InSeL-Veranstaltungsreihe: Lernen, was ich will! Bildung zwischen Selbstoptimierung und Emanzipation
Bildung war stets mit der Emanzipation der Individuen verknüpft. Emanzipation setzte ein Bewusstsein der gesellschaftlichen Strukturen und der eigenen Verwobenheit in sie voraus. Bildung versprach, sich mit der Welt und damit immer auch uns selbst auseinander zu setzen, „selbst-bewusst“ zu werden und neue „selbst-bestimmte“ Handlungsmöglichkeiten zu erarbeiten.
Doch die Versprechen der Bildung gerieten in den letzten Jahrzehnten als subtilere Form der Herrschaft in die Kritik. Mit Schlagworten wie dem „unternehmerischen Selbst“, „Subjektivierung“ oder „Selbsttechnologien“ wurde die Arbeit an dem eigenen Selbst, die Bildung implizierte, als Selbstoptimierung in Hinblick auf eine bessere Verwertbarkeit analysiert. – Ist damit die Vorstellung eines Lernens, das auf Emanzipation zielt, endgültig als naiv verworfen? Lässt sich überhaupt unterscheiden zwischen Selbstoptimierung und Emanzipation?
Daran anknüpfend stellt sich die Frage nach einer emanzipativen Praxis des Lernens: Wie können wir uns gegenseitig auf unserem individuellen Lernweg unterstützen? Welche Formen gleichberechtigten Lernens sind denkbar, die tatsächlich emanzipativ sind? Wie sieht ein Lernen aus, das bestehende Herrschaftsverhältnisse wie die zwischen Kindern/Erwachsenen, Gebildeten/Ungebildeten, Wissenden/Unwissenden nicht affirmiert, sondern in Frage stellt? Wie könnte Bildung als Emanzipation aussehen?
Die nächsten beiden Veranstaltungen:
15.11.11, 20 Uhr: „Da hab ich die Welt plötzlich mit anderen Augen gesehen“ - Widerstand und Bildung
Ort: Projekt- und Hörgalerie „A und V“ (Lützner Straße 30/Leipzig)
Die eigene „Politisierung“ erleben viele als singuläres Moment, als eine spezielle und individuelle Erfahrung, die den Mut und das Selbstvertrauen auslöste, die Zustände zuhinterfragen und verändern zu wollen: Situationen in der Jugendarbeit, die Erfahrungen in der Schüler_innenvertretung, das Engagement im Jugendzentrum, brenzlige Situationen auf einer Demo oder einer Reise, die Selbstorganisation beim Bildungsstreik. Was verbindet diese subjektiven Geschichten?
In den „Politisierungsgeschichten“ geht es um Momente, in denen sich die Beteiligten als Subjekt ihres Lebens erfahren, in denen Strukturen brüchig werden, Momente, in denen die eigenen Spielräume sichtbar werden. Es geht um die Erfahrung, dass das eigene Handeln einen Ausschlag gibt, dass die Welt, wie sie eingerichtet ist, veränderbar ist.
Unsere eigenen Erfahrungen als Ausgangspunkt nehmend werden wir uns fragen, was Bildung ausmacht und welchen Nährboden es braucht, dass Menschen diese Erfahrungen machen können.
(Film, Input und Diskussion)
13.12.2011, 20 Uhr: Wer lernt hier eigentlich von wem? - Zum Zusammenhang von Bildung und der Konstruktion von Kindheit
Ort: Lernwerkstatt EWI (Karl-Heine-Str./Leipzig)
Viele institutionalisierte Lernzusammenhänge basieren auf der Differenz zwischen Wissenden und Unwissenden, die durch Lehren auf der einen Seite und Lernen auf der anderen Seite ausgeglichen werden soll. Um Lehren bzw. Lernen zu ermöglichen muss diese Differenz immer erst situativ erzeugt werden: Den Adressaten von Bildungsarbeit/Lehre muss ihr Nicht-Wissen bewiesen werden, ihre Unwissenheit muss hergestellt werden, um sie empfänglich für das Wissen, für ihr Lernen zu machen. Dieser Prozess ist ein gewaltsamer und ist besonders wirksam, wenn er sich an bestehende Herrschaftsverhältnisse wie die Differenz zwischen Erwachsenen und Kindern anlegen kann.
Deshalb stellen wir die Frage, wie unsere Vorstellungen von Lernen durch Adultismus, das Machtverhältnis zwischen Erwachsenen und Kindern, strukturiert sind.
(Input und Diskussion)
die folgenden Veranstaltungen und Infos zur 'Insel für selbstbestimmtes Lernen' unter:
http://onlineinsel.wordpress.com/termine/veranstaltungsreihe-leipzig/