EnWi-Newsletter Mai 2011

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Liebe EnWi-Interessierte,

am Tag als Osama Bin Laden starb kommt auch der EnWi-Newsletter für den Monat Mai zu euch. In passender Ironie findet eine Veranstaltung des Salon Surveillance zur 10. Jährung der Anschläge vom 11. September statt, die die Entwicklung der Menschenrechte in Zeiten des Terrors beleuchtet. Den Rest findet selbst heraus. Wir wünschen viel Spaß beim lesen.


DO 26.05. Salon Surveillance: 10 Jahre 9/11- Menschenrechte in Zeiten des Terrors

Mit Dr. Rolf Gössner 
(Vizepräsident der Internationalen Liga für Menschenrechte)

  • Donnerstag, 26. Mai 2011, 19 Uhr
  • HALLE 14, Leipziger Baumwollspinnerei, Spinnereistr. 7, 04179 Leipzig

Nach den Terroranschlägen in den USA vom 11.9.2001 übertrafen sich Parteien und Sicherheitspolitiker_innen gegenseitig mit Gesetzesvorschlägen, die der Sicherheit der Bürger_innen dienen sollen, aber mit Sicherheit ihre Freiheitsrechte einschränken. 2002 sind die "Antiterror"-Pakete in Kraft getreten. Mit diesen Gesetzesverschärfungen wurden u.a. Polizei- und Geheimdienst-Befugnisse ausgeweitet, Sicherheitsüberprüfungen von Arbeitnehmer_innen auf "lebens- und verteidigungswichtige Betriebe" ausgedehnt, "biometrische Daten" in Ausweispapieren erfasst, Migrant_innen unter Generalverdacht gestellt und einer noch intensiveren Überwachung unterzogen. Verdachtslose Vorratsspeicherung von Telekommunikationsdaten und heimliche Online-Durchsuchungen von Computern kamen hinzu.

Rolf Gössner wird nach zehn Jahren staatlichem Antiterrorkampf Bilanz darüber ziehen, was sich seit 9/11 im Namen der Sicherheit verändert hat und erläutert diesen Prozess der Entgrenzung staatlicher Macht, der Militarisierung der „Inneren Sicherheit“, der Zentralisierung und Vernetzung aller Sicherheitsbehörden - und er zeigt die fatalen Konsequenzen dieser Entwicklung auf: für alle, für politisch Aktive, für Beschäftigte und besonders für Migrant_innen.

Dr. Rolf Gössner ist Rechtsanwalt, Publizist und parlamentarischer Berater. Vizepräsident der „Internationalen Liga für Menschenrechte“, Mitherausgeber des „Grundrechte-Reports“, Mitglied der Jury zur Verleihung des Negativpreises „BigBrotherAward“ sowie Autor zahlreicher Bücher zu „Innerer Sicherheit“ und Bürgerrechten, zuletzt: „MENSCHENRECHTE IN ZEITEN DES TERRORS. Kollateralschäden an der ‚Heimatfront’“, Hamburg 2007. www.rolf-goessner.de

REIHE SALON SURVEILLANCE Informationen: www.engagiertewissenschaft.de/salonsurveillance

Kontakt:salon@freenet.de

In Kooperation mit Weiterdenken – Heinrich Böll Stiftung Sachsen, Engagierte Wissenschaft e.V. und HALLE 14.

Buchankündigung: Ordnung.Macht.Extremismus erscheint im Juni

Forum für kritische Rechtsextremismusforschung (Hrsg.):
Ordnung.Macht.Extremismus. Effekte und Alternativen des Extremismusmodells

