Sammlung von Newsfeeds
Slow Science
Auch wenn sie nur noch eine blasse Erinnerung ist: die Hitzewelle der vergangenen Wochen hat Entschleunigung gebracht. Etwas davon herüberzuretten wäre keine schlechte Idee. In diesem Sinne dokumentieren wir das Manifest der Slow Science Academy, die für Langsamkeit in der Wissenschaft plädiert. Mehr über die Entschleunigungsbewegung gibt es auch auf der Seite des “International Institute of Not Doing Much”.
THE SLOW SCIENCE MANIFESTOWe are scientists. We don’t blog. We don’t twitter. We take our time.
Don’t get us wrong—we do say yes to the accelerated science of the early 21st century. We say yes to the constant flow of peer-review journal publications and their impact; we say yes to science blogs and media & PR necessities; we say yes to increasing specialization and diversification in all disciplines. We also say yes to research feeding back into health care and future prosperity. All of us are in this game, too.
However, we maintain that this cannot be all. Science needs time to think. Science needs time to read, and time to fail. Science does not always know what it might be at right now. Science develops unsteadily, with jerky moves and unpredictable leaps forward—at the same time, however, it creeps about on a very slow time scale, for which there must be room and to which justice must be done.
Slow science was pretty much the only science conceivable for hundreds of years; today, we argue, it deserves revival and needs protection. Society should give scientists the time they need, but more importantly, scientists must take their time.
We do need time to think. We do need time to digest. We do need time to misunderstand each other, especially when fostering lost dialogue between humanities and natural sciences. We cannot continuously tell you what our science means; what it will be good for; because we simply don’t know yet. Science needs time.
—Bear with us, while we think.
Die Schwangerschaftsvermutung
Das erste Mal war ich ziemlich überrascht. Ein Kommilitone fragte mich, ob denn die Gerüchte stimmten und man gratulieren dürfe. Ich war etwas perplex und fragte: welche Gerüchte? Dass ich schwanger sei. Ich verneinte. Das war vor etwa fünf Jahren. Inzwischen bin ich dreißig und nicht mehr überrascht. Aber so langsam werde ich wütend.
Ehemalige Klassenkameradinnen, flüchtige Bekanntschaften, wildfremde Kellner_innen, berufliche Kontakte stellen diese und verwandte Fragen mit einer Selbstverständlichkeit, die irritiert. Auslöser sind regelmäßig meine Kleidung, meine Figur, die Tatsache, dass ich manchmal alkoholfreies Bier bestelle (und auch gern trinke). Die Ursache? Vermutlich, dass ich eine Frau bin, im gebärfähigen Alter, wie man sagt. Zu bestimmten Gelegenheiten – wie Klassentreffen – achte ich darauf, möglichst früh mit brennender Zigarette im Mund und Alkohol in der Hand aufzutreten. Egal, wie das sonst wirken mag. Hauptsache: diese Frage vermeiden.
Bedeutungsschwangere Blicke von der Freundin beim Bestellen des alkoholfreien Biers. „Hast Du mir was zu sagen?“ Beim dritten alkoholfreien Bier (in einer Kneipe, in der ich noch nie gewesen war) fragt die Kellnerin, warum ich dieses Getränk bestelle: weil ich fahren muss, weil ich schwanger bin oder weil es schmeckt? Der ältere Mann, mit dem ich eine Schlüsselübergabe nach einer Party mache, fragt mich beim Smalltalk, wann ich denn Mama werde, wann es denn so weit ist. Die Klassenkameradin beim Klassentreffen, der ich erzähle, dass ich mit einem Mann zusammenlebe, fragt mit Blick auf meine Zigarette und mein Oberteil (man nennt sowas, glaube ich, Tunika): aber schwanger bist Du nicht, oder? Ein Bekannter aus politischen Zusammenhängen ist aus irgend einem Grund der Meinung, dass ich ein Kind habe. Die Sekretärin des Lehrstuhls, an dem ich einmal beschäftigt war, ist sich hingegen nicht mehr sicher, ob es eines oder zwei waren.
Ich habe kein Kind. Ich bin nicht schwanger. Und es geht euch nichts an. Die Vermutung mag amüsant, gar freundlich sein – die Frage ist unverschämt.
