Antisemitismus, Rassismus und Faschismus!

Darum: Putzen wir gemeinsam zur Mahnwache alle Stolpersteine und wir entzünden an jedem Stolperstein in der Stadt eine Kerzen zur Erinnerung und Mahnung an die Opfer der NS-Diktatur und machen somit die Verbrechen wieder sichtbar! An den ehemaligen Wohnorten verschleppter Jüdinnen und Juden, Sinti und Roma, politisch und konfessionell Verfolgten, Homosexuellen und Euthanasieopfern werden Blumen zum Gedenken an die Opfer niedergelegt.

Kommen auch Sie! Sie wollen mitmachen und somit mit uns gemeinsam ein Zeichen setzen?

Und so einfach geht es:

  1. Stolperstein aus der Liste Mahnwache/Akteure aussuchen, an dem Sie die Mahnwache abhalten möchten.
  2. Sie können die Biografie des Opfers zum Stolperstein unter http://www.stolpersteine-leipzig.de/ nachlesen und ausdrucken.
  3. Senden Sie eine E-Mail an Richard.gauch@web.de mit Namen eines Ansprechpartners, die Nummer des Stolpersteinplatzes aus der Liste, sowie den Namen des Opfers des Stolpersteins. Ihre Kontaktdaten bitte nicht vergessen! (Tel. Nr. wenn möglich.)
  4. Sie werden dann über die Eintragung, in die Liste der Akteure zur Aktion per E- Mail informiert.

Aktuelle Liste: http://www.leipzig-gedenkt.de/gruppeleipzig/index.php?option=com_eventtableedit&view=default&Itemid=70

Ein Gemeinschaftsprojekt von: Gruppe "Gedenkmarsch für die Opfer der Todesmärsche 1945" Leipzig u. Wurzen, Friedenszentrum e.V. Leipzig, Friedensweg e.V. Leipzig und VVN-BdA Leipzig.

Weitere Informationen zu der Gedenkaktion und den Gedenkveranstaltungen finden Sie unter www.leipzig-gedenkt.de

Lesung: "Kindertransport nach England [...]", 02.11.09, 19 Uhr

Buchvorstellung, Lesung und Gespräch: »Kindertransport nach England! Er war doch nur ein neunjähriger Junge«
Mit dem Autoren Richard Gauch und Torsten Schleip, Leipzig Lesung Tanja Grobitzsch in Zusammenarbeit mit dem Friedenszentrum Leipzig e. V. und Friedensweg e. V. Leipzig

Podiumsdiskussion: Heim vs. Wohnung, 02.11.09, 19 Uhr

Der Initiativkreis für die Integration von AsyllbewerberInnen in Leipzig lädt herzlich zur Podiumsdiskussion am Montag, 02. November um 19.00 Uhr mit dem Titel "Handlungsspielräume kommunaler Politik hinsichtlich der dezentralen Unterbringung von AsylbewerberInnen" in die Veranstaltungstonne der Moritzbastei, Universitätstraße 9, 04109 Leipzig, ein. Im Mittelpunkt der Diskussion steht die Frage, welche Handlungs- und Gestaltungsspielräume die Stadt Leipzig bei der Unterbringung von Asylsuchenden und Geduldeten hat. Die Teilnehmenden auf dem Podium sind der Bürgermeister für Jugend, Soziales, Gesundheit und Schule Prof. Dr. Thomas Fabian, Rechtsanwalt Stefan Costabel, Farzin Akbari Kenari vom Flüchtlingsrat Leipzig sowie Rita Schilling von Flüchtlingsrat Leverkusen. Doris Liebscher vom Antidiskriminierungsbüro Sachsen moderiert die Veranstaltung.