VS Verlag, Juni 2011. ca. 320 Seiten. Broschur. EUR 29,95 ISBN 978-3-531-17998-8

Bestimmte Formen politischer Devianz werden wissenschaftlich und umgangssprachlich regelmäßig als „extremistisch“ bezeichnet. Diese Appellationen haben prinzipiell sowohl einen normativen als auch einen deskriptiven Charakter. Ihre Funktion liegt in der formalistischen Konstruktion eindeutiger politischer Feinde. Demokratietheoretisch ist diese Funktion problematisch: In der normativen Dimension des Begriffs werden die Kriterien zur Konstruktion dieser Feinde und in der Folge die als „extremistisch“ definierten und notwendig als organisierte/personifizierte Weltbilder konstruierten Positionen der politischen Verhandlung entzogen. Gleichzeitig werden in der deskriptiven Dimension des Begriffs undemokratische Einstellungen (bspw. latenter Rassismus) und Strukturen (bspw. institutioneller Rassismus) systematisch übersehen, weil sie im Extremismus-Modell weder als Feinde fungieren können, noch in der „demokratischen Mitte“ denkbar sind. Der Sammelband fokussiert diese und andere Effekte des Extremismus-Begriffs. Die Beiträge verhandeln Geschichte, Praxis und Alternativen der politischen Semantik des „Extremismus“ aus einer interdisziplinären Perspektive.

Ankündigung und Inhaltsverzeichnis sind hier zu finden.

Wer uns unterstützen möchte, kauft direkt bei uns. Vorbestellungen sind über das Forum für kritische Rechtsextremismusforschung möglich!

04.05.11 Tunesien, Ägypten, Libyen: Immer nur "Demokratie gegen Diktatur?"

Mittwoch, 04.05.2011, 18.00 Uhr, HS 20, Hörsaalgebäude, Universitätsstraße 3

Der Aufstand in Libyen erfreut sich von Anfang an westlicher Sympathien, genießt doch der libysche Staatschef im Westen ohnehin den Ruf eines wahlweise „terroristischen“ oder einfach nur „verrückten“ „Diktators“, der mit seiner inneren und äußeren Politik sowie seiner „undiplomatischen“ Attitüde immer schon und noch immer ein „unberechenbarer“ Störenfried „unserer“ Ordnung war und ist. Der Aufstand gegen ihn muss unterstützt, Gaddafi gestürzt werden, darüber ist man sich schnell einig. Warum aber brauchten im Falle Tunesiens und Ägyptens europäische und amerikanische Politik und Öffentlichkeit ein paar Tage, ja Wochen, bis sie ihre Parteilichkeit sortiert hatten? Waren Ben Ali und Mubarak etwa keine „Alleinherrscher“?

Wenn man dieselben Maßstäbe wie an Gaddafi anlegen würde, aber immer! Bloß in den Jahrzehnten ihrer Herrschaft fielen nie solche Töne. Von ihnen wurde immer höflich als „Präsidenten“ berichtet, hier fiel nie der hässliche Vorwurf „Machthaber“ oder gar „Diktator“. Und warum? Weil diese beiden mittlerweile davongejagten Staatschefs immer als zuverlässige Verbündete der westlichen Staaten regiert, als „Anker der Stabilität“ in einer „unruhigen“ Region alle antiwestlichen – und speziell im Falle Mubaraks auch antiisraelischen – Bestrebungen mit wenig zimperlicher Staatsgewalt unter Kontrolle gehalten oder eliminiert haben. Deren Herrschaftsmethoden sind daher nie „terroristisch“, ihr Auftreten nie „verrückt“ genannt worden. Und ihre Politik war „berechenbar“, weil fest an den Interessen der westlichen Staaten orientiert.

Den Rest der Beschreibung findet ihr hier.

8. Mai 2011 - 66. Jahrestag vom deutschen Faschismus und Krieg und Protesttag gegen das Nazi-Zentrum in Lindenau

Wie im vergangenen Jahr veranstaltet ein zivilgesellschaftliches Bündnis anlässlich des Jahrestags der Befreiung vom deutschen Faschismus am 8. Mai einen Protesttag gegen das Nazi-Zentrum in Lindenau. Dazu gehören eine Demonstration, die 15 Uhr am Lindenauer Markt beginnt und u.a. durch die Odermannstraße mit dem dortigen NPD-Zentrum zurück zum Lindenauer Markt führt. Dort findet von 14 bis 17 Uhr eine Kundgebung mit Workshops, Kultur und Musik statt..

Der Aufruf des Bündnis 8. Mai wird u.a. vom Forum für kritische Rechtsextremismusforschung (FKR) unterstützt. Hier der Aufruftext:

66. Jahrestag der Befreiung vom deutschen Faschismus und Krieg

Protesttag gegen das Nazi-Zentrum in Lindenau


Vor 66 Jahren erlebte die Menschheit am 8. Mai 1945 die endgültige Befreiung von der Nazi-
Herrschaft.