Ist den Leuten nicht klar, wie intim diese Frage ist? Nach meinem Gewicht, meiner Lebensplanung, meiner Sexualität, meiner Gesundheit, meinem Beziehungsglück würden diese Menschen mich üblicherweise nicht fragen. All diese und noch mehr sensible Punkte sind mit der Frage nach der Schwangerschaft berührt. Warum halten sie sich für berechtigt, die Frage zu stellen und nicht andere? Ich muss an einen Blog-Post von Jessica Valenti denken, die darüber berichtet, wie wildfremde Menschen sich aufgrund ihrer Schwangerschaft berechtigt fühlen, ihren Bauch anzufassen. Der weibliche Körper wird mit der Schwangerschaft zum öffentlichen Gut, so die Analyse: die Frau hat eine Intimsphäre, die (werdende) Mutter nicht (siehe auch hier). Daran anschließend frage ich mich: ist mein Ärgernis eine Erweiterung davon? Endet mein Recht auf Privatsphäre schon da, wo es um meine potenzielle Rolle als Kinderproduktionsstätte geht? Bin ich darüber auskunftspflichtig? Es geht hier nicht um gekränkte Eitelkeit, damit komme ich klar. Es geht um die Zumutung – eine Zumutung, der Teenager, Männer und dünne Frauen vermutlich seltener ausgesetzt sind.
Ein junger Mann, den ich zum ersten Mal treffe, fragt, ob ich schon Kinder hätte und ob ich bald welche will. Wenn wildfremde Leute mich anlächeln, frage ich mich auch schon, ob es an der Schwangerschaftsvermutung liegt. Denn Schwangere lächelt man an. So heißt es.
Neonazis wollten Veranstaltung in Geithain stören
Etwa 15 Neonazis bedrängten am 15. Juli in Geithain die BesucherInnen einer Informationsveranstaltung, bei der über lokale Strukturen der rechten Szene und Möglichkeiten der Intervention diskutiert werden sollte.
Quelle:chronik.LE, Campus vom 11. Juni 2010 über Manuel Tripp [PDF ]
Konzert der Nazi-Band "Kategorie C" in Leipzig
Am Samstagabend spielte die Band "Kategorie C - Hungrige Wölfe" in den Räumen des Motorradclubs "Underdogs" im Gewerbepark Großzschocher.
Quelle:chronik.LE, Indymedia: Kategorie C - Das Business, Lotta #31 Sommer 2008: Die RechtsRock-Band »Kategorie C«
[1] Dossier der Wochenzeitung Die Zeit: Angriff von rechts außen
Deutschland-Fan greift Jugendlichen wegen spanischer Flagge an
Nach der Niederlage der deutschen Nationalmannschaft beim Halbfinale der Fußball-Weltmeisterschaft der Männer wurde am Mittwochabend ein 15-Jähriger, der eine Flagge der Siegermannschaft Spanien mit sich führte, in der Leipziger Innenstadt aus einer Gruppe heraus angepöbelt und attackiert.
Quelle:LVZ-Online vom 8. Juli 2010, LVZ vom 9. Juli 2010, PD Leipzig vom 08.07.2010
Kulturfragen
Bilder sprechen für sich.
Hier: Das Auswärtige Amt stellt die “Aktion Afrika” vor. Es geht um deutsch-afrikanischen Kulturaustausch. Nebenbei wird Afrika als bilateraler Partner für Deutschland mal wieder als ein Gesamtstaat behandelt.
Mir geht es aber um die beiden Bilder:
Wie sieht ‘deutsche’ Kultur aus, und was ist ‘afrikanische’ Kultur?
Auswärtiges Amt: “Aktion Afrika – Deutschland setzt sein Engagement fort”.
Zu finden auf www.auswaertiges-amt.de
NPD-Chef Voigt irrlichtert durch Lindenau
Am Freitag fand im Leipziger NPD-Büro eine Veranstaltung mit dem NPD-Bundesvorsitzenden Udo Voigt statt. Teilnehmer_innen einer Kundgebung gegen das NPD-Büro wurden beschimpft und mit einer Flasche beworfen.
Quelle:LI-Z vom 26.06.2010, chronik.LE, NPD Leipzig
Neulich in Leipzig: U-Bahn-Lied in der Straßenbahn
Am heutigen Abend gegen 23 Uhr wurde von mehreren angetrunkenen Personen in der Tram 4 nach Stötteritz das antisemtische U-Bahn Lied gesungen: "Eine U-Bahn bauen wir, von Leipzig bis nach Auschwitz".
Die Mehrheit der Mitfahrenden reagierten belustig und niemand sagte etwas gegen die mehrmals angestimmten Gesänge.