Hintergrund der Podiumsdiskussion ist die umstrittene Entscheidung des Leipziger Stadtrates (vom 17. Juni 2009), in der Wodanstraße eine neue Sammelunterkunft in Systembauweise (Container) zu errichten und damit zusammenhängend die Asylbewerberheime in der Lilienstraße und der Torgauer Straße zu schließen. Es ist zu befürchten, dass die physischen, psychischen und sozialen Folgen für die Betroffenen ansteigen werden. Zumal die neue Unterkunft eine Verschlechterung und keine Verbesserung der Lebensbedingungen darstellt. Die neue Unterkunft soll am Rand der Stadt Leipzig erbaut werden, fernab von sozialer Infrastruktur und Wohngebieten. Zudem wird den zukünftigen BewohnerInnen keine ausreichende Privatsphäre gewährt, jeder Person werden lediglich 6m2 Wohnfläche in einem Mehrbettzimmer zugesprochen.

Das sächsische Flüchtlingsaufnahmegesetz sieht die Unterbringung in Sammelunterkünften nicht zwingend vor - privates Wohnen ist prinzipiell zulässig, wird in Leipzig jedoch nur teilweise praktiziert. In der Veranstaltung sollen die tatsächlichen Spielräume der Stadt erörtet werden. Es gibt viele Beispiele aus anderen Städten die zeigen, dass eine dezentrale Unterbringung von Flüchtlingen möglich ist, wenn der Wille vorhanden ist.

Initiativkreis Integration initiativkreis-leipzig@web.de http://initiativkreisintegration.blogsport.de

Cfp: Conference: English and German Nationalist and anti-Semitic Discourse, deadline: 15.1.09

  • 10 to 11 September 2010 in London, UK
  • Organized by: Queen Mary, University of London Deadline for abstracts/proposals: 15 January 2010

Abstracts are invited on topics in the analysis of pre-1945 nationalist, colonialist or anti-Semitic discourse. The conference hopes to foster debate on points of contact between linguistic and historical analyses of ideological discourse.

Contact name: Dr Stefan Baumgarten
Website: http://www.sllf.qmul.ac.uk/research/nationalismproject

Modernism After Postmodernism: Is there a future beyond capitalist realism?, 11.11.09, London

  • November 11th 2009, 2:00pm - 5:00pm
  • UEL Docklands Campus, Room EB.1.01
  • Free, All welcome

Has the idea of ‘postmodernism’ left any legacy but that of a generalised capitulation to the demands of liberal capitalism? What can contemporary urbanism learn from the era of unabashed ‘militant modernism’? Is the most controversial living philosopher, Alain Badiou, with his radical re-conceptualisation of Truth, Event and Subject, to be understood as advocating a neo-modernist programme, or something quite different? Can there be any progressive radicalism that does not ultimately embrace the revolutionising logic of modernism?

Speakers:

Mark Fisher: Capitalist Realism, or the Political-Economic Logic Of Postmodernism
Mark Fisher teaches at UEL, the City Lit and Goldsmiths and is the author of Capitalist Realism (Zer0, 2009)

Nina Power: Is Badiou a Modernist?
Nina Power is a Senior Lecturer in Philosophy at Roehampton University and the author of One-Dimensional Woman (Zer0), 2009)

Owen Hatherley: They Are Rebuilding The City, Always: Regeneration now and its post- war predecessors
Owen Hatherley is a freelance writer, a researcher at Birkbeck and author of Militant Modernism (Zer0 2009)

Jeremy Gilbert: New Times Again: Legacies of Left Postmodernism
Jeremy Gilbert teaches at UEL and is the author of Anticapitalism and Culture (Berg 2008)

Vortrag: "Macht, Geschichte und Kritik", 9.11.09, Halle/S.

  • Vortrag von Martin Saar (Frankfurt/M.)
  • Thema: Macht, Geschichte und Kritik
  • Ort und Zeit: Mo, 9.11., 18.00 h, Melanchthonianum, HS XVII, Universitätsplatz, Halle/Saale

Dr. Martin Saar ist wissenschaftlicher Assistent am Institut für Politikwissenschaft der Johann Wolfgang Goethe- Universität Frankfurt am Main, zuletzt erschienen: Genealogie als Kritik. Geschichte und Theorie des Subjekts nach Nietzsche und Foucault. Frankfurt a.M./NewYork 2007; Sozialphilosophie und Kritik, mit Rainer Forst, Martin Hartmann, Rahel Jaeggi, Frankfurt/M.2009.