Es waren vor allem die Angehörigen der Streitkräfte der Alliierten, der Sowjetunion, der
USA, Großbritanniens und Frankreichs, wie auch zahlreiche Partisan/innen und
Widerstandskämpfer/innen, welche den Sieg über das nationalsozialistische Deutschland
möglich machten.

An diesem Tag wollen wir der Opfer des Holocaust und der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft aktiv gedenken.

Aufruf zum aktiven Handeln am 8. Mai 2011

Seit 2009 entwickelt sich die Odermannstraße 8 zum Dreh- und Angelpunkt der hiesigen
Naziszene. Mit dem Gedenken an den 8. Mai 1945 positionieren wir uns gegen jegliche Form
von menschenverachtenden Einstellungen und fordern:

„Schließung des Nazi-Zentrums in der Odermannstraße!“

Dem verleihen wir mit Demonstration und Kundgebung Ausdruck. Die gemeinsame Losung aller Antifaschist/innen war damals und ist heute „Nie wieder!“

Erstunterzeichner_innen:

Edda Möller (Courage e.V. Leipzig), Frank Kimmerle (Erich-Zeigner-Haus e.V. Leipzig),
Daniela Kolbe (MdB / SPD), Dr. Volker Külow (MdL / DIE LINKE), Monika Lazar ( MdB /
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN), Petra Weißfuß (AG Soziale Politik / DIE LINKE, Leipzig),
Dirk Panter (MdL / SPD), Richard Gauch (Gruppe „Gedenkmarsch“ Leipzig), Jürgen Kasek
(Vorstandssprecher BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN KV Leipzig), Ulf-Peter Graslaub
(Vorsitzender Stadtbezirksverband Alt-West, DIE LINKE), Gernot Borriss, Thomas-
Friedrich Naumann (Stadtbezirksbeirat Alt-West, DIE LINKE), Constanze Krehl (Mitglied
des Europäischen Parlaments, SPD), Lorenz Bücklein (demokratiepolitischer Sprecher
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN), Eva Brackelmann (Stadtbezirksbeirätin Alt-West, DIE
LINKE), Clemens Naumann (SPD-Ortsverein Leipzig-Mitte), Bernd Günther (Vorsitzender
DGB-Region Leipzig Nordsachsen), Pia Witte (Stadträtin, DIE LINKE), Martin Heering
(SPD Ortsverein Leipzig-Südwest), Philipp Räder (Jusos Leipzig), Christa Hohnstein
(Basisvorsitzende Neulindenau, DIE LINKE), Attac Leipzig, Rita Adahchour
(Stadtbezirksbeirätin Alt-West, DIE LINKE), Leila Schilow (Netzwerk für Demokratie und
Courage Leipzig), Steffi Deutschmann (DIE LINKE AG „ Frieden und Gedenken „),
Sebastian Stock (Initiative Flüchtlingsheim Grünau), Martina Schneider
(Stadtbezirksvorsitzende Südwest, DIE LINKE)

03.05.2011 Diskussion: Die Ukraine als migrantisch genutztes Transitland

03.05.2011 Diskussionsveranstaltung, 20:00 Uhr, Leipzig Zo11e, Zollschuppenstr. 11

Mit den revolutionären Umwälzungen in Nordafrika ist die irreguläre Migration über das Mittelmeer mal wieder zum großen Thema der europäischen Politik geworden. Weit weniger bekannt ist, dass auch über den Osten Europas tausende MigrantInnen versuchen nach Europa zu gelangen. Aufgrund ihrer geographischen Lage spielt die Ukraine hier eine herausragende Rolle. Marc Speer vom Border Monitoring Project Ukraine wird in seinem Vortrag darüber informieren, wie sich die Realität von TransitmigrantInnen in der Ukraine darstellt, die dort im Sinne einer "Entschleunigung " ihrer Migrationsprojekte zum Teil jahrelang festsitzen. Weiterhin wird es um die Rolle der Europäischen Union beim Aufbau eines Migrationsregimes in der Ukraine gehen, wobei zwei transnationale Agenturen von besonderem Interesse sind: Die International Organization for Migration (IOM) und das weit weniger bekannte International Centre for Migration Policy Development (ICMPD), die in der Ukraine diverse Projekte umsetzten, von der angeblichen "Hilfe für Opfer von Menschenhandel" bis zum Aufbau neuer, EU-finanzierter Flüchtlingsknäste.

28. April – 26. Mai 2011: Symposiumwochen AbArbeit

Die Arbeitsgruppe Arbeit lädt Freundinnen und Freunde der Arbeit, der Arbeitskritik, der Muße, der kreativen und engagierten Betriebsamkeit, der Selbstverwirklichung, der Kritik an der Selbstverwirklichungsideologie, des engagierten subversiven Tätigseins, des Scheiterns am Selbigen ein zur ABARBEIT

Die verschiedenen Veranstaltungen von Vortrag über Diskussion bis Film findet ihr hier.

04.05.2011 Veranstaltung zur Schrift "Der kommende Aufstand"

04.05.2011 19:00 Uhr Diskussionsveranstaltung,
GWZ, HS 2010, Beethovenstr. 15

Die Schrift „Der kommende Aufstand“ löste in Deutschland und Frankreich unterschiedliche Reaktionen aus. Während in Deutschland vor allem die Feuilletons der Zeitungen Inhalt und Botschaft der Schrift diskutierten, kam es in Frankreich auch zu repressiven Schritten gegen das anonyme Autor_innenkollektiv.

Die Schrift eines „Unsichtbaren Komitees“ nimmt die Unruhen in den französischen Vorstädten aus dem Jahr 2005 zum Anlass, Zustand und Wirkung der kapitalistischen und staatlichen Verhältnisse zu beschreiben. Das Buch unterteilt sich in einen analytischen ersten und einen strategischen zweiten Teil. Während zunächst die Auswirkungen moderner Arbeitswelten, menschlicher Beziehungen und der Verwaltung und Kontrolle durch den Staat besprochen werden, bezieht sich der zweite Teil des Buches auf die Frage nach dem Ausweg aus den herrschenden Verhältnissen. Die Schrift vertritt dabei die These, dass die moderne Zivilisation nicht in einer Krise steckt, sondern dass die herrschenden Verhältnisse selbst bereits die Krise sind. Im Rahmen der Veranstaltung soll Analyse und Strategie des Buches kritisch und kontrovers besprochen werden. Wir wollen damit sowohl der Frage nachgehen, in wie fern die Aussagen des „Unsichtbaren Komitees“ zutreffen, als auch kritisch mit den Forderungen der AutorInnen nach autonomen Kommunen umgehen.

Referent_innen: Vetreter_in TOP B3RLIN; Vetreter_in 1.Mai Bündnis Leipzig; Frank Engster

09.05.2011 Bamako-Dakar-Karawane: Reisebericht, Film & Debatte

Am 09.05. findet im Casablanca/Bäckerei Josephstr. 12 folgende Veranstaltung statt:

Bamako-Dakar-Karawane: Reisebericht, Film & Debatte
mit Riadh Ben Ammar (NoLager Mecklenburg-Vorpommern) und Franzis Binder (NoLager Bremen)

Tausende Menschen sterben jedes Jahr beim Versuch nach Europa zu gelangen, die Außengrenze wird mehr und mehr militärisch abgeriegelt, unter anderem durch die Grenzschutzagentur Frontex
Unter dem Motto „Für Bewegungsfreiheit und gerechte Entwicklung“ sind zwischen dem 25. Januar und dem 11. Februar bis zu 500 AktivistInnen von der malischen Hauptstadt Bamako zum 11. Weltsozialforum in Dakar gezogen. Neben einem Bericht von der Reise wird es – mit Blick auf den Film – auch darum gehen, wie in Afrika das Spannungsverhältnis zwischen Migration und Entwicklung diskutiert wird. Anschließend wird Raum und Zeit sein, gemeinsam über Ziele, Ergebnisse und zukünftige Aktivitäten des Netzwerks Afrique-Europe-Interact ins Gespräch zu kommen.

