PERIPHERIE-Call for Papers: Widerstand

Das Thema Widerstand ist auf die politische Tagesordnung zurückgekehrt und wird kontrovers diskutiert. Spätestens seit dem „Arabischen Frühling“ hat die Hoffnung auf eine Welt ohne Unterdrückung und Unfreiheit neue Aktualität gewonnen – in Europa ebenso wie im globalen Süden. Diese Bewegungen artikulieren sich als Widerstand gegen als illegitim empfundene Ausübung der Staatsgewalt durch autokratische Regime. Weltweit verbinden sie sich mit Arbeitskämpfen z.B. in China oder Lateinamerika, mit den häufig von indigenen Gruppen geführten Protesten gegen ökologische Zerstörungen, Landraub und Ressourcenplünderung. In den Metropolen, etwa in Frankreich, Spanien oder Deutschland, entzünden sich Auseinandersetzungen an den Fragen des Widerstandsrechts gegen die Staatsgewalt, die seit den gewaltförmigen (bürgerlichen) Staatsgründungen im 16. und 17. Jahrhundert virulent sind. Die Kämpfe von Jugendlichen in den Pariser Vorstädten, der Kampf der Bürgerinnen und Bürger gegen „Stuttgart 21“ oder die occupy-Bewegung verfügen über eine außerordentliche Strahlkraft. Widerstand zeigt sich in unterschiedlichen Formen und ist erfinderisch in seinen Methoden („weapons of the weak“). Vor aller Stellvertretung oder parlamentarischer Reform und jenseits davon suchen Widerstandsbewegungen nach direkten Wegen, wahrgenommenes Unrecht zu überwinden, als gut und gerecht verstandene Zustände wiederherzustellen oder die Voraussetzungen für ein besseres Leben zu schaffen.

Das geplante Schwerpunktheft fragt danach, unter welchen Bedingungen Widerstand stattfindet, wie er entsteht, welche Ziele er verfolgt und zu welchen Ergebnissen er führt. Hierzu wünschen wir uns Beiträge insbesondere zu folgenden Themen:
- Von welchen Akteurinnen und Akteuren werden Widerstandsbewegungen getragen?
- Globale Dimension nationalen Widerstandes: Transnationalisierung von Protest.
- Die Ethik des Widerstandes: Legalität versus Legitimität und soziales Widerstandrecht; ethische und kulturelle Grundlagen gewaltfreien Widerstands; was ist illegitime Gewalt und was „progressive Gewalt“ im Sinne von legitimen Widerstand?
- Methoden und Techniken des Widerstandes: von zivilem Ungehorsam zur Gewaltkampagne; gewaltfreie Methoden wie (Hunger-)Streik, Boykott u.a.; gewaltsame Methoden (Partisanenkampf, Guerilla, Ghetto-Aufstände u.a.).
- Ideologie versus Strategie: Gewaltfreiheit, Gewaltlosigkeit oder gewaltfreie Aktion?
- Wechselwirkungen zwischen gewaltfreiem und gewaltsamem Widerstand: Unter welchen Bedingungen kann ein gewaltfreier Widerstand zu einem gewaltsam ausgetragenen Konflikt werden? Wie sieht Solidarität unter Akteurinnen und Akteuren verschiedener Widerstandsformen aus?
- Regimewechsel: gewaltfreie Staatsstreiche, Umstürze und Revolutionen; Begriff der Revolution.
- Staatsmacht, Anarchie und anti-kolonialer Widerstand: Wer begrenzt die „gewaltbegrenzende Gewalt“?
- Modelle der anti-kolonialen Revolution und Konterrevolution in Vergangenheit und Gegenwart.
- Dialektik des Widerstandes: Wie werden aus „Befreiern“ nationalistische Bewegungen? Antikoloniale Bewegung und nationale Ideologie.

Wir bitten interessierte Autorinnen und Autoren um ein Exposé (1-2 Seiten) bis spätestens zum 8.3.2012. Der Redaktionsschluss für erste Artikelfassungen ist der 3.5.2012. Exposés und Beiträge bitten wir an die Redaktionsadresse zu schicken: info@zeitschrift-peripherie.de.

Weitere Infos unter http://www.zeitschrift-peripherie.de/