Quelle:chronik.LE
Antisemitische Schmiererei gegen die BSG Chemie
An einer Garage nahe der Bernhard-Göring-, Ecke Scheffelstraße wird eine antisemitische Schmiererei gegen den Fußballverein BSG Chemie gesichtet. Offensichlich hatten Gegner_innen des Vereins über einen "Chemie"-Schriftzug mit großer schwarzer Schrift "Juden" geschmiert, dazu einen Davidsstern.
Quelle:chronik.LE
Rechte Sprühereien in Wurzen
"Rechtsgerichtete" Symbole und Parolen sprühten Unbekannte am Wochenende in Wurzen. Die Täter_innen betätigten sich laut Polizei in der Lüptitzer Straße und in der Kleegasse. Die Höhe des Sachschadens sei nicht bekannt.
Quelle:PD Westsachsen vom 28.06.2010
Eilenburg: Nazi-Schmierereien am Wasserturm
Über das Wochenende wurden in Eilenburg auf dem Parkplatz am Wasserturm verfassungsfeindliche Symbole an die Hochwasserschutzwand gesprüht. Mit schwarzer Farbe sind Sigrunen, Hakenkreuze und andere nationalsozialistische Parolen aufgebracht worden.
Quelle:PM der PD Westsachsen vom 25.06.2010
Eilenburg: Dönerimbiss brennt nach Deutschlandspiel ab
In Eilenburg wurde in der Nacht zu Sonnabend, nach einem WM-Spiel mit deutscher Beteiligung, gegen 4.30 Uhr ein Dönerimbiss in Brand gesteckt. Der in Eilenburg-Ost geparkte Wagen brannte trotz Feuerwehreinsatz vollständig aus. In derselben Nacht gingen in der Stadt auch mehrere Papiercontainer und Papierkörbe in Flammen auf. Die Polizei geht in allen Fällen von Brandstiftung aus.
Quelle:LVZ-Online vom 24.6.2010, LVZ Delitzsch-Eilenburg vom 25.06.2010, PD Westsachsen vom 24.6.2010
AMOK ALEX rockt im Flower-Power gegen "Lutscher"
Unter dem Motto "No Lutscher Music" lädt die Leipziger Bar "Flower Power" zu einer DJ-Veranstaltung. Der Titel der Veranstaltung zeigt an, dass so genannte "Lutscher" explizit ausgeladen sind. Mit diesem Begriff werden landläufig Homosexuelle Männer bezeichnet, in Anspielung auf oralen Geschlechtsverkehr.
Quelle:Veranstaltungsplakat, chronik.LE
Neonaziüberfall auf Jugendliche in Connewitz
Drei Neonazis haben am frühen Samstagabend eine gleich große Gruppe von Jugendlichen auf der Karl-Liebknecht-Straße angegriffen. Eine Person wurde dabei leicht verletzt.
Quelle:chronik.LE
Wurzen: Nazis treffen sich zu Fußballturnier
Mit mehr als 50 Teilnehmern fand bereits zum dritten Mal ein von Nazis organisiertes Fußballturnier in Wurzen statt. Eine Gruppierung namens "Nationale Sozialisten Muldental" organisierte den "Fußballwettstreit" unter dem Motto "Das System ins Abeits" im Stadtwald (Spitzbergpark).
Quelle:Youtube-Video
Neonazis auf Männertagsfahrt im Muldental
Am Himmelfahrtstag fuhr von Wurzen bzw. Bennewitz aus ein Traktor mit Anhänger auf der B 6 in Richtung Machern. Auf dem Gefährt war eine Reichskriegsflagge gehisst und ein Transparent mit der NS-Parole "Kraft durch Freude" befestigt. Auf dem Anhänger feierten 12-15 bekannte Neonazis aus der Umgebung, die laut Zeug_innen sehr angetrunken waren, aggressiv auftraten und szenetypische Lieder sangen.
Quelle:Neonazistische Musik und Parolen in Wurzener Gartensparte
In der Nacht vom Pfingstsonntag auf Pfingstmontag hören etwa zehn Jugendliche, die in der Gartensparte Am Doktorteich in Wurzen feiern, lautstark neonazistische Musik. Zudem singen sie laut Zeug_innen ebensolche Lieder und grölen Nazi-Parolen. Erst gegen 3.30 Uhr kehrt Ruhe ein, nachdem die Polizei verständigt wurde.
Quelle:Das E-Wort als notwendige Skandalisierung?