Essen für Alle ab 19 Uhr und Beginn der Veranstaltung: 20 Uhr

Klima und Energie Camp 2011

Das Klimachaos scheint nicht mehr aufzuhalten zu sein: Mit extremen Wetterverhältnissen, der Versteppung ganzer Regionen, dem Anstieg des Meeresspiegels und der Bedrohung der Lebensgrundlagen vieler Menschen schreitet der Klimawandel voran. Dass die Antwort nicht Atomkraft heißen kann, ist spätestens seit Fukushima klar. Aber anstatt konsequent auf erneuerbare Energien zu setzen und die fossilen Brennstoffe im Boden zu lassen, werden Kohlekraftwerke und die Risikotechnologie CCS als Alternativen zur Atomkraft propagiert.

Wir nehmen das nicht hin! Wir wollen an Auseinandersetzungen um Klimagerechtigkeit und Energiesouveränität anknüpfen und mit einem Camp Alternativen zum „business as usual“ denken, leben und erstreiten.
Vom 7. bis 14. August 2011 findet in Brandenburg (Jänschwalde, Näge Cottbus) das Klima und Energiecamp statt.
Während dieser Woche wollen wir gemeinsam einen Raum schaffen, an dem Wissensaustausch und Vernetzung, widerständige Praxis und direkte Aktion, ressourcenschonendes Leben und basisdemokratische Selbstorganisation möglich ist.

Der Vorbereitungsprozess läuft bereits, aber alle sind willkommen sich einzubringen und dabei bei der Planung und Umsetzung des Camps zu helfen.
Das nächste Vorbereitungstreffen findet am 14. und 15. Mai in Cottbus statt.
Bei Interesse einfach melden: info@lausitzcamp.info

Weitere Infos zum Camp: http://www.lausitzcamp.info/
Kontakt in Leipzig: klimagerechtigkeit_le@riseup.net

Kommt vorbei und bringt euch ein!

17.-18.06. Berlin, Konferenz: "Postkoloniale Gesellschaftswissenschaften. Eine Zwischenbilanz"

Datum, Ort: 17.-18. Juni 2011, Humboldt-Universität, Unter den Linden 6, Senatssaal
Anmeldefrist: 01. Juni 2011
Programm als PDF hier erhältlich

Vortragende: Gabriele Dietze, Shalini Randeria, Julia Lossau, Sérgio Costa, Ina Kerner

Zentrales Ziel der Konferenz „Postkoloniale Gesellschaftswissenschaften. Eine Zwischenbilanz“ ist eine Bestandsaufnahme und Zusammenführung des aktuellen Diskussionsstandes der gesellschaftswissenschaftlichen Zweige der post-kolonialen Studien im deutschsprachigen Raum, insbesondere von postkolonialen Thematisierungen aus der Geschichtswissenschaft, der Ethnologie/Anthropologie, der Politikwissenschaft, der Soziologie und der Geographie. Diese sollen außerdem nicht nur untereinander, sondern auch mit kunst-, literatur- und kulturwissenschaftlichen sowie mit außerakademischen Thematisierungen postkolonialer Konstellationen ins Gespräch gebracht werden. Ferner soll die Konferenz ein Forum sein, Kernfragen einschlägigen Forschungsarbeiten zu diskutieren. Über die Vorstellung und Diskussion von Einzelprojekten hinaus soll auf diesem Wege deutlich werden, wie in den einzelnen Disziplinen konkret mit postkolonialen Perspektiven gearbeitet wird und wie es, darauf aufbauend, um die Übersetzbarkeit von disziplinären Begriffen und Konzepten von einem Feld in ein anderes bestellt ist.

Weitere Informationen findet ihr hier.

20.-22.05. Berlin: Konferenz RE-THINKING MARX - PHILOSOPHIE, KRITIK, PRAXIS

Internationale Konferenz vom 20.-22. MAI 2011 in der und von der Humboldt Universität Berlin.