Den Naziaufmarsch am 7. November 2009 in Halle stoppen!, 7.11.09, Halle/S.

Für den 7. November 2009 haben die "Jungen Nationaldemokraten" (die Jugendorganisation der NPD), in der Stadt Halle zum zweiten Mal in diesem Jahr einen Aufzug angemeldet. Unter dem Motto „20 Jahre Mauerfall – Wir sind das Volk!“ wollen die Neonazis bewusst an die demokratischen Ereignisse des Herbstes anknüpfen, um sie in den Dienst ihrer undemokratischen Sache stellen.

Dazu rufen zwei Homepages und dahinter stehende Initiativen zu Gegenaktivitäten auf.

1. AUFRUF zur DEMONSTRATION gegen NEONAZISTISCHEN GESCHICHTSMISSBRAUCH

Unter Koordination der Initiative Zivilcourage Halle haben sich unterschiedliche zivilgesellschaftliche Akteure der Stadt zusammen gefunden, um mit Informationsständen, Kundgebungen und Demonstrationen am 7.11. 2009 eindeutig zu zeigen, dass Aufmärsche von Neonazis und Rechtextremisten in unserer Stadt unerwünscht sind.

Diese Gruppen haben einen Aufruf entwickelt, der unterschrieben werden kann!

Aus dem Aufruf:

"DESHALB BEKUNDEN WIR: In Wort und Schrift, in ihrem Auftreten und ihren Symbolen lassen die Neonazis keinen Zweifel daran, dass sie die Demokratie ablehnen und abschaffen wollen. Ihr Versuch, sich als legitime Nachlassverwalter der ostdeutschen Demokratiebewegung darzustellen, weisen wir zurück. Neonazis bleiben – auch wenn sie anderes behaupten – rassistisch, antisemitisch und antidemokratisch!

DESHALB FORDERN WIR SIE AUF: Reihen Sie sich ein, liebe Hallenserinnen und Hallenser, und demonstrieren Sie für ein demokratisches und tolerantes Miteinander in unserer Stadt. 1989 zeigte es: Wir, die Bürgerinnen und Bürger, sind selbst verantwortlich für die Stadt und die Gesellschaft, in der wir leben!"

Unterstützungserklärung (mit Angabe der genaueren Bezeichnung der Person/Organisation/Institution) bitte per email an iz@friedenskreis-halle.de. Die jeweils aktuelle Unterstützerliste und weitere

Informationen finden Sie unter: www.izhalle.de.

2. Spiel's Noch Einmal, Sam! Den Naziaufmarsch am 7. November 2009 in Halle stoppen!

Aus dem Aufruf antifaschister Gruppen: "Wer hätte das gedacht: Nicht einmal fünf Monate, nachdem die Witzfiguren der halleschen Jungen Nationaldemokraten (JN) und ihr dumpfbackiger Anhang am 17.Juni mit einer Klatsche nach Hause geschickt wurden, wollen sie sich am 7.November erneut vor Provinzfotografen, entnervten Polizeibeamten und den Kameras des MDR-Fernsehens lächerlich machen.

Warum die Nazis diesmal demonstrieren ist dabei so egal wie beliebig. Ob sie gegen so genannte "Kinderschänder" agitieren, sich über "linke Gewalt" ereifern, sich für die Rettung von Pelztieren nackt ausziehen, von der Volksrevolution 1989 halluzinieren oder sich mit dem Kampf der Hamas gegen Israel solidarisieren: Es spielt keine Rolle. Das Denken eines Nazis ist Wahn; auf Motivsuche zu gehen ist so überflüssig wie der Tritt in einen Hundehaufen.