Der ehemalige Berliner Finanzsenator, von einigen Zuständigkeiten entlastete Bundesbank-Vorstand und nach wie vor SPD-Parteibuchbesitzer Thilo Sarrazin hat sich wieder einmal geäußert. “Rassistisch”, sagt (u.a.) die taz: Intelligenz sei “zu fast 80%” erblich und unterscheide sich zwischen (nach Herkunft unterschiedenen) Bevölkerungsgruppen, die auch ein unterschiedliches Reproduktionsverhalten hätten. Beides zusammen bedrohe Deutschland. “Provokant”, sagt der Spiegel. “Dumm und nicht weiterführend”, sagt die Kanzlerin (laut Jungle World). “Rechtsextrem”, sagt, wie der Schwarze Blog berichtet, der Aufruf zu einer Demo gegen Sarrazin am 21.6. in Berlin. Die Forderungen, laut Flyer:
- Sarrazin muss aus der SPD ausgeschlossen werden!
- Entlassung Sarrazins vom Vorstand der Bundesbank!
- Gesicht zeigen gegen Rassismus!
Der beim Schwarzen Blog dokumentierte Aufruf weiter:
“SARRAZINS RECHTSEXTREME ÄUSSERUNGEN NEHMEN WIR NICHT LÄNGER HIN !!! DESHALB BITTEN WIR JEDEN UNS IN DIESEM VORHABEN ZU UNTERSTÜTZEN UND AM MONTAG, 21.06.2010 um 18 Uhr vor dem WILLY-BRANDT-HAUS mit uns zu demonstrieren ! Je mehr Leute wir sind, desto klarer wird der SPD, dass Herr Sarrazin aus der SPD ausgeschlossen werden muss (…)
Die ZEIT IST GEKOMMEN, um der Führungsriege der SPD klar zu machen, dass wir diese RECHTSEXTREMEN ÄUSSERUNGEN NICHT LÄNGER HINNEHMEN (…)
So schnell wird aus Rassismus Rechtsextremismus. Die Entscheidung gegen einen Parteiausschluss Sarrazins geschah u.a. mit dem Argument, Rassismus habe in der SPD zwar keinen Platz, Sarrazins Äußerungen seien aber – entgegen dem eigens eingeholten Gutachten – nicht “im klassischen Sinne” rassistisch. Der Nicht-Ausschluss stelle aber keinen “Freifahrtschein für weitere Provokationen” dar. Sarrazin war vermutlich nicht der Meinung, einen solchen zu brauchen.
Ob die öffentliche Forderung nach einem Parteiausschluss fruchtet? Sarrazins aktuelle Aussagen sind nicht mehr oder weniger, sondern ziemlich genau so rassistisch wie die früheren. Jenseits der Frage, was und wem ein solcher Ausschluss nützt, ist auch die Frage interessant, welche Reaktionen die Unterstellung, Sarrazins Äußerungen seien nicht (nur) rassistisch, sondern (auch) rechtsextrem, in der SPD hervorrufen wird. Die Definitionen von “rechtsextrem” eignen sich noch besser als bekannte Rassismusdefinitionen für eine vergleichbare Argumentation gegen den Ausschluss. Ist die Begriffsverschiebung als größere Skandalisierung gemeint? Muss Rechtsextremismus auch ablehnen, wer Rassismus toleriert? Ist, was als “extrem” bezeichnet wird, tatsächlich leichter auszuschließen, als etwas, das menschenfeindlich und rassistisch ist?
Der Verein DeuKische Generation e.V. spricht auch in einem Offenen Brief an Sigmar Gabriel von rechtsextremen Äußerungen Sarrazins und fordert den sofortigen Parteiausschluss.
Siehe auch: Sarrazin, Rassismusdefinitionen und die SPD
Danke an: Der Schwarze Blog
Nazis verletzen nichtrechten Jugendlichen in Borna-Ost
Fünf ortsbekannte Neonazis haben am Sonnabend in Borna einen Jugendlichen angegriffen und verletzt. Die jungen Männer trafen am Nachmittag an der Halfpipe in Borna-Ost auf ihr späteres Opfer. Sie bezeichneten den Jugendlichen als "Zecke".
Quelle:Naziparolen in der Südvorstadt
Am frühen Sonntagmorgen gegen 5:30 Uhr machten sich drei junge Männer lautstark in der Kochstraße bemerkbar. Langsam auf ihren Fahrräder rollend schrieen sie immer wieder "SS" und "Nationaler Widerstand" und andere neonazistische Parolen. Dabei führte nicht zuletzt das recht aggressive Auftreten der Männer zu einer beängstigenden Situation.
Quelle:chronik.LE