Vortragende:
Miguel Abensour (Paris) | Andreas Arndt (Berlin) | Étienne Balibar (Paris/Irvine) | Harald Bluhm (Halle/Wittenberg) | Manuela Boatca (Berlin) | Matthias Bohlender (Osnabrück) | Wendy Brown (Berkeley) | Hauke Brunkhorst (Flensburg) | Susan Buck-Morss (Ithaca) | Terrell Carver (Bristol) | Andrew Chitty (Sussex) | Alex Demirović (Berlin) | Esra Erdem (Berlin) | Franck Fischbach (Nizza) | Rainer Forst (Frankfurt) | Michael Heinrich (Berlin) | Rosemary Hennessy (Houston) | Christoph Henning (St. Gallen) | Tim Henning (Jena) | Axel Honneth (Frankfurt) | Gerald Hubmann (Berlin) | Marco Iorio (Potsdam) | Stevi Jackson (York) | Rahel Jaeggi (Berlin) | Serhat Karakayali (Halle) | Russell Keat (Edinburgh) | Neil Lazarus (Warwick) | Thomas Lemke (Frankfurt) | Urs Lindner (Berlin) | Christine Löw (Kassel) | Georg Lohmann (Magdeburg) | Daniel Loick (Berlin/Frankfurt) | Andrea Maihofer (Basel) | Oliver Marchart (Luzern) | Hanna Meißner (Berlin) | Christoph Menke (Frankfurt) | Frederick Neuhouser (New York) | Ceren Özselçuk (Istanbul) | Moishe Postone (Chicago) | Nina Power (London) | Michael Quante (Münster) | Tilman Reitz (Jena) | Emmanuel Renault (Lyon) | Hartmut Rosa (Jena) | Saskia Sassen (New York) | Hans-Christoph Schmidt am Busch (Münster) | Titus Stahl (Frankfurt) ||

Den Ablaufplan und ähnliche Details gibt es hier.

21.05.11 Frankfurt/M.: What is Critique? Judith Butler and Gayatri Chakravorty Spivak

Judith Butler and Gayatri Chakravorty Spivak
In conversation with Nikita Dhawan & María do Mar Castro Varela

What is Critique?
Saturday, 21st May 2011, 18-21h,
Campus Westend, Hörsaalzentrum, HS 1 (Audimax)
Grüneburgplatz 1, Goethe-University Frankfurt

Frankfurt Research Center for Postcolonial Studies
Cluster of Excellence “The Formation of Normative Orders”
Goethe University Frankfurt

Free admission. Limited seats.
Please register at: butler.spivak.frcps@googlemail.com

What does the practice of critique entail? What does it mean to exercise ruthless critique here and now? What are the sources from which the necessity and urgency of critique emerges? In contrast to the understanding of critique as fault-finding, negative evaluation, legitimate rejection or condemnation, a critical understanding of critique unfolds it to be a process of production and revelation of crisis. As a mode of radical questioning, of unsettling self-evident answers, of interfering in established relations of power, it is simultaneously a self-critical process. The standard understanding of criticism privileges an Archimedean point that is positioned outside the context it seeks to critique. This assumes the validity of its own perspective prior to the practice of criticism that remains unquestioned. In the process it does not problematize its own criteria and position and thereby ends up stabilizing the prevalent power relations. But there is no position beyond power to exercise critique; rather it entails the questioning of the constitutive violence of dominant theories, concepts and norms. Critique thereby becomes an intervention, a resistance to conformity, a tool that can bring the production of truths into crisis. It disrupts secure foundations, interrupts the functioning of discourses, not to substitute them with more accurate alternative epistemes, but to reveal the complexity, contingency and violence of our “regimes of truth”. Critique may thereby be understood as an exercise of exposing “constellations of power”, of voluntary insubordination, of desubjugation. The aim of understanding the practice of critique is not a mere exercise of investigating the content of the act critique, but to explore the accompanying processes of subject-formation that the mode of questioning as well as the reflection on the processes of critique bring about. This is neither about exposure of error, nor about good or bad, right or wrong according to accepted standards. It is neither a method nor a theoretical position, rather critique is an exploration of how it may be possible to think otherwise – persistently denaturalizing and historicising the order of things. It is a practice in which we pose the question of the limits of our most sure ways of knowing, doing and thinking. It entails a crisis of the epistemological framing of our worlds. Consequently, a critical attitude is carried out by the willingness to submit fundamental truths to questioning, a refusal to accept anything on faith or authority. In doing so, the practice of critique entails risk-taking, a putting oneself in danger in the face of existing power. It is ruthless in the sense that it does not fear its own consequences.

Veranstaltungsreihe "Postkolonialismus, Rassismus, kritischsches weißSein", Potsdam

Liebe Leute,
an acht Terminen zwischen dem 20.04 und dem 13.07.2011 laden wir Euch herzlich zu einer Veranstaltungsreihe zu Postkolonialismus, Rassismus und kritischem weißSein ein. Wir sind die Gruppe reclaim society, die seit Anfang 2010 emanzipatorisch zu Themen rund um Migration, Asyl und Rassismus arbeitet.

Zusammen mit Euch und den Referent_innen möchten wir den Bogen von der Auseinandersetzung mit einer deutschen Identität über die Auswirkungen der Kolonialvergangheit insbesondere im deutschen Kontext bis zu einem neuen kritischen Blick auf die eigene Stellung in der Gesellschaft spannen.

Das Programm:

20.04. Die deutsche Identität in der Diskussion - Julio Roldán

27.04. Kulturalisierung individueller, sozialer und politischer
Problematiken - Michael Brune

20.04. Die deutsche Identität in der Diskussion - Julio Roldán

27.04. Kulturalisierung individueller, sozialer und politischer
Problematiken - Michael Brune

04.05. The Intrusive Past and the Future (englisch) - Grada Kilomba

18.05. Berlin Remix -- Straßenumbenennungen als Chance zur
postkolonialen Perspektivumkehr - Joshua Kwesi Aikins

01.06. "Wo kommst du her?" P.O.C. als (neo-)kolonialer
Widerstandsbegriff in Deutschland - Mutlu Ergün

15.06. Black is beautiful und andere Gemeinplätze - Katharina Oguntoye

29.06. decolonizing your tongue -- Marianne Balle & Erziehung und
Bildung zu weißSein -- Aretha Schwarzbach-Apithy

13.07. Zusammenfassung, Feedback, Aufruf zur Praxis + "Basar der Projekte"

Alle Veranstaltungen finden *mittwochs von 18 bis 20 Uhr an der Universität Potsdam, Campus Griebnitzsee (S-Bahn Linie S7), Gebäude 06, Hörsaal 03* (Lageplan: http://www.uni-potsdam.de/db/zeik-portal/gm/lageplan.php?komplex=3) statt.

Wir freuen uns auf Euer Kommen!

reclaim society

(Kontakt: reclaim.society@yahoo.com / reclaimsociety.wordpress.com)

Neuerscheinung: Regieren mit Datenschutz und Überwachung, Gregor Wiedemann

Informationelle Selbstbestimmung zwischen Sicherheit und Freiheit

Regieren mit Datenschutz und Überwachung. Informationelle Selbstbestimmung zwischen Sicherheit und FreiheitAutor: Gregor Wiedemann, erschienen in der Reihe Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag: Politikwissenschaften, Band 41

Tectum Verlag, April 2011. ca. 194 Seiten. Paperback. EUR 24,90 ISBN 978-3-8288-2636-6

Freiheit stirbt mit Sicherheit! Oder? Geht es nach dem Willen von Sicherheitspolitikern, so erscheint beinahe jedes Mittel Recht, um Terrorakte schon in der Planungsphase zu unterbinden. Kritiker staatlicher Überwachung von Internet und Telefondaten sehen dagegen die “informationelle Selbstbestimmung” zunehmend bedroht. Gleichzeitig geben viele Bürger im nichtstaatlichen Bereich immer mehr persönliche Daten unbekümmert frei. Rabattsysteme oder Web-Dienste wie Google, Twitter und Facebook sammeln Datenmengen, die staatliche Eingriffe bei weitem übersteigen. Besteht also überhaupt der vielfach postulierte Zielkonflikt zwischen individueller Freiheit und kollektiver Sicherheit?

Datenschutz und Vorratsdatenspeicherung

Anhand von Bundestagsdebatten zum Datenschutzrecht und zur Vorratsdatenspeicherung untersucht Gregor Wiedemann die politischen Diskurse zu Datenschutz und Überwachung. Er sucht nach Anzeichen für eine Erosion der informationellen Selbstbestimmung. Verschiebt sich die politische Praxis vom Primat individueller Freiheit hin zu kollektiver Sicherheit? Droht tatsächlich ein Überwachungsstaat oder haben Datenschützer sich mit ihren Forderungen schlicht nicht angemessen auf die neuen soziotechnischen Entwicklungen eingestellt?