Und doch macht es Sinn, gegen die berufsdeutschen Hampelmänner aktiv zu werden. Aus einem einfachen Grund: Noch der lächerlichste Nazi ist schlicht und einfach eine Gefahr für jeden, der sich zur falschen Zeit am falschen Ort befindet und aus welchen Gründen auch immer in sein ausgeprägtes Feindbild passt. Und auch wenn Halle sicherlich nicht als Hochburg organisierten Nazitums gelten kann, es ist einfach richtig, ihnen ihre öffentlichen Darbietungen - seien sie noch so peinlich - zu vermiesen. Was zwar deren Größenwahn nicht heilen wird, uns aber zumindest etwas bessere Laune verschafft.

Es kann bei genauerer Betrachtung der Naziaufmärsche der letzten Jahre in Halle nur eine Begründung für den neuerlichen Auflauf geben: Sie glauben, sie hätten nichts mehr zu verlieren. Es gilt, ihnen diesen Zahn möglichst schmerzhaft zu ziehen. Oder, wie wir es beim letzten Mal formuliert haben: Man muss den Trotteln ihre Auftritte versauen, um sich danach wieder ungestört der Kritik der Verhältnisse widmen oder einfach nur in Ruhe ein Bier trinken zu können. Also: Spiel's noch einmal, Sam! Antifaschistische Gruppen Halle (10/2009)

Infos unter: http://www.nonazisinhalle.tk

Buch: "Antonome Nationalisten"

  • Jürgen Peters & Christoph Schulze (Hg.) (2009): "Autonome Nationalisten", unrast.
  • ISBN 978-3-89771-101-3 | Taschenbuchformat 72 Seiten | 7.80 EUR [D]

Die Modernisierung neofaschistischer Jugendkultur

Ein »Schwarzer Block«, Basecaps, dunkle Kleidung und Parolen wie »Fight the system!« - die Verwirrung ist groß, seitdem vor einigen Jahren erstmals »Autonome Nationalisten« (AN) auf Neonazi-Aufmärschen zu beobachten waren. Es handelt sich um eine Strömung in der militanten Neonaziszene, die sich diverser Symbole, Codes und Sprachformen bedient, die bisher in der Linken verortet waren. Das Buch nimmt Entstehungsgeschichte, Ideologie, politische Praxis, Habitus und Selbstverständnis der AN unter die Lupe und beleuchtet ihr Verhältnis zu anderen Organisationen der extremen Rechten

http://www.unrast-verlag.de/unrast,3,0,556.html

8 Post-Doc Stellen am Center for Area Studies, Leipzig. deadline: 25.11.09

The Centre for Area Studies invites applications for 8 positions for post-docs (researcher, TV-L 13) for a period of 4 years. The recently founded CAS focuses on the ways in which different world regions react to challenges of increasing global connectedness. The CAS invites applications for projects that take a comparative approach to analysing political and cultural changes in a globalising world since the late 18th century.

Main research fields include: Popular culture and globalisation in East Asia; Migration flows and commodity chains; Political organisation beyond statehood in Latin America and Eastern Europe; Forms of macro-regional integration in the Islamic World; South Asia and Latin America in International Organisations; Colonialism and postcolonial orders in Africa and Asia; the spatial turn and its impact on area studies.

Prerequisites

  • doctoral degree in either an area study or in a social science or humanities subject with particular focus on the area to be investigated
  • an excellent record of publications
  • Willingness to engage in a highly interdisciplinary collaborative research centre
  • a 1000-word project proposal fitting into the general research programme of the Centre (see for a detailed description www.uni-leipzig.de/cas)
  • Proof of Proficiency in English and in main languages used in the regions under investigation.

Please send an application (CV, copies of degree certificates, proof of language proficiency, two letters of reference, a declaration of interest and the project proposal by November, 25, 2009 (postal date) to

Prof. Dr. Matthias Middell, Director of CAS
Emil-Fuchs-Straße 1, 04105 Leipzig
Email: cas@uni-leipzig.de

Infos: http://www.sept.uni-leipzig.de/fileadmin/cas/Stellenausschreibung_CAS_8_postdocs.